In Bayerns Handwerk sinkt die Zuversicht

Im bayerischen Handwerk läuft es schlechter. Ende Juni schätzten in einer Umfrage des Bayerischen Handwerkstages (BHT) nur noch 80 Prozent der Betriebe ihre aktuelle Lage als gut oder befriedigend ein - das sind 3 Punkte weniger als vor einem Jahr. Mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage im 3. Quartal rechnen nur 9 Prozent der Betriebe, mit einer Verschlechterung dagegen 19 Prozent.
Der Wert der Betriebe, die ihre Lage als gut oder befriedigend einschätzen ist im Handwerk typischerweise selbst in schwierigen Zeiten sehr hoch. "Ich denke die Handwerker schätzen Ihre Lage im Verhältnis zur derzeitigen Lage ein und sagen, im Vergleich dazu geht es mir noch ganz passabel", erklärt Handwerkspräsident Franz Xaver Peteranderl. Vor einigen Jahren sei es vielen aber noch wesentlich besser gegangen. Das zeigt sich auch im Geschäftsklima der Branche. Es fiel auf den schlechtesten Wert in einem zweiten Quartal seit der Hochphase der Corona-Krise 2020.
Irankrieg belastet
Peteranderl führt die schlechte Entwicklung unter anderem auf den Irankrieg zurück. Hohe Öl- und Benzinpreise und die Unsicherheit, wann der Konflikt ende, belasteten Unternehmen und Verbraucher. "Für das Konsum- und Investitionsklima ist das Gift."
Zudem belaste auch die Preisentwicklung. Zwei Drittel der Unternehmen berichten von steigenden Einkaufspreisen und etwa genauso viele erwarten dies auch im dritten Quartal. Das macht sich auch beim Umsatz bemerkbar: Mit 68,9 Milliarden Euro im ersten Halbjahr ergibt sich nominal zwar ein minimales Plus. Real - also preisbereinigt - liegt der Wert aber um 2,7 Prozent im Minus.
Beschäftigung sinkt
Auch die Beschäftigungssituation bleibe angespannt, sagt Peteranderl. "Nach unseren Schätzungen waren zum Ende des 1. Halbjahres rund 943.700 Personen in unseren Betrieben tätig. Dies entspricht einem Rückgang von 1,1 Prozent binnen eines Jahres." Dabei ist die Zahl der Handwerksbetriebe um ein halbes Prozent auf 214.000 gestiegen. Dahinter stecken einem Sprecher zufolge allerdings viele Ein-Mann-Betriebe.
Dennoch gibt es weiter offene Stellen im bayerischen Handwerk. Rund 30.000 sind laut BHT-Hauptgeschäftsführer Frank Hüpers bei den Arbeitsagenturen gemeldet. Vor allem im Elektrohandwerk, in der Gebäudetechnik sowie im Kfz-Bereich gebe es Engpässe. "Umso wichtiger ist, dass wir verstärkt junge Menschen für das Handwerk gewinnen", sagt er. Das gelingt ein Stück weit: "Bis Ende Juli wurden rund 17.800 neue Lehrverträge im bayerischen Handwerk abgeschlossen, das ist ein Anstieg von 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum."