In Bad Wiessee unterwegs: Der hungrige Hirsch vom Tegernsee

Derzeit ist er ein begehrtes Fotomotiv: Ein Hirsch stolziert durch Bad Wiessee – stets auf Nahrungssuche. Wie eine Wildtier-Expertin das Verhalten erklärt.
| Klaus Wiendl
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Den "ungeraden Sechszehnender" hat ein Jäger schon seit drei Jahren im Visier.
privat Den "ungeraden Sechszehnender" hat ein Jäger schon seit drei Jahren im Visier.

Bad Wiessee - Mit mächtigem Geweih frisst er sich für die Brunft fit. Mal stibitzt er die unreifen Äpfel aus dem Garten des Bürgermeisters, mal wird er in der Nähe eines Edeka-Marktes gesehen. Bis in den Ortsteil Abwinkl reicht sein Aktionsradius, dabei muss er die vielbefahrene B318 queren, bisher offenbar ohne Schaden.

Den "ungeraden Sechszehnender" hat ein Jäger schon seit drei Jahren im Visier. "Der kommt mit zwei anderen Hirschen meist vom Bucherhang und hat die Scheu abgelegt. Der ist besonders mobil." Muss er auch, denn jetzt sei für ihn das Allerwichtigste, "viele Kohlehydrate aufzunehmen und mit Fettreserven fit zu sein für die Brunft", sagt die Wildbiologin Christine Miller.

Wildbiologin: Hirsch sucht sich "ruhiges Platzerl"

Die Rottacherin ist Vorsitzende des Vereins "Wildes Bayern". Für Miller ist das Auftauchen von Hirschen in dieser Jahreszeit nichts Besonderes. "Das kommt immer wieder vor." In den Jagdzeitungen gebe es jedes Jahr Bilder von Rotwild in Obstgärten. Dies sei kein unnormales Verhalten im Spektrum eines Hirsches. "Es gibt coole Typen, die die wildesten Sachen machen." Laut Miller sucht sich der Wiesseer Hirsch ein "ruhiges Platzerl, wo es was zu fressen gibt."

Den "ungeraden Sechszehnender" hat ein Jäger schon seit drei Jahren im Visier.
Den "ungeraden Sechszehnender" hat ein Jäger schon seit drei Jahren im Visier. © privat

Das Wild habe "gecheckt, dass ihm in besiedeltem Gebiet nichts passiert und im Gegenteil der Tisch mit Blumen, Gemüse und Obstbäumen reich gedeckt ist", berichtet ein anderer Jäger. Der geht davon aus, dass der Hirsch sein Verhalten noch eine Zeit lang nicht verändern werde. Denn er befinde sich in der Feistzeit, in der er sein Geweih "fertig schiebt" und sehr bald "verfegt".

Sobald die Hormone im September tanzen, "verzieht er sich wieder in den Wald". Bis dahin sollte der Mensch "keinesfalls ein solches Wildtier gezielt anfüttern und handzahm machen", sagt Miller, "es ist und bleibt ein Wildtier." Es gebiete sich, dass man ihn "in Ruhe lässt und auch nicht verfolgt".

Rückblick I: Hund jagt Hirsch hinterher

Vor zehn Jahren stöberte ein Hund in Bad Wiessee unweit vom aktuellen Hirsch einen Artgenossen auf und hetzte ihn so lange, bis das Wildtier erschöpft aufgab und sich auf einem Gehweg niederließ. Die Polizei wurde daraufhin informiert. Nachdem sie das Tier eine Weile beobachtet und der Hirsch keine Fluchtreflexe mehr gezeigt hatte, erlöste ein herbeigerufener Jäger mit einem Fangschuss das Leiden des Tieres. Ob der Hundehalter mit Konsequenzen zu rechnen hatte, ist nicht bekannt.

Rückblick II: Verwechslung 

September 1998: Ein Kurgast ruft in Bad Wiessee aufgeregt bei der Inspektion an und teilt mit, dass vor seinem Hotel eine Kuh unter großem Geschrei gerade ein Kalb zur Welt bringe. Sofort fährt eine Streife los. Allerdings findet sie keine kalbende Kuh vor, sondern einen Rothirsch. Er leitet mit imposantem Brunftgeschrei gerade das Liebesspiel ein. Fazit damals im Polizeibericht: "Der Kurgast kommt vom Niederrhein und kannte diese Geräusche nicht."

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