Immer weniger Taufen - so reagieren die Kirchen
Ein Baby im Festtagskleid von Paten über den Taufstein gehalten, der Pfarrer benetzt die Stirn des Täuflings, daneben stehen die Eltern. Für Christen ein feierlicher Moment - den es so immer seltener in Bayern gibt. Das zeigen die Statistiken von evangelischer und katholischer Kirche. Ähnlich sieht es bei Kommunion und Konfirmation aus. Und wie reagieren die Kirchen? Befinden sich zwischen Ursachenforschung und der Suche nach Lösungen.
Taufen immer später
Die Mitgliederzahlen der beiden großen Kirchen sinken seit Jahren - auch in Bayern. Die evangelisch-lutherische Landeskirche (ELKB) verzeichnet auch einen deutlichen Rückgang bei Taufen - konkret um fast 50 Prozent in den vergangenen Jahrzehnten, wie eine Sprecherin mitteilte. Während zwischen 1970 und 2000 die Zahl der Taufen pro Jahr zwischen 30.000 und 23.000 lag, ging sie seit der Jahrtausendwende stark zurück. 2025 wurden laut ELKB-Mitteilung 12.562 Menschen getauft, 2024 waren es immer noch über 1.000 mehr gewesen, nämlich 13.633.
Hier spielt nicht nur die Demografie eine Rolle: "Die häufigste Begründung ist, dass Eltern die Entscheidung den Kindern überlassen wollen und eine Taufe nicht für sie entscheiden wollen", sagt die ELKB-Sprecherin.
Auch beim Alter der Täuflinge gibt es eine Verschiebung. Bis 1990 hätten mehr als 90 Prozent der evangelischen Taufen im ersten Lebensjahr stattgefunden. Seither gehe diese Zahl stetig zurück. 2010 seien es rund 75 Prozent gewesen und 2024 lediglich noch 64 Prozent. Die Zahl der Taufen ab dem zweiten und bis zum 14. Lebensjahr habe dagegen stark zugenommen: von 0,3 Prozent im Jahr 1970 auf 35 Prozent 2024. Die Zahl der Erwachsenentaufen stieg nach ELKB-Statistiken nicht signifikant.
In den katholischen bayerischen Bistümern sieht die Lage so aus: 36.129 Taufen gab es laut Statistik der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) im vergangenen Jahr. 2023 waren es noch 42.560 gewesen und 2019 mehr als 49.000. 2018 lag der Wert mit 52.748 sogar noch deutlich über der 50.000er-Marke.
Wie geht's weiter nach der Taufe? Konfirmation, Kommunion
Vor allem demografische Ursachen sieht die evangelische Kirche als eine der Ursachen für den Rückgang der Konfirmationen. Die Zahlen dabei seien zuletzt kontinuierlich um etwa ein bis zwei Prozent pro Jahr zurückgegangen. Wurden 2015 noch 22.413 Jugendliche konfirmiert, so waren es 2024 nur 15.683. Zum demografischen Effekt komme hinzu, dass lediglich etwa 75 Prozent der getauften Jugendlichen konfirmiert würden, erläutert die Sprecherin. Etwa zwei Prozent der Konfirmandinnen und Konfirmanden ließen sich erst in Zusammenhang mit der Konfirmation taufen.
In der katholischen Kirche gehen Kinder meist als Drittklässler zur Erstkommunion. Hier blieben die Zahlen weitgehend konstant. Im Vorjahr waren es 49.191 Buben und Mädchen, die traditionell in den Wochen nach Ostern ihre Erstkommunion feierten. Im Jahr zuvor waren es 49.177, 2023 sogar etwas weniger, nämlich 47.050.
Kindstaufe nicht von Kirchenmitgliedschaft der Eltern abhängig
In der evangelischen Kirche können Kinder auch dann getauft werden, wenn die Eltern keine Kirchenmitglieder sind. Dann braucht es den Angaben nach einen evangelischen Paten oder eine Patin. Auch die Konfirmation hängt nicht an der Kirchenmitgliedschaft der Eltern.
"Ein wesentlicher Moment besteht gerade darin, dass Jugendliche in der Konfirmation eine eigenverantwortliche Entscheidung bezüglich ihres eigenen Glaubens bekunden", sagte die Sprecherin. Deshalb sollte die Konfirmation auch erst nach dem 14. Geburtstag stattfinden, da die Jugendlichen dann nach deutschem Recht die vollständige Religionsmündigkeit erlangen.
In der katholischen Kirche ist es auch keine zwingende Voraussetzung für eine Taufe, dass die Eltern katholisch sind. Das Bistum Augsburg etwa schreibt: "Grundsätzlich haben die Eltern, auch wenn sie selbst nicht römisch-katholisch sind, das Recht, die Taufe ihres Kindes zu erbitten, sofern dieses noch nicht gültig getauft wurde. Es ist jedoch zu beachten, dass die katholische Erziehung des Kindes gewährleistet sein muss."
Was kann die Kirche tun? Segensfeier, Babymesse und Tauffest
Die evangelische Landeskirche hat im Jahr 2025 das Projekt "Segen für Babys" gestartet – eben aus der Erfahrung, dass die Taufe immer später oder gar nicht mehr durchgeführt wird. Familien mit Neugeborenen würden zu Segensfeiern für die Babys und die gesamte Familie eingeladen. So kämen sie mit der Kirche niedrigschwellig in Kontakt und könnten durch die Gemeinschaft und den Segenszuspruch die Kirche als stärkend empfinden, sagt die Sprecherin. "Die Frage der Taufe stelle sich für manche dann doch noch."
Auch auf Babymessen sei die evangelische Kirche öfter präsent, um sich "auf dem Markt" zu zeigen und auf die Taufe hinzuweisen. Viele Menschen hätten die Themen Kirche und Taufe gar nicht mehr im Blickfeld. Zudem gebe es in vielen Regionen Tauffeste. Da könnten Familien oder insbesondere Alleinerziehende mitfeiern, ohne eine eigene Feier organisieren zu müssen.
Für Konfirmandenkurse wirbt die evangelische Landeskirche ganz klassisch über Plakate, Flyer, Anschreiben oder jugendgemäß über Social Media. Wesentlicher sei aber, dass Jugendliche wahrnehmen könnten, dass Kirche ein Bereich sei, in dem sie mit ihrer Lebenswelt, mit ihren individuellen Anliegen, Fragen und Begabungen wahrgenommen und ernst genommen werden.
Wichtig seien Begegnungen der Generationen auf Augenhöhe und ein hohes Maß an Partizipation, so dass Jugendliche ihre Konfi-Zeit mitgestalten könnten. Dazu gehöre eine gute Verknüpfung mit der Kinder- und Jugendarbeit. Sei dies der Fall, steige die Bereitschaft, die eigene wertvolle Zeit über einen längeren Zeitraum für den Besuch der Konfi-Kurse zu nutzen.
Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de
- Themen:
- Evangelische Kirche
