Im Amt bestätigter Bürgermeister gesteht Wahlfälschung

Gab es eine Wahlmanipulation bei mehreren Abstimmungen in Wülfershausen? Nach Durchsuchungen läuft ein Verfahren gegen den Bürgermeister. Der Beschuldigte räumt die Vorwürfe ein.
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In Wülfershausen wird wegen Verdachts der Wahlfälschung ermittelt. (Symboldbild)
In Wülfershausen wird wegen Verdachts der Wahlfälschung ermittelt. (Symboldbild) © Pia Bayer/dpa
Wülfershausen an der Saale

Der kürzlich im Amt bestätigte Bürgermeister von Wülfershausen an der Saale in Unterfranken hat nach Angaben von Ermittlern Wahlfälschung eingeräumt. So soll er Briefwahlunterlagen geöffnet und jeweils mehrere Stimmzettel zur Gemeinderatswahl, der Wahl zum Ersten Bürgermeister und der Kreistagswahl verfälscht haben, teilte die Staatsanwaltschaft Schweinfurt mit. Anschließend habe er die Wahlumschläge wieder verschlossen oder durch von der Gemeinde vorgehaltene Ersatzumschläge ausgetauscht. "Die Anzahl der jeweils verfälschten Stimmzettel ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen", hieß es.

Beschuldigter am 8. März wiedergewählt

Trotz mehrmaliger Anfrage äußerte sich der Verdächtige gegenüber der Deutschen Presse-Agentur nicht zu den Vorwürfen. Für den Beschuldigten gilt bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung. Der Bürgermeister (CSU) war bei der Kommunalwahl am 8. März im Amt bestätigt worden, das er seit 2018 innehat. Stimmberechtigt waren bei der zurückliegenden Wahl laut Gemeinde 1.278 Bürgerinnen und Bürger, 472 gültige Stimmen entfielen auf den Amtsinhaber. 449 Wähler schrieben einen anderen Namen auf den Stimmzettel.

Stimmen für sich und seine Frau

Bei seiner Vernehmung am Dienstag sagte der Verdächtige nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft, er habe unter anderem seine Frau unterstützen wollen, die für den Gemeinderat kandidiert habe. Aber auch sich selbst soll der Mann nach Angaben der Ermittler mit zusätzlichen Stimmen versorgt haben. Es habe die Gelegenheit gegeben, die Wahlunterlagen zu manipulieren, und der Politiker habe diese Gelegenheit dann auch genutzt, hieß es.

Folgen noch unklar

Die Konsequenzen für die Wahlen werden nach Angaben der Ermittler derzeit vom Landratsamt Rhön-Grabfeld und der Regierung von Unterfranken geprüft. Ob der Beschuldigte zwischenzeitlich sein Amt als Erster Bürgermeister niederlegt hat, ist unklar. 

Freiheitsstrafe möglich

Am vergangenen Freitag hatten Polizisten Gebäude in Wülfershausen (Landkreis Rhön-Grabfeld) durchsucht, nachdem die Staatsanwaltschaft auf mögliche Unregelmäßigkeiten bei der Wahl aufmerksam geworden war. Es wurden Wahlunterlagen beschlagnahmt, die nun ausgewertet werden müssen.

Laut Strafgesetzbuch kann Wahlfälschung mit einer Geldstrafe, aber auch mit einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren bestraft werden.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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