"Ich habe es schon immer geliebt": So wird das geschlossene Hotel Kaiserin Elisabeth saniert

In diesem geschichtsträchtigen Hotel in Feldafing hat schon Kaiserin Elisabeth persönlich gewohnt, seit mehreren Jahren ist es bereits geschlossen. Julia Haarmann (27) ist die neue Geschäftsführerin, sie lässt das denkmalgeschützte Traditionshaus aktuell sanieren. Was sie mit dem Hotel verbindet, welche Erinnerungen an Sisi ihre Familie bewahrt hat, welche Pläne sie hat und wie sie die Wintersaison attraktiv machen möchte.
von  Rosemarie Vielreicher
Das Hotel Kaiserin Elisabeth trägt den berühmten Namen nicht einfach so: Anno dazumal hat hier tatsächlich immer wieder Sisi übernachtet.
Das Hotel Kaiserin Elisabeth trägt den berühmten Namen nicht einfach so: Anno dazumal hat hier tatsächlich immer wieder Sisi übernachtet. © Rosemarie Vielreicher

Auf den ersten Blick wirkt das Hotel Kaiserin Elisabeth in Feldafing wie im Dornröschenschlaf. Die Tore und Türen sind verschlossen, niemand sitzt auf der Traum-Terrasse oder entdeckt im dritten Stock den Wahnsinns-Weitblick auf den Starnberger See.

Baugerüste oder schwere Maschinen sind vor dem Hotel auch nicht zu erspähen. Obwohl das Haus mit royaler Historie gerade eine Großbaustelle ist. Die spielt sich verborgen im Inneren ab.

Dort, wo einst Sisi über den knarzenden Boden schritt. Oder Romy Schneider, Helmut Berger und Bhumibol, Thailands früherer König, übernachteten.

Die Geschäftsführerin Julia Haarmann steht auf dem Balkon ihres Lieblingszimmers im dritten Stock des Hotels Kaiserin Elisabeth in Feldafing.
Die Geschäftsführerin Julia Haarmann steht auf dem Balkon ihres Lieblingszimmers im dritten Stock des Hotels Kaiserin Elisabeth in Feldafing. © Rosemarie Vielreicher

Seit Januar 2023 hat das Hotel für Gäste geschlossen, in einer mehrjährigen Übergangszeit zog Siemens mit seinem Schulungszentrum ein. Nun wird das Hauptgebäude sanft saniert, zudem ist ein Spa geplant.

Die neue Chefin (27) führt das Familienunternehmen

Julia Haarmann empfängt die Abendzeitung zu einem Besuch in ihrem Hotel. Die Geschäftsführerin ist 27 Jahre alt und führt das Traditionshaus ihrer Familie in fünfter Generation durch die Baumaßnahme. Und damit in die Zukunft. "Wir sind mittendrin", sagt Haarmann zur Sanierung, die rund fünf Millionen Euro kostet.

Die neue Chefin wirkt auf Anhieb sympathisch, bodenständig und hat sich in die Zahlen, Denkmal-Vorschriften und Möglichkeiten für ihr Hotel tief eingearbeitet. Ihre Mutter und ihre Großtante sind die Hauptanteilseigner.

Der Blick in den Garten von der Terrasse aus.
Der Blick in den Garten von der Terrasse aus. © Rosemarie Vielreicher

Auf der großen Terrasse mit Blick in den noch recht grünen Herbst-Park beginnt sie zu erzählen. Als sie, damals noch nicht volljährig, gefragt wurde, ob sie sich später die Führung des Hotels zutrauen würde, war für Haarmann schnell klar: "Es gab für mich nur eine Antwort." Ja! Denn der oberste Wunsch sei es, das Hotel in der Familie zu behalten.

Kaiserin Elisabeth, auch Sis(s)i genannt, ist in dem historischen Hotel allgegenwärtig.
Kaiserin Elisabeth, auch Sis(s)i genannt, ist in dem historischen Hotel allgegenwärtig. © Rosemarie Vielreicher

Sie erzählt: "Ich habe es schon immer geliebt. Es war immer ein ganz besonderer Ort für mich." Ihre Oma wohne um die Ecke, es sei "ein Privileg" gewesen, als Kind Zeit hier zu verbringen. "Ich hatte den ganzen Park zum Spielen." Und: "Zu Sisis Geburtstag habe ich immer Blümchen zu ihrer Statue gebracht." Die ist von der Terrasse aus zwischen den Bäumen zu erkennen.

Darum ist die Hotelchefin ein Sisi-Fan

Die 27-Jährige ist beeindruckt vom Werdegang der Wittelsbacherin: "Sie war eine wahnsinnig beeindruckende Frau für die damalige Zeit. Welche Standards sie gesetzt hat: nicht nur im Bereich der Schönheit, sondern auch, was die Reisekultur und Innovation angeht." Genauso beeindruckt sie die interkulturelle Kommunikation mit Ungarn und wie Sisi politisch mitgewirkt habe.

Als wäre der letzte Gast erst gestern abgereist: ein Blick ins Erdgeschoss.
Als wäre der letzte Gast erst gestern abgereist: ein Blick ins Erdgeschoss. © Rosemarie Vielreicher

Die Namensgeberin ist allgegenwärtig. Im Erdgeschoss, in den Fluren und Treppengängen. Wohin man schaut, entdeckt man Bilder der bayerischen Prinzessin aus Possenhofen, in jungen Jahren oder auch das Kult-Gemälde im pompösen Gewand von Franz Xaver Winterhalter.

Die Geschäftsführerin weiß: "24 Sommer ist sie hier für vier bis sechs Wochen abgestiegen." Für die Kaiserin wurde sogar extra angebaut. "Weil ihr Hofstaat zu groß war." Sisi traf sich hier des Nachts auch zum Tee mit Ludwig II. Und sie weilte im Hotel, als ihr Verwandter 1886 auf mysteriöse Weise in Berg im Starnberger See ums Leben kam.

Im Erdgeschoss ist noch roter Teppichboden verlegt. Dieser wird voraussichtlich Holz weichen.
Im Erdgeschoss ist noch roter Teppichboden verlegt. Dieser wird voraussichtlich Holz weichen. © Rosemarie Vielreicher

Wie war Sisi einst untergebracht? "Sie hatte eine eigene Brandschutztreppe und einen geheimen Ausgang. Sie hatte sehr große Angst vor Feuer und wollte auch ihre Privatsphäre haben. Das Zimmer war im ersten Obergeschoss. Ihren Schrank haben wir aktuell noch da." Eingehüllt in schwarzer Folie, wie Haarmann später beim Rundgang zeigt.

Weitere historische Möbel wie Stühle sind aktuell verwahrt, werden saniert und kehren später wieder zurück. 1900 bekam das Hotel offiziell und mit Genehmigung aus Wien den heutigen Namen.

Die alten Zimmerschlüssel werden auch künftig nicht von Zimmmerkarten ersetzt.
Die alten Zimmerschlüssel werden auch künftig nicht von Zimmmerkarten ersetzt. © Rosemarie Vielreicher

Während der Schulzeit und des BWL-Studiums arbeitete Haarmann bereits im Hotel ihrer Familie mit. Nach Stationen bei BMW, Dallmayr und dem Bayerischen Hof ist sie zurück in ihrem Sisi-Reich unter Denkmalschutz.

"Wir wollen diese Historie bewahren", gleichzeitig ist es die Aufgabe der 27-Jährigen, das historische Haus in der Jetzt-Zeit weiterzuentwickeln. Es sei ein "wahnsinniger Sanierungsstau" angefallen. Trotzdem: "Wir haben uns bemüht, die Sanierung sensibel zu machen." Hier soll weiterhin der Wind der Vergangenheit wehen können und einen Hauch Sisi-Zauber verbreiten.

Die Trinkwasserleitungen müssen erneuert werden

Was wird gemacht? Die Trinkwasserleitungen sind ein großes Thema. Das bestätigt auch Architektin Lisa Meister von Biedermann und Partner aus München: "Das Haus bekommt ein komplett neues Trinkwassernetz." Ihre Augen glänzen, wenn sie über das Projekt spricht: "Ich war von Anfang an verliebt in dieses Gebäude. Dieses Haus hat so viel Ausstrahlung und so viel Atmosphäre, das ist fantastisch."

In den oberen Stockwerken herrscht Baustelle.
In den oberen Stockwerken herrscht Baustelle. © Rosemarie Vielreicher

Die Leitungen würden in allen Zimmern erneuert, die Bäder saniert. Gleichzeitig wird schon ein Teil der Zimmer auf der Südseite renoviert. Insgesamt gibt es 59 Zimmer und Suiten im Hotel.

Jedes Zimmer soll künftig individuell aussehen. Sei es durch die Farbe, Bildmotive oder Badezimmerspiegel aus historischen Bilderrahmen. "Ich möchte mich in jedem Zimmer wohlfühlen, wenn ich Gast wäre", ist für Haarmann das Credo.

Ein paar wenige Zimmer sind bereits fertig renoviert und eingerichtet.
Ein paar wenige Zimmer sind bereits fertig renoviert und eingerichtet. © Rosemarie Vielreicher

Dazu werden Böden abgeschliffen und geölt, die Elektro erneuert. Eine Hotelbar im Erdgeschoss soll ebenfalls dazukommen. Langfristig will sie das Restaurant mit einem Wintergarten erweitern.

Die alten Zimmerschlüssel bleiben

Die bisher retro-grüne Rezeption wird erneuert und an einen anderen Platz im Erdgeschoss ziehen. Noch baumeln dort zahlreiche Zimmerschlüssel mit großer Krone in der Mitte, als hätten Gäste sie gerade erst abgegeben. Sie werden mit an den neuen Platz wandern und nicht durch moderne Schlüsselkarten ersetzt.

Auch die großen Flure sollen unverändert bleiben. "Jede Tür bleibt erhalten", versichert die Architektin. Auch wenn sich dahinter manchmal nur noch eine Mauer befindet, weil die Räume neu aufgeteilt wurden.

Bei jedem Schritt auf dem Holzboden knarzt es wie auf Omas Dachboden. Das wird auch so bleiben. "Das gehört dazu, Sisi ist auch schon darauf gelaufen", sagt Haarmann. "Wenn ich wieder aufmache, wird es weiterhin Ecken und Kanten geben. Es wird nicht perfekt sein." Ganz bewusst.

Das Spa-Projekt als Garant für die Wintersaison

Neben der Sanierung im Hauptgebäude steht am bisherigen Parkplatz nebenan ein großes Projekt an: ein Wellness-Bereich. Mit perspektivisch zwei Pools (innen und außen), zwei Saunen und einem Fitnessbereich. Das hätte bestimmt auch der schönheitsbewussten Kaiserin Elisabeth gefallen.

Alle Türen bleiben erhalten, auch wenn hinter mancher jetzt eine Wand ist.
Alle Türen bleiben erhalten, auch wenn hinter mancher jetzt eine Wand ist. © Rosemarie Vielreicher

Haarmann geht es dabei um die Wintersaison. "Wir sind zu weit weg von den Skigebieten." Also was kann man den Gästen in den kalten Monaten bieten? "Der Spa ist für uns ganz essenziell, damit ich ganzjährig öffnen kann."

Die Menüs für die Kaiserin und Grüße von Romy Schneider

Die Geschäftsführerin eilt kurz zu ihrer Großtante hinüber, um ein Köfferchen zu holen. Mit einem kleinen Schatz: das alte Gästebuch und Menübücher, die dokumentieren, was der österreichischen Kaiserin anno dazumal serviert wurde. Die schnörkelige Schrift ist nicht einfach zu entziffern, aber 1889 kredenzten die Hoteliers etwa Kraftsuppe, Forelle mit Sauce hollandaise und Butterkartoffeln, Lendenbraten und unter anderem eine Schokoladencreme. "Teile der Menüs wollen wir wieder machen."

Das Menü für die Kaiserin im Jahr 1886.
Das Menü für die Kaiserin im Jahr 1886. © Rosemarie Vielreicher

Sie schlägt das Gästebuch auf. Auf den gelblichen Seiten ist die Frau zu sehen, die bis heute wie keine andere mit Sisi verbunden ist: Romy Schneider. Regisseur Luchino Visconti (Film "Ludwig II."), Helmut Berger und Klaus Kinski sind ebenfalls als Gäste des Hauses verewigt.

Man braucht nur ein wenig Fantasie, um sich im Erdgeschoss den früheren Glanz vorzustellen. Der rote Teppichboden, die Säulen, große Fenster. Und draußen der herrliche See.

Die Schauspielerin Romy Schneider war ebenfalls Gast in dem Hotel.
Die Schauspielerin Romy Schneider war ebenfalls Gast in dem Hotel. © Rosemarie Vielreicher

An der Rezeption vorbei marschiert man über gemusterte Fliesen, sie sollen bleiben. Allerdings deutet Haarmann auf einen Beton-Streifen in der Mitte. Ein Überbleibsel früherer Rohrarbeiten. Hier tüftelt sie noch an einer Lösung, damit es wieder original ausschaut. Sie weiß: "Ich bin bei einem Hotel in diesem Alter wohl nie an dem Punkt: Jetzt bin ich fertig."

Aber sie gewinnt dem etwas Positives ab: Es wird eine stetige Weiterentwicklung, Gäste werden immer wieder etwas Neues entdecken können.

In der Mitte ist eine Unterbrechung zu sehen, hier wurden früher einmal Rohre erneuert und die Fliesen entfernt.
In der Mitte ist eine Unterbrechung zu sehen, hier wurden früher einmal Rohre erneuert und die Fliesen entfernt. © Rosemarie Vielreicher

Wiedereröffnen will sie im April 2027. Für Juli hat sie schon die ersten Buchungen für Hochzeiten. Bis dahin ist sie noch auf der Suche nach Personal. Sie würde sich wünschen, dass auch frühere langjährige Mitarbeitende (vor der Schließung) zurückkehren. Denn nicht nur Sisi macht das Hotel aus, sondern auch die Menschen, die es mit Leben füllen.

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