Heiraten auf dem Tegelberg: Besondere Hochzeitsorte in Bayern

Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Am Freitag können sich Paare an besonderen Orten in Bayern segnen oder spontan kirchlich trauen lassen. Die AZ hat darüber mit den Pfarrern gesprochen.
Maximilian Neumair
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Erst Wandern, dann heiraten: Am „Ort der Besinnung“ auf dem Tegelberg können Paare anschließend mit Sektempfang feiern.
Erst Wandern, dann heiraten: Am „Ort der Besinnung“ auf dem Tegelberg können Paare anschließend mit Sektempfang feiern. © Michael Jäger

Ein Tag, den man nicht vergisst: Ein Wunsch, den viele Paare für ihre Hochzeit teilen dürften. Für so einen besonderen Tag bietet sich dementsprechend ein besonderer Ort oder ein besonderes Datum an.

Die Evangelische Kirche in Deutschland ermöglicht an diesem Freitag beides: Im Zuge der Aktion "Einfach heiraten" können Paare sich am Schnapszahl-Datum 26. Juni 2026 das "Ja"-Wort an bayerischen Orten geben, die die meisten nicht mit Hochzeiten verbinden.
Wer es weniger offiziell möchte, kann sich segnen lassen – auch katholische oder bereits verheiratete Paare.

Heiraten auf dem Tegelberg: "Aussicht übers Allgäu"

Michael Jäger ist einer der Pfarrer und Pfarrerinnen, die nach Anmeldung oder spontan trauen und segnen – und zwar auf dem Tegelberg bei Schwangau (Kreis Ostallgäu) von 10 bis 16 Uhr. Er schwärmt im Gespräch mit der AZ: "Oben hat man eine Aussicht übers Allgäu in die Berge hinein, zum Schloss Neuschwanstein und Hohenschwangau."

Wer auf dem Tegelberg heiratet, hat eine malerische Aussicht aufs Tal.
Wer auf dem Tegelberg heiratet, hat eine malerische Aussicht aufs Tal. © Michael Jäger

Der "Ort der Besinnung" hoch oben auf dem Tegelberg biete eine gewisse Fläche, auf der sich mehrere Angehörige der Hochzeitsgesellschaft aufhalten können. Und er ist auf vielen Wegen zu erreichen: über Klettersteige, eine Radstrecke, Wanderwege und sogar eine Bergbahn, die an diesem Tag für Hochzeitspaare kostenlos ist.

Von der machen auch die meisten Gebrauch, wie Jäger aus den Gesprächen mit einigen Paaren weiß. Wie pompös diese heiraten, variiert teils stark: "Ein Paar heiratet in Weiß und ein Paar, das den Klettersteig macht, überlegt, in normalen Sportklamotten zu heiraten."

Pfarrer: "Heiraten auf dem Tegelberg ist immer möglich"

Die Menschen, die sich das "Ja"-Wort am Freitag geben, machten im Allgäu Urlaub – teils extra dafür –, seien auf der Durchreise in den Flitterwochen oder kämen teils sogar aus Füssen selbst. Für sie gibt es hoch oben auf dem Berg einen Sektempfang – und die passende musikalische Untermalung mit Alphorn und Trompete.

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Über seine Traurede sagt Jäger: "Die hat natürlich Bergbezug. Das Bild des Berges bietet sich für den Weg an, den das Paar miteinander geht." Als begeisterter Bergsteiger mache diese Art der Trauung ihm besonders Spaß – schon seit Jahren vermählt er Paare bevorzugt unter freiem Himmel. Er weist darauf hin: "Heiraten auf dem Tegelberg ist immer möglich."

Oberstdorf: "Das komplette Berggefühl mit dabei"

Das gilt auch für den gläsernen Schanzenturm der Skisprungschanze in Oberstdorf (Kreis Oberallgäu) – sich kirchlich das "Ja"-Wort zu geben, ist am Freitag allerdings das erste Mal dort möglich.

Das Besondere: Es gibt ein großes Fenster, das einen Ausblick auf das ganze Oberallgäu und die Alpen ermöglicht. Pfarrer Mathias Litzenburger sagt der AZ: "Das heißt, man hat das komplette Berggefühl mit dabei." Und feiert zugleich an einem Wahrzeichen von Oberstdorf, wo im Winter jährlich die Vierschanzentournee stattfindet. "Es ist ein Ort, der eine gewisse Spannung mit sich bringt", sagt Litzenburger.

Schanzenturm: "Genau der Ort, an dem ich heiraten möchte"

Aufgrund des guten Wetters können die Paare im Anschluss der Trauung ein Stockwerk höher auf die Terrasse zu einem Sektempfang gehen. Für Musik sorgen drei Klavierspieler, die den Einzug und die Feier mit ihrem Spiel begleiten.

Auch im Sommer eine schöne Aussicht: der gläserne Schanzenturm in Oberstdorf.
Auch im Sommer eine schöne Aussicht: der gläserne Schanzenturm in Oberstdorf. © Skiclub Oberstdorf Veranstaltungs GmbH

Litzenburger und seine Kollegen arbeiten daran, trotz ausgebuchter Termine von 9 bis 20 Uhr Raum für Menschen zu schaffen, die sich spontan trauen wollen. "Oberstdorf hat viele Gäste, die regelmäßig kommen und sich dann denken: Das ist genau der Ort, an dem ich heiraten möchte", sagt Litzenburger.

Die Paare kämen aus ganz Deutschland. Platz ist für etwa 15 Personen, aber: "Gerade wenn es Urlaubsgäste sind, sind die im Regelfall nicht mit der großen Hochzeitsgesellschaft hier."

Auch die Pfarrer und Pfarrerinnen wollen den besonderen Ort in ihren Reden aufgreifen: "Den Start, den Absprung – das kann man alles gut miteinbauen", sagt Litzenburger.

Heiraten am Flughafen: "Losfliegen in das gemeinsame Leben"

Mit den spektakulären Aussichten von Tegelberg und Schanzenturm kann die Christophorus-Kapelle zwar nicht mithalten, aber sie ist ein nicht minder ungewöhnlicher Ort für eine Trauung. Der Grund: Sie befindet sich im Zentralbereich des Münchner Flughafens im Terminal 1, Ebene 4. Dort vermählen und segnen die Pfarrer und Pfarrerinnen von 14 bis 20 Uhr. Als musikalische Begleitung wechseln sich Organisten, ein kleiner Chor und eine Sängerin miteinander ab.

"Einsteigen und losfliegen in das gemeinsame Leben!", schreibt das für die Kapelle zuständige Dekanat Freising über die spontane Hochzeit am Flughafen. Der Dekan Christian Weigl sagt der AZ: "Es ist natürlich ein besonderes Ambiente am Flughafen mit einem speziellen Flair, dort zueinander Ja zu sagen."

In der Christophorus-Kapelle am Flughafen München können Paare in die Ehe abheben.
In der Christophorus-Kapelle am Flughafen München können Paare in die Ehe abheben. © Flughafen Chaplaincy

Dementsprechend gestalten sich auch die Traureden: "Da liegt es natürlich nahe, auch mal Bilder vom Fliegen oder vom gemeinsamen Abheben oder ähnliches aufzugreifen."

Inwiefern vor allem Luftfahrbegeisterte oder Menschen, die lange eine Fernbeziehung geführt haben, die Kapelle als Trauort auswählen, kann Weigl nicht beantworten. Was er weiß: "Es sind ganz sicher solche, die mit dem Bild von traditioneller Kirchengemeinde weniger anfangen können, sondern dazu eher auf Distanz sind." Aber nicht miteinander. 

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