Heinz Wölfl: Kassierte er Schmiergelder?

Nach dem Selbstmord des CDU-Landrats von Regen leitet die Staatsanwaltschaft Vorermittlungen ein. Mindestens zwei Unternehmen sollen den Politiker bestochen haben - behauptet ein anonymer Brief, der der AZ vorliegt.
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Der tote Landrat von Regen, Heinz Wölfl.
Der tote Landrat von Regen, Heinz Wölfl.

REGEN - Gut eineinhalb Wochen nach der offiziellen Trauerfeier gibt es anonyme Korruptions-Vorwürfe gegen den verstorbenen Landrat von Regen, Heinz Wölfl (CSU). Die Leitende Oberstaatsanwältin Kunigunde Schwaiberger erklärte am Donnerstag in Deggendorf, sie habe Vorermittlungen eingeleitet.

Die Vorwürfe gegen Wölfl werden in einem anonymen Brief erhoben, der der AZ vorliegt. Darin wird unter anderem behauptet, zwei Unternehmer aus der Region hätten Bestechungsgeld an Wölfl bezahlt.

Der Landrat war Mitte August mit dem Kleinwagen seines Sohnes gegen einen Baum gefahren und gestorben. Die Staatsanwaltschaft geht von Selbstmord aus. Offenbar war es im Kreis Regen schon seit längerer Zeit ein offenes Geheimnis, dass der CSU-Politiker unter Spielsucht gelitten und hohe Schulden gehabt hatte.

Er habe im Internet, in Casinos und bei Spielrunden mit „Freunden“ Schulden in Höhe von mehreren hunderttausend Euro angehäuft, „die er trotz seines guten Gehalts nicht mehr abtragen konnte“. Deshalb habe er, so der Schreiber des anonymen Briefes, „in den letzten Jahren auch verstärkt dubiose Gelder von Firmen und Privaten bezogen, hauptsächlich als ,Gegenleistung’ für Baugenehmigungen“. Dieses Geld habe er zuletzt nicht nur angenommen, sondern offen eingefordert.

Von einem der betroffenen Unternehmer habe der Landrat etwa Schmiergeld im Zusammenhang mit der Genehmigung für einen Supermarkt gefordert. Im zweiten Fall soll ein Unternehmer dem Landrat eine hohe Summe geliehen und dafür Entgegenkommen bei einem Grundstücksgeschäft erwartet haben.

„Derartige Beispiele lassen sich viele nennen“, heißt es in dem Brief. „Es gibt kaum einen Bauunternehmer im Landkreis Regen, der Wölfl kein Geld gegeben oder zumindest geliehen hat.“ Das hätten nicht nur seine Familie, sondern auch seine Parteifreunde gewusst. Die Umstände seines Todes seien deswegen zunächst vertuscht worden.

Laut Staatsanwaltschaft Deggendorf steht bei den anonymen Anschuldigungen der Verdacht der Vorteilsgewährung im Raum. Erst am vergangenen Wochenende war bekannt geworden, dass Wölfl vor seinem Tod Abschiedsbriefe verfasst hatte. Darin soll er bei seinen Gläubigern um Entschuldigung gebeten haben.

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