Handwerker- und Rohstoff-Stau: Bayern ist ganz vorn

Zusätzlich zum bestehenden Fachkräftemangel fehlt es nun auch an Material. Verbraucher müssen sich auf lange Wartezeiten einstellen und teurer dürften Handwerksarbeiten zum Teil auch werden.
| Thomas Stöppler
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Keine Eimer, keine Farbe. Der Mangel an Kunststoff betrifft unter anderem Farbeimer. Längere Wartezeiten sind vorprogrammiert.
Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa Keine Eimer, keine Farbe. Der Mangel an Kunststoff betrifft unter anderem Farbeimer. Längere Wartezeiten sind vorprogrammiert.

München - "Nicht mehr in diesem Jahr" - diesen Satz hören willige Häuslebauer dieser Tage sehr viel häufiger, als ihnen lieb ist. Doch nun werden wohl auch kleinere Leistungen im Handwerk mit längeren Wartezeiten verbunden sein. Denn zu dem seit Jahren herrschenden Fachkräftemangel im Handwerk kommen nun Materialengpässe.

Es fehlt  quasi an allem

"Ziegel sind nicht knapp", sagt Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern, lakonisch. Ansonsten fehlt es quasi an allem: an Holz, bestimmten Kunststoffen und Betonen, sowie Stahl und Dämmstoffen. Die Gründe sind unterschiedlich: Beim Holz ist vor allem die gestiegene Nachfrage auf dem Weltmarkt schuld, bei Stahl und Kunststoffen die durch die Corona-Pandemie reduzierte Produktion. In Italien und Tschechien sind die Hochöfen teilweise nicht in Betrieb gewesen und "bis so ein Hochofen wieder in Gang kommt, dauert es eine Weile", erklärt Peteranderl.

Die Betriebe müssen draufzahlen, viele Baustellen lohnen sich nicht mehr

Der Mangel an Baustoffen bringt die Handwerksbetriebe durchaus in Nöte: Fristen können nicht eingehalten werden und bei vielen Verträgen stehen die Kosten für das Material bereits seit langem fest. Die Betriebe müssen dann draufzahlen, so dass sich viele Baustellen nicht mehr lohnen würden.

Auch der Münchner Verkehr ist betroffen

Gerade Großprojekte leiden unter dem Materialmangel. Schließlich baut auf einer Baustelle alles aufeinander auf. Das Fundament muss stehen, bevor die Wände gezogen werden, das Dach muss dicht sein, bevor man das Parkett verlegt. "Das hat einen unendlichen Rattenschwanz", hält Peteranderl fest, der das Problem als Bauunternehmer selbst gut kennt. Auch der Münchner Verkehr ist betroffen: So verzögert sich die Renovierung der Trambahngleise in der Sonnenstraße etwa wegen eines fehlenden Dämmstoffs um zwei Wochen.

Von 26 Berufen mit den größten Engpässen sind 17 im Baugewerbe angesiedelt

Dazu kommen noch die fehlenden Arbeitskräfte wie aus einer Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KoFa) hervorgeht: bundesweit etwa 65 000. Während in vielen Branchen auf Grund der Corona-Krise weniger Personal benötigt wurde, ist die Arbeit am Bau durchgehend weitergegangen. Von den 26 Berufen mit den größten Engpässen sind 17 im Baugewerbe angesiedelt. Besonders gravierend ist die Situation in Bayern und Baden-Württemberg. In Teilen Frankens können mehr als 70 Prozent der offenen Stellen nicht besetzt werden.

Bereits 2020 hatte man 5,4 Prozent weniger Lehrlinge einstellen können

Hier ist vor allem die Zukunftsperspektive alles andere als rosig. "Wir konnten nicht in die Schulen gehen, um Werbung zu machen, und auch unsere Sonderschau Young Generation auf der Handwerksmesse musste jetzt zum zweiten Mal ausfallen", sagt Peteranderl. Bereits 2020 hatte man 5,4 Prozent weniger Lehrlinge einstellen können. Wegen der Pandemie geht der 65-Jährige von einem weiteren Rückgang aus. In den 2000er Jahren gab es noch ein Drittel mehr Gesellenprüfungen als heute.

"Je besser man plant, desto weniger Ärger hat man nachher."

Von den Häuslebauern wird daher vor allem Geduld und Flexibilität abverlangt. Unter Umständen muss ein anderer Dämmstoff her oder ein anderes Heizungssystem. "Für diejenigen, die gerade in der Planungsphase sind, ist das eine schwierige Situation. Aber deshalb sollte man seine Pläne jetzt nicht ad acta legen", führt Peteranderl aus. Am Ende stehe und falle alles mit der Planung, so lasse sich auch Unvorhergesehenes besser auffangen: "Je besser man plant, desto weniger Ärger hat man nachher."

So lange die Materialpreise aber so hoch sind, wird es für Verbraucher aber in jedem Fall teurer. Jedenfalls bis die Produktion wieder hochgefahren worden ist.

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