Handschellenschlüssel im Netz - Polizei zieht Konsequenzen

Ein Festgenommener entkommt aus Handschellen – weil passende Schlüssel frei erhältlich im Netz kursieren? Wie Polizei und Innenministerium auf das Sicherheitsrisiko reagieren.
dpa |
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Die Polizei ist alarmiert: Im Internet sind Generalschlüssel für Handschellen erhältlich. (Illustration)
Die Polizei ist alarmiert: Im Internet sind Generalschlüssel für Handschellen erhältlich. (Illustration) © Peter Kneffel/dpa
München

Nach Berichten über im Internet frei erhältliche Generalschlüssel für Handschellen der bayerischen Polizei zieht das Innenministerium Konsequenzen. "Wir prüfen sinnvolle Maßnahmen, die wir unternehmen können", sagte ein Sprecher. "Dass passende Schlüssel zum Öffnen der Handfessel öffentlich verkauft werden, nehmen wir sehr ernst." Der Bayerische Rundfunk hatte zuerst darüber berichtet. 

Hintergrund war ein Fall in Mittelfranken, bei dem ein Festgenommener sich vermutlich aus Handschellen befreien konnte. 

Beamte sollen bei Durchsuchung gezielt auf Schlüssel schauen 

Sehr schnell und sehr breit seien die Beamten bayernweit darüber informiert worden, dass solche Schlüssel im Umlauf sein könnten, erläuterte das Innenministerium dazu. Im Intranet der bayerischen Polizei werde ausdrücklich auf die potenzielle Gefahr hingewiesen. 

"Grundlage jeder Fesselung ist eine sorgfältige Durchsuchung der betroffenen Person, um Gegenstände zu finden, die eine Selbst- oder Fremdgefährdung oder eine Flucht ermöglichen könnten", erläuterte das Ministerium. Dabei sollten die Beamten nun auch explizit auf Schlüssel achten. 

Verlauf der Schlüssel soll gestoppt werden 

Das Herstellerunternehmen wisse um das Problem. "Nach unserer Kenntnis hat das Unternehmen bereits eine Anwaltskanzlei beauftragt, um den Verkauf der Schlüssel zu untersagen", sagte der Ministeriumssprecher. Geprüft werde zudem, "ob weitere rechtliche, organisatorische oder einsatztaktische Maßnahmen erforderlich sind".

Die Handschellen des Modells "Clejuso Nr. 9" sei bereits im Jahr 2009 bei der Polizei im Freistaat eingeführt worden und habe sich seither bewährt, betonte das Innenministerium. Die Handfessel genüge technischen Richtlinien und erfülle die aktuellen Anforderungen an Konstruktion, Sicherheit und Material.

Beamte hatten in Mittelfranken im November einen Mann im Zuge wegen Verdachts auf ein Drogendelikt vorläufig festgenommen und mit Handschellen gefesselt. "Die Handschellen waren fest", betonte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken. In einem günstigen Moment habe der Mann die Flucht ergriffen. Die Beamten holten ihn schnell ein - aber sie Handschellen waren verschwunden. Entweder habe er ungewöhnlich bewegliche Daumengelenke gehabt - oder es müsse die Möglichkeit in Betracht gezogen worden, dass er einen Schlüssel hatte, sagte der Polizeisprecher.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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