Grüne: Krebsbestrahlung am FRM II "blamable Pleite"

Der Forschungsreaktor in Garching bleibt umstritten. Umweltschützer haben gerade eine Klage wegen des Betriebs mit hochangereichertem Uran eingereicht. Jetzt ergibt eine Anfrage der Grünen: Eine anfangs hochgelobte Anlage zur Krebstherapie wurde kaum genutzt.
| dpa
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Der Forschungsreaktor München II steht auf dem Gelände der Technischen Universität München (TUM). Foto: Peter Kneffel/dpa/Archivbild
dpa Der Forschungsreaktor München II steht auf dem Gelände der Technischen Universität München (TUM). Foto: Peter Kneffel/dpa/Archivbild

Garching (dpa/lby) - Die Grünen im bayerischen Landtag bewerten die Neutronenbehandlung von Krebspatienten am Garchinger Forschungsreaktor FRM II als "blamable Pleite". Die Zahl der Bestrahlungen habe mindestens 95 Prozent unter dem erwarteten Wert gelegen, teilten die Grünen am Dienstag mit. Das habe eine Anfrage der Abgeordneten Claudia Köhler und Markus Büchler offenbart. Demnach stehe die Anlage seit fünf Jahren still. Der durch die Technische Universität München (TUM) betriebene Reaktor ist insbesondere wegen der Nutzung von hochangereichertem Uran als Brennstoff umstritten.

Für die Anlage zur Bestrahlung von Krebspatienten war die Staatsregierung zum Start des FRM II "von einer Teilauslastung der vorhandenen Kapazität mit bis zu 120 Patienten pro Woche ausgegangen", wie aus einer Antwort auf eine Grünen-Anfrage im Jahr 2004 hervorgeht. Tatsächlich war die Anlage von 2007 bis 2015 in Betrieb - und in all diesen Jahren wurden 126 Patienten behandelt, ergab nun die neue Anfrage an das Wissenschaftsministerium.

"Dabei wurden jährlich durchschnittlich 14 Patienten behandelt und nur an 24 Tagen im Jahr haben Bestrahlungen stattgefunden", sagte Köhler. "Die Entwicklung der Krebsbehandlungen am Garchinger Forschungsreaktor ist Musterbeispiel der leeren Versprechungen der TU München über den angeblichen medizinischen Nutzen des Reaktors."

Die Sprecherin des FRM II, Andrea Voit, sagte, die Anlage sei nicht eingestellt, sondern werde derzeit umgebaut. 2021 solle sie wieder für die Patienten in Betrieb gehen. "Der Grund für die geringe Nachfrage nach der Neutronentherapie im Vergleich zu den vor Betriebsbeginn prognostizierten Zahlen ist sicher, dass sich die Medizintechnik in den vergangenen 20 Jahren sehr weiterentwickelt hat." Es habe sich gezeigt, das vorwiegend palliativ - also in erster Linie zur Schmerzlinderung - mit Neutronen bestahlt wurde. Geplant sei nun bei einem Neustart der Bestrahlung beispielsweise eine Kombination mit anderen Therapien bei Hirntumoren.

Zudem diene die Anlage nicht nur der Medizin, sondern auch der Forschung. Bildgebung für wissenschaftliche Anliegen sei eine wesentliche Nutzung. "Das wird von wissenschaftlicher Seite sehr stark nachgefragt." Darüber hinaus habe sich ein anderer wichtiger medizinischer Bereich, nämlich die Herstellung und der Einsatz von Radioisotopen, als deutlich effizienter herausgestellt als erwartet. Mit dem für Prostata- und Bauchspeicheldrüsenkrebs eingesetzten Lutetium-177 würden jährlich 2500 Patienten behandelt.

Derzeit steht der FRM II still. Mitte Mai war radioaktives C-14 ausgetreten. Wann er nach dem Vorfall wieder anfahren darf, muss das Umweltministerium als Aufsichtsbehörde entscheiden. Der Bund Naturschutz (BN) argumentiert, der Reaktor dürfe gar nicht mehr anfahren. Der Verband hat Klage eingereicht, um den Betrieb gerichtlich zu stoppen. Dieser sei seit Ende 2018 illegal, da dafür weiter hoch angereichertes Uran genutzt wird.

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