Grün kaputt: Ausstellung zu Stadt und Naturschutz

Ist die Heimat noch zu retten? Eine Ausstellung unter dem Titel "Grün kaputt" in Holzkirchen rüttelt am Gewissen von Kommunalpolitikern.
| K. Wiendl
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Kahlschlag am Tegernsee: 2019 sind hier illegal 74 Bäume im Biotop am Seeufer gefällt worden.
K. Wiendl 2 Kahlschlag am Tegernsee: 2019 sind hier illegal 74 Bäume im Biotop am Seeufer gefällt worden.
In der Ausstellung "Grün kaputt" tragen Bilder sarkastische Titel wie "Wir haben die Natur im Griff".
K. Wiendl 2 In der Ausstellung "Grün kaputt" tragen Bilder sarkastische Titel wie "Wir haben die Natur im Griff".

Holzkirchen - Begradigung, Bereinigung, Erschließung, Beschleunigung, Kanalisierung, Neuordnung, Verordnung, Verödung. Diese Schlagworte sorgten bereits 1983 landesweit für Furore. Damals erregte der Dokumentarfilmer Dieter Wieland mit seiner legendären Ausstellung "Grün kaputt" bundesweit Aufsehen. Sie lockte vor bald 40 Jahren allein 40.000 Besucher ins Münchner Stadtmuseum.

"Wo ein Baum nur steht, steht er im Weg. Überall ein Hindernis"

"Die Ausstellung ist so aktuell wie noch nie", sagte Wieland im Oktober vergangenen Jahres, als sie quasi eine Wiederauferstehung im Kloster Beuerberg (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) erlebte. Sie prangert die Verschandelung von Natur und Landschaft an, das schlechte Bauen und die Unwirtlichkeit der Städte. Seit dem Wochenende ist nun Wielands Dokumentation auf Folien-Tafeln im Atrium von Holzkirchen zu sehen. Darin belässt er es aber nicht bei bloßer Kritik. Er zeigt auf, wie man freundliche Häuser baut, schönere Gärten anlegt, angemessene Innenstädte baut.

Wielands Annahme durchzieht die Ausstellung: "Wo ein Baum nur steht, steht er im Weg. Überall ein Hindernis. Ein Ärgernis. Ein Luxus." Oder: "Noch immer wird drainiert, was das Zeug hält. Noch immer wird begradigt, betoniert, beschleunigt." Für die Wiederauflage der Schau hatten sich der Bund Naturschutz und der Landtagsabgeordnete Hans Urban eingesetzt. "Er hoffe", sagte der forst- und jagdpolitische Sprecher der Grünen, "dass mit dieser Ausstellung auch ein Bewusstseinswandel im Umgang mit der Natur einhergeht und es nicht länger heißt: Grün kaputt." Urban zitierte Wieland: "Landschaft nach Plan, Landschaft nach Vorschrift, Serienlandschaft."

"Es dominiert immer noch die Neubausiedlung"

Haben wir nur das Gefühl, uns geht die Heimat verloren, oder verlieren wir sie wirklich, fragt Urban. Noch nie habe die Gesellschaft so intensiv über Artenschwund und Verlust von Lebensräumen gesprochen wie jetzt. Dies sei auch eine Folge der vergangenen Volksbegehren "Betonflut eindämmen" und "Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern". Schon vor über 35 Jahren habe Wieland versucht, wachzurütteln, was mit der Heimat geschehe.

In der Ausstellung "Grün kaputt" tragen Bilder sarkastische Titel wie "Wir haben die Natur im Griff".
In der Ausstellung "Grün kaputt" tragen Bilder sarkastische Titel wie "Wir haben die Natur im Griff". © K. Wiendl

Doch was hat es gebracht? "Wenig", beklagt Urban. "Der Flächenverbrauch ist noch immer ungebrochen, die Lösung für Verkehrsprobleme ist noch immer die Umgehungsstraße oder der Ausbau von Straßen. In der Landwirtschaft wird zuvorderst noch immer Fläche statt Umweltleistung subventioniert. Beim Siedlungsbau dominiert noch immer die Neubausiedlung nicht die Nachverdichtung." Der Raubbau an der Umwelt beginne schon im eigenen Garten. Während der Landkreis Miesbach im öffentlichen Bereich auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet, so Vize-Landrätin Ulrike Köster (Grüne), sei dies bei etlichen Grundstückseigentümern noch nicht angekommen. Sie seien daher am Artensterben nicht ganz unschuldig.

Dennoch zeichnete Köster für den Landkreis als Öko-Modellregion eine positive Zwischenbilanz. "In immer mehr Gemeinden summt und brummt es." Viele Menschen wären für den Umweltschutz bereit, "doch die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen."


Die Ausstellung im Atrium-Gesundheitszentrum in Holzkirchen (Münchner Straße 56) ist dort bis 27. August zu sehen.

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