Großer Applaus für die Münchner "Tatort"-Stars
Wie rechnete die Programmchefin "Spiel-Film-Serie“ vor: 850 Millionen Zuschauer hätten sie gehabt. Und Bettina Ricklefs meinte nicht den BR, sondern die "Tatort“-Kommissare Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl in 35 Jahren, nachdem am 1. Januar 1991 der Einsatz mit einem Tritt in einen Hundehaufen gestartet war.
Und als sie ergänzte, die beiden hätten immer mehr Tiefe geschafft und mehr als die Summe seiner Teile geschaffen, erhob sich der ganze Saal zu minutenlangen stehenden Ovation. Dabei ist der Verabschiedungsreigen der dienstältesten "Tatort“-Kommissare noch nicht vorbei: Die Schlussfolgen 99 und 100 unter dem Titel "Unvergänglich“ werden erst zu Ostern ausgestrahlt.
Lob und Eigenlob
Lob, Eigenlob und ein bisschen Eitelkeit sind selbstverständlich auf einer Leistungsschau, die der jährliche BR-Presse-Filmbrunch im Literaturhaus ist. 400 Millionen Medienabrufe von BR-Produktionen in der ARD-Mediathek hatte Björn Wilhelm, der Kultur-Direktor des BR, im vergangenen Jahr gezählt. Und vielleicht ist das auch ein Grund, weshalb Franz Xaver Bogner, ein eher zurückhaltender Typ, den ganzen Vormittag lächelte. Nach seinem Erfolg mit der Serie "Himmel Herrgott Sakrament“ – frei angelehnt an die Vita des Münchner Rebellen-Pfarrers Rainer Maria Schießler, der ebenfalls bester Laune war.
Bogner jedenfalls sagte zur AZ, dass er den BR noch einmal daran erinnern werde, dass er ihm eine "Carte blanche“ für ein weiteres Projekt zugestanden habe, wenn er eine zweite Staffel schreiben würde, was er tat und die jetzt als Trailer vorgestellt wurde. Stefan Zinner als Schießler rüttelt hier unübersehbar am Zölibat. Dass der Darsteller selbst evangelisch ist, macht die Sache noch witziger: "Aber die Figur des Pfarrers ist ja – gerade weil er sich so weit von den Dogmen und den Hierarchien frei macht – letztlich ökumenisch“, gerade wenn man bedenke, dass die Luther-Hauptschrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen“ heiße.

Der Vorwurf, dass der BR thematisch etwas zu sehr auf Altbayern und München fixiert sei, steht seit Jahrzehnten im Raum. Da kommt Rosalie Thomass als neue Franken-"Tatort“-Ermittlerin gerade recht. "Ich werde am Set aber als Münchnerin nicht plötzlich fränkisch reden“, sagt sie zur AZ, das wäre peinlich, gerade auch weil es da 19 verschiedene Unterarten gäbe. "Aber für mich ist diese Region eine unglaubliche Bereicherung.“

Die Bayern würden sich immer Richtung Alpen und Südtirol und Gardasee wenden, anstatt mal nach Norden zu schauen. "Die Vielfalt und Schönheit Frankens hat mich überwältigt. Ich habe mich da auch richtig eingearbeitet, Reiseführer gelesen über Orte und deren Geschichte geforscht“, sagt sie. Die Franken seien weniger "krachert und extrovertiert“, hätten aber jeden Grund für Stolz. Und ein bisschen habe sie doch auch das Fränkln geübt – und sie macht kurz vor, wie Konsonanten weich werden und das R anders gerollt wird.
Weg von Weißwürsten, Brezn und Kartoffelsalat und zur Fotowand wurden noch gezogen: Adele Neuhauser, Hans Well, August Zirner sowie natürlich die Eberhofer-Crew, die ja eine BR-Erfolgsgarantie ist und kein "Steckerlfischfiasko“, wie der neue Kino-Sommerkrimi heißt.
