Grippewelle legt Nürnberg flach!

Die Krankenhäuser sind proppenvoll – Patientenbetten stehen sogar in den Gängen. Mediziner raten zur Impfung.
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Die Grippe-Welle spült täglich Patienten ins Klinikum, aus Platznot liegen einige im Flur. Paravents bieten nur wenig Intimsphäre.
Berny Meyer 2 Die Grippe-Welle spült täglich Patienten ins Klinikum, aus Platznot liegen einige im Flur. Paravents bieten nur wenig Intimsphäre.
Lungenspezialist Joachim Ficker: „Unsere Mitarbeiter leisten wahnsinnig viel.“
Berny Meyer 2 Lungenspezialist Joachim Ficker: „Unsere Mitarbeiter leisten wahnsinnig viel.“

Die Krankenhäuser sind proppenvoll – Patientenbetten stehen sogar in den Gängen. Mediziner raten zur Impfung.

NÜRNBERGNürnberg schnieft, rotzt, keucht: Eine Grippe-Welle rollt durch die Stadt. Im Klinikum Nürnberg laufen Ärzte und Pflegepersonal auf dem Zahnfleisch – so viele Kranke müssen stationär betreut werden, dass der Platz nicht mehr ausreicht: Manche Patienten müssen auf dem Gang schlafen.

Nach Angaben des Robert Koch Instituts verursacht eine Grippewelle zwischen zwei und fünf Millionen zusätzlicher Arztbesuche und bis zu 20.000 zusätzliche Krankenhauseinweisungen. Lungenspezialist Professor Joachim Ficker (45) ist Chef der Pneumologie (Lungenheilkunde): „Unsere Mitarbeiter leisten wahnsinnig viel. Termine für Patienten, die an nichts Dringendem leiden, müssen wir verschieben, und dennoch können wir nicht verhindern, dass Patienten auf den Gang müssen – aber auch in unserem Ärztezimmer liegen Kranke.“

10.000 Grippetote pro Jahr

Die gefährliche Influenza haben „nur etwa zehn der Patienten“, so Ficker. Der Rest leidet an einem nicht weniger unangenehmen grippalen Infekt, „Verursacht wird er durch Viren, die die Bronchien infiziert haben, manche haben sich zudem noch eine bakterielle Infektion eingefangen“. Es können Lungenentzündung, Entzündungen der Nebenhöhlen, des Ohrs, des Herzmuskels oder der Gehirnhaut entstehen.

Das Gros der Patienten besteht aus Älteren, gepaart mit chronisch Kranken, darunter auch viele, die an COPD (Raucherlunge) leiden. „Solche Menschen haben keine Reserven, die müssen bei Lungenentzündungen in die Klinik.“ Dorthin gehören auch die mit Fieber über 39,5 Grad, wenn gleichzeitig das Allgemeinbefinden sehr stark beeinträchtigt ist; wenn die Luft knapp wird; wenn der Patient Blut hustet. Laut Robert-Koch-Institut tötet die Grippe pro Jahr 10.000 Menschen. „Meistens aber nicht im Krankenhaus, sondern es sind Alte mit Vorerkrankungen, die zuhause oder in Pflegeheimen sterben“, so Ficker. Er erinnert sich an einen schlimmen Todesfall im Klinikum: „Etwa drei Jahre ist der her. Die Frau war Anfang 30, kerngesund, sportlich, Nichtraucherin. Sie bekam die Grippe, dazu noch eine Pneumokokken-Infektion – sie starb.“ Schutz davor bietet die Grippeimpfung. Ficker: „Alle über 65-Jährigen und chronisch Kranke sowie Menschen, die in der Öffentlichkeit arbeiten, sollten sich impfen lassen.“

Gegen die Viren, die Nürnberg gerade quälen, hilft kein Impfstoff. Doch man kann sich schützen. Ficker: „Bewegung ist der beste Schutz, dazu ausgewogene Ernährung. Rauchen, aktiv und passiv, ist ein Infekt-Risiko.“ Einen einen guten und einfachen Tipp hat Joachim Ficker noch: „Schlafen Sie viel. Wer wenig schläft, ist anfällig.“ sw

Die Grippe-Welle spült täglich Patienten ins Klinikum, aus Platznot liegen einige im Flur. Paravents bieten nur wenig Intimsphäre.
© Berny Meyer
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