Gipfel-Ausstellung statt Feier: 90 Jahre Zugspitzbahn

Am 8. Juli 1930 fährt der erste Sonderzug zur Station Schneeferner. Das 90. Jubiläum der Zugspitzbahn fällt wegen der Corona-Pandemie flach.
| Klaus Wiendl
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Die Zahnradbahn zur Zugspitze heute.
Zugspitzbahn/dpa 3 Die Zahnradbahn zur Zugspitze heute.
Die Zahnradbahn zur Zugspitze bei ihrer Jungfernfahrt.
Zugspitzbahn/dpa 3 Die Zahnradbahn zur Zugspitze bei ihrer Jungfernfahrt.
Der Stollen, als er noch im Bau war.
Zugspitzbahn/dpa 3 Der Stollen, als er noch im Bau war.

Am 8. Juli 1930 fährt der erste Sonderzug zur Station Schneeferner. Das 90. Jubiläum der Zugspitzbahn fällt wegen der Corona-Pandemie flach.

Garmisch-Partenkirchen - "Da kimmt ma ned nauf", unkten Einheimische bis ins 19. Jahrhundert hinein angesichts der 2.962 Meter hohen Zugspitze. Leutnant Joseph Naus aber ließ sich nicht abhalten und erreichte vor 200 Jahren, am 27. August 1820, nach zwei Tagen den Westgipfel. Damit läutete der Vermesser eine neue Ära auf Deutschlands höchstem Berg ein.

Bergbahnen: Spagat zwischen Erschließung und Umweltschutz

Seit 1851 prangt das aufgestellte goldene Gipfelkreuz auf dem Gipfel. Neu gegründete Alpenvereine treiben ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Erschließung der Alpen voran. Neue Aufstiegsrouten auf die Zugspitze und das 1897 feierlich eröffnete Münchner Haus am Gipfel erlauben es nun auch weniger geübten Bergsteigern, die Zugspitze zu erklimmen. Es bleibt aber immer noch schweißtreibend.

Die Zahnradbahn zur Zugspitze bei ihrer Jungfernfahrt.
Die Zahnradbahn zur Zugspitze bei ihrer Jungfernfahrt. © Zugspitzbahn/dpa

Damit jedoch alle Menschen mühelos in alpine Landschaften vordringen können, etablieren sich zur gleichen Zeit Bergbahnen. Gegen die Industrialisierung der bayerischen Berge gibt es auch Widerstand. 1925 demonstrieren 4.000 Menschen, als bekannt wird, dass die Zugspitze mit einer Bahn erschlossen werden soll. Dieser Spagat zwischen Erschließung und Umweltschutz begleitet den Bergtourismus seit seinen Anfängen.

Doch es half nichts. 1928 wurde die Bayerische Zugspitzbahn gegründet. Sie verwirklichte mit dem Bau der weltweit letzten Großzahnradbahn eines der kühnsten Bahnprojekte in den Alpen.

Zugspitzbahn: Erste Fahrt 1930

Die technische Meistleistung auf der Bahnstrecke vom Bahnhof Grainau bis zur Station Zugspitzplatt bestand im Bau des 4.453 Meter langen Tunnels vom Riffelriss durch das Bergmassiv zum Schneefernerhaus. 2.500 Männer haben für dieses ehrgeizige Projekt unter schwierigsten Bedingungen geschuftet. Im Schnitt konnten sie 5,3 Meter am Tag aus dem Granitfels sprengen. Zehn Mineure kamen dabei ums Leben.

Der Stollen, als er noch im Bau war.
Der Stollen, als er noch im Bau war. © Zugspitzbahn/dpa

Am 8. Juli 1930 ratterte als erste die Lok Nummer 11, Baujahr 1929, die 19 Kilometer hinauf. Zahlreiche Schaulustige verfolgten das Ereignis, viele im Sonntagsgewand. Erzbischof Kardinal Michael von Faulhaber weihte die für 22 Millionen Reichsmark erbaute Bahn ein. In der Folge wurden die Wagen ständig modernisiert.

Wegen Corona: Gipfel-Ausstellung statt Jubiläumsfeier

Die Zahnradbahn ist weiterhin ein zuverlässiges Transportmittel. Das nostalgische Zugpferd steht im Kontrast zu der im Dezember 2017 eröffneten hochmodernen Kabinenbahn. Sie überwindet knapp 2.000 Höhenmeter vom Eibsee zum Gipfel in zehn Minuten. Die meisten der jährlich rund 600.000 Zugspitz-Gäste machen eine Rundreise: mit Ausblicken aus der Seilbahn und der durch Tunnel führenden Zahnradbahn.

Die Feier zum Jubiläum lassen die Bahnbetreiber wegen Corona ausfallen. Aber die Bayerische Zugspitzbahn hat für eine Gipfel-Ausstellung ihr Archiv geöffnet und zeigt Fotografien, Dokumente und Objekte über Bau und Betrieb der Zahnradbahn und die Erstbegehung. Naus schrieb in sein Tagebuch: "Nach fünf Minuten wurden wir schon von einem Donnerwetter mit Schauer und Schneegestöber begrüßt und mussten unter größten Gefahren die Höhe verlassen."

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