Geschäftsmann spendet Hitlers Hut an Israel

Ein Geschäftsmann hat bei der umstrittenen Auktion in Grasbrunn etliche Devotionalien gekauft, um Propaganda zu verhindern. Was Charlotte Knobloch dazu sagt, was mit den Gegenständen nun passiert.
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Ein libanesischer Geschäftsmann hat unter anderem diesen Zylinder von Adolf Hitler bei der umstrittenen Auktion von "Hermann Historica" erworben, den er jetzt an Israel spenden will.
Matthias Balk/dpa Ein libanesischer Geschäftsmann hat unter anderem diesen Zylinder von Adolf Hitler bei der umstrittenen Auktion von "Hermann Historica" erworben, den er jetzt an Israel spenden will.

Grasbrunn - Schöne Wendung im Falle der umstrittenen Auktion von Hermann Historica aus Grasbrunn: Ein libanesischer Geschäftsmann hat einige der Gegenstände aus dem Besitz von Adolf Hitler im Wert von 600.000 Euro gekauft, damit sie nicht in falsche Hände gelangen. Das bestätigte das Auktionshaus Hermann Historica am Montag.

Er wolle die Gegenstände nun an Israel übergeben, sagte der Geschäftsmann Abdallah Chatila dem israelischen Armeesender. Die Versteigerung von Dingen aus dem Besitz ranghoher Nazis in der vergangenen Woche hatte Kritik ausgelöst.

Zehn Hitler-Devotionalien werden an Israel gespendet

Der Genfer Geschäftsmann sagte nun, er habe schon vor der Versteigerung die israelische Organisation Keren Hajesod darüber informiert, "dass ich so viele Gegenstände von Adolf Hitler wie möglich kaufen und ihnen spenden werde". Er habe zehn Gegenstände gekauft, darunter Hitlers Faltzylinder, eine Ausgabe von "Mein Kampf", eine Zigarrenkiste, Briefe und eine Schreibmaschine. "Ich wollte diese Gegenstände kaufen, damit sie nicht für Propagandazwecke der Neonazis verwendet werden", sagte Chatila der Schweizer Sonntagszeitung "Le Matin Dimanche".

Zunächst habe er gedacht, es sei am besten, die Gegenstände aus der Nazi-Zeit zu verbrennen, sagte Chatila. "Aber ich denke, es ist sehr wichtig, sie aufzubewahren, weil es die Erinnerung am Leben erhalten wird, damit künftige Generationen sehen, dass Hitler wirklich existiert hat."

Eine Sprecherin von Keren Hajesod, einer Organisation, die Spenden für Israel sammelt, bestätigte gestern, man werde die Gegenstände entgegennehmen. "Wir werden sie mit großer Sorgfalt behandeln und mit den relevanten Einrichtungen entscheiden, was mit ihnen zu tun ist."

Welche Gegenstände bei der umstrittenen Nazi-Versteigerung verkauft wurden

Knobloch ist von der Spende positiv überrascht

Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, sagte der AZ: "Die Meldung, dass ein libanesischer Geschäftsmann die Objekte erstanden hat, um sie dem Keren Hayesod zu überlassen, hat mich sehr überrascht – im positiven Sinne." Und weiter: "Mit seinem großzügigen Handeln hat Herr Chatila dafür gesorgt, dass diese historischen Stücke nie mehr in falsche Hände geraten können, und diese Geste ist im aufgeheizten gesellschaftlichen Klima unserer Tage besonders wichtig. Dass ein Mensch unabhängig von aller Politik das menschlich Richtige getan hat, kann und sollte uns allen Mut machen."

Generell aber findet sie, "dass die Auktion an sich ein Fehler war." Denn: "Die ethische Verantwortung überwiegt hier das wirtschaftliche Interesse bei weitem, und es ist gerade heute mehr als fragwürdig, mit dem Besitz hochrangiger Nationalsozialisten, die größte Schuld auf sich geladen haben, noch Geld zu verdienen."

Zudem sei nie wirklich nachprüfbar, wo die Objekte am Ende landen, und nicht immer kann ein Mensch wie Herr Chatila zur Stelle sein, um das Schlimmste zu verhindern.

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