Gegen den Trend: In Bayreuth öffnet eine nagelneue Kirche
In vielen Kirchengemeinden und Pfarreien in Bayern gibt es Debatten, welche Gebäude sich die Kirche überhaupt noch leisten kann. Die Mitgliederzahlen sinken, dadurch fließt weniger Geld in die Kassen. Auch Kirchenbauten sind betroffen von den Sparzwängen. Doch im Bayreuther Stadtteil Laineck ist die Lage anders: Hier wird am 6. Januar eine nagelneue evangelische Kirche eingeweiht. Und das in diesen Zeiten?
Die Gemeinde hielt ihre Gottesdienste bislang in einer Art Behelfskirche aus den 1970er Jahren ab, doch das Gebäude war baufällig. Man stand also vor der Wahl, sich komplett einer anderen Gemeinde anzuschließen - oder selbst zu bauen.
Ein Versammlungsort
Entstanden ist nun ein multifunktionales Gemeindezentrum - für Gottesdienste, aber auch für die verschiedenen anderen Veranstaltungen der Gemeinde wie Posaunenchorproben, Konfirmandenunterricht oder Kirchen-Café. Es sei "großartig", dass die Gemeinde mit diesem Bau eine Zukunftsperspektive habe, sagte Pfarrerin Stefanie Lauterbach. Der Bau sei angemessen für die Zukunft, weil er auch ein Versammlungsort sei und somit der Gemeinschaft diene.
Und das sind die Eckdaten des neuen Gebäudes: Die Baukosten lagen bei knapp zwei Millionen Euro, ein Drittel kam von der evangelischen Landeskirche, den Rest brachte die Gemeinde selbst auf. 160 Sitzplätze gibt es.
Genauso wie die bisherige Kirche trägt auch das neue Gotteshaus den Namen Epiphaniaskirche. Bevor die neue Kirche am Dienstag, dem Epiphaniastag, eingeweiht wird, wird die alte entwidmet.
Es geht um Reduzierung des Bestands
Kirchenneubauten sind im Freistaat sehr selten geworden. Nach Angaben der Evangelischen Landeskirche (ELKB) wurde zuletzt im Dezember in Utting am Ammersee die Christuskirche eingeweiht. Ein Brand hatte dort 2021 fast alles zerstört. Man habe die Holzkirche nun wieder neu aufgebaut, teilte Sprecherin Christine Büttner mit.
Grundsätzlich plant die Landeskirche, ihren Immobilienbestand zu reduzieren. Denn: Die Mitgliederzahlen sinken, die Personalzahlen auch. Und durch sinkende Kirchensteuereinnahmen steht auch weniger Geld für Unterhalt und Sanierung zur Verfügung. Im Frühjahr 2025 hatte Landesbischof Christian Kopp allerdings versichert, dass in Bayern zuvorderst Einsparmöglichkeiten bei Pfarrhäusern und Gemeindezentren gesehen werden, weniger bei den Kirchen selbst.
In den katholischen bayerischen Bistümern gab es in den vergangenen Jahren keine größeren Neubauprojekte von Kirchen. Auch hier wird vielerorts darüber diskutiert, wie es mit dem Gebäudebestand weitergehen soll, denn Mitgliederschwund und sinkende finanzielle Ausstattung trifft auch die katholische Kirche. In der jüngeren Vergangenheit gab es immer wieder Fälle, in denen Kirchen profaniert wurden - das heißt, dass sie nicht mehr für Gottesdienste genutzt werden.
Im Sommer 2024 hieß es beispielsweise vom Erzbistum München-Freising, dass man vor allem bei Gebäuden sparen wolle. Das Erzbistum Bamberg hat eine neue Gebäudestrategie entwickelt, um die Zuschüsse für Baumaßnahmen neu zu regeln. "Die Unterhalts- und Investitionskosten für alle bestehenden Gebäude übersteigen die Leistungsfähigkeit sowohl der Erzdiözese als auch der meisten Kirchenstiftungen. Deshalb muss die Bezuschussung von Baumaßnahmen durch die Erzdiözese neu geregelt werden", sagte Generalvikar Georg Kestel vor knapp einem Jahr zu diesem Thema. Der vorhandene Gebäudebestand sei im derzeitigen Umfang auf Dauer nicht zu sichern und müsse reduziert werden.
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