Gefährliche Wetterlagen: Rotes Kreuz ist vorbereitet

Gefährliche Wetterlagen werden sich künftig wohl häufen. Wie sich das Rote Kreuz darauf vorbereitet - und wo die Grenzen sind.
| Julia Sextl
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Kümmern sich um Hilfseinsätze: Uwe Kippnich (v.l.n.r.), Harald Erhard, Toni Holzer vom ÖRK, Michael Raut und Rudi Cermak
BRK Kümmern sich um Hilfseinsätze: Uwe Kippnich (v.l.n.r.), Harald Erhard, Toni Holzer vom ÖRK, Michael Raut und Rudi Cermak

Die Sonne strahlt vom blauen Himmel, Vögel zwitschern um die Wette - die Münchner stellen sich bereits auf den Frühling ein. Nur in der Landesgeschäftsstelle des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) sind die Gedanken noch beim Schnee und dem kräftezehrenden Einsatz im Süden Bayerns: Über eine Woche kämpften Tausende von Helfern im Januar gegen die weißen Massen, versorgten die Menschen vor Ort und leisteten fast Übermenschliches.

Januar 2019 war besonders heftig

Am Mittwoch trafen sich führende Mitglieder des Bayerischen sowie des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK) zur Nachbesprechung – und vor allem zur Planung für künftige Katastrophenfälle. "Wir müssen mittlerweile das Undenkbare denken", sagt Rudi Cermak, Katastrophenschutzbeauftragter des BRK. Ein solches Wetterereignis wie im Januar habe es noch nie zuvor gegeben - doch es könnte bald noch viel schlimmer kommen. "Jetzt, nachdem es passiert ist, ist die Grenze nach oben offen", sagt Uwe Kippnich, Koordinator der Sicherheitsforschung im BRK.

Viel Schnee - hohe Luftfeuchtigkeit

Zwar gebe es regelmäßig viel Schnee im Winter - das Ungewöhnliche sei jedoch die Feuchtigkeit gewesen, die den Schnee besonders schwer werden ließ. Und, dass es in nur 48 Stunden so viel schneite. "So ein Wetterphänomen passiert eigentlich nur alle 300 Jahre", so Kippnich zur AZ.

Und doch könnten sich die Abstände nun dramatisch verkürzen. So ungewöhnlich die Lage in diesem Winter auch war: Auch bei den vergangenen Hochwasserereignissen sei man zunächst nur von einer Ausnahmesituation ausgegangen, sagt Kippnich. "1997, beim Oder-Hochwasser, da hatte man auch gedacht, so etwas passiert nicht. 2002 ging dann das Elbe-Hochwasser als Jahrhunderthochwasser in die Geschichte ein, und 2003 kam dann das nächste Jahrhunderthochwasser."

BRK: Sich auf ungewöhnliche Lagen vorbereiten

Auch die Flächenwasserlagen - Stichwort Landkreis Rottal-Inn, der 2016 ziemlich verwüstet worden war - zeigten: "Wir wissen nie, wann das nächste große Ereignis eintrifft", so Kippnich. "Und wenn Sie allein an den letzten Sommer denken: Eine nie da gewesene Hitzeperiode, Waldbrände über Wochen, der große Böschungsbrand an der Zugstrecke bei Siegburg, wo ein ganzer Ortsteil abgebrannt ist. All diese Wetterphänomene sind noch heftiger aufgetreten, als sie vor zehn bis 15 Jahren vorhergesagt worden sind." 

Jedes einzelne dieser Szenarien zeige: "Wir müssen uns auf das Unmögliche vorbereiten." Allerdings könnten auch die Helfer bald an ihre Grenzen stoßen. Nicht nur, dass sie während der Hilfsarbeiten koordiniert und mit allem Lebensnotwendigen versorgt werden müssen: Je länger ein Einsatz dauert und je anstrengender er ist, desto eher schwindet auch die Kondition.

Manchmal ist Hilfe nicht mehr möglich

Teils verhindert auch das Wetter, dass Hilfe überhaupt möglich ist, wie Toni Holzer vom ÖRK berichtet: "Es ist für uns alle eine neue Herausforderung, weil wir solche Ereignisse wie im Januar noch nie gehabt haben - über so lange Zeit solche Einschränkungen durch den Schnee." 

Was wäre passiert, wenn es noch länger gedauert hätte - so die Überlegung. "Dann steigen die Herausforderungen überproportional", so Holzer. "Es gibt einen Punkt, an dem wir mit den heutigen Mitteln nicht mehr weiter kommen. Das muss man ganz klar sagen." 

Bergdorf in Österreich war von Außenwelt abgeschnitten

Ins Bewusstsein der breiten Bevölkerung scheint dies jedoch noch nicht ganz vorgedrungen zu sein, so die Kritik der Helfer. "Die glauben immer, da kommt dann schon jemand", so Katastrophenschutzbeauftragter Cermak. Doch wenn Straßen gesperrt sind und schlechte Sicht den Einsatz von Hubschraubern unmöglich macht – "dann sollte man sich schon vorher mal überlegt haben, wann man eigentlich den letzten Erste-Hilfe-Kurs gemacht hat und ob genug Wasser und Lebensmittel im Haus sind." 

Die 400 Einwohner eines Bergdorfes in Österreich hatten eine solche Situation jüngst gut gemeistert. "Das Dorf war von der Außenwelt abgeschnitten und hatte über 80 Stunden keinen Strom", erzählt Holzer.

Was bedeutet: keine Heizung, kein Leitungswasser, Telefon, Internet oder Nachrichten. Ob auch München eines Tages solche Szenarien drohen? "Es scheint weit weg zu sein - aber in den letzten 20 Jahren sind Ereignisse eingetreten, die selbst die kühnsten Fantasten nicht angenommen hätten", so Kippnich. Für Ort und Zeit könne man nicht garantieren.

Lesen Sie auch: Ein Hauch Frühling kommt: Sonne und milde Temperaturen

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