Gans brutale Aktion: Forscher blasen zur Jagd aufs Federvieh

Trotz Aufzucht- und Schonzeit sollen Gänsefamilien getötet werden können – per Sondererlaubnis für Forscher der TU München. Naturschützer schimpfen über "Tierquälerei".
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MÜNCHEN - Trotz Aufzucht- und Schonzeit sollen Gänsefamilien getötet werden können – per Sondererlaubnis für Forscher der TU München. Naturschützer schimpfen über "Tierquälerei".

Konrad Lorenz – legendärer Verhaltenforscher der Graugänse – würde sich im Grabe umdrehen: Forscher der TU München blasen zur Jagd auf das Federvieh. Es geht um eine Studie über Methoden zur Dezimierung der Gänsepopulation. Und zwar während der Schonzeit und Mauser, in der die Tiere flugunfähig sind. Trotz Jungtier-Aufzucht ist die Tötung von wildlebenden Gänsefamilien am Altmühlsee in Mittelfranken erlaubt worden – per Ausnahmeregelung.

Natur- und Tierschützer schlagen Alarm. „Die Mauserjagd ist Tierquälerei“, so Heinz Sedlmeier, Sprecher vom Landesbund für Vogelschutz in München. „Wilde, scheue Vögel, die flugunfähig sind, sollen zusammengetrieben, auf Laster verfrachtet und zum Schlachthof gefahren werden. Die Tiere sind lange Zeit Stress und Angst ausgesetzt.“ Wenn man sie schon dezimieren wolle, dann in der Jagdzeit.

Auch um Münchens Gänse gibt es zwischen TU München und Natur- und Tierschützer heftigen Streit. Während der Pressesprecher der TU, Ulrich Marsch, von einer starken Vermehrung der Tiere sprich, hält der Landesbund für Vogelschutz dagegen, dass es seit zehn Jahren keine Veränderungen in der Population gegeben habe. „Dies haben Zählungen, die mehrmals im Jahr stattfinden, klar gezeigt“, so Sedlmeier. Zirka 800 Graugänse leben demnach in der Landeshauptstadt. Sedlmeier: „Es gibt kein Gänseproblem“.

Dennoch: Bereits 2008 wollte dieselbe Arbeitsgruppe der TU um Dr. Andreas König Tiere im Englischen Garten während der Schonzeit fangen. Proteste der Münchner stoppten das Vorhaben. Ein weiteres Projekt der TU ist momentan der Einsatz eines Wüstenbussards im Nymphenburger Schlosspark. Seine Anwesenheit soll die Gänse dort vertreiben.

Natalie Dertinger

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