Gaby Kilian: Diese Bayern sollte man nicht vergessen

Über berühmte und weniger bekannte Persönlichkeiten hat Gaby Kilian aus München einen biografischen Erzählband geschrieben.
| Interview: Ruth Schormann
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Gaby Kilian hat die Geschichten von Bayern aufgeschrieben, die man nicht vergessen sollte.
Bauernhofmuseum Jexhof Gaby Kilian hat die Geschichten von Bayern aufgeschrieben, die man nicht vergessen sollte.

München - In "Teufelskerle und Katastrophenweiber" stellt die Münchnerin von Kurfürstin Maria Leopoldine über den Räuber Kneißl bis zu Christoph der Starke von Bayern oder Oskar Maria Graf bekannte Bewohner des heutigen Freistaats aus verschiedenen Jahrhunderten vor.

Die AZ hat sich mit Gaby Kilian über das Buch unterhalten.

AZ: Frau Kilian, wie kamen Sie auf die Idee, über bayerische Persönlichkeiten ein Buch zu schreiben?
GABY KILIAN: Da ich in München lebe und die Stadt und ihre Geschichte liebe, lag es nahe, dass ich über bayerische Persönlichkeiten schreibe. So mancher Bürger in dieser lebendigen Stadt denkt sicher genau so wie ich und interessiert sich für die Lebenslinien von Menschen, nach denen Straßen benannt wurden oder deren Werke man heute noch bewundern kann.

Die Geschichte soll nicht in Vergessenheit geraten

Wonach haben Sie die sechs Frauen und Männer ausgewählt?
Die Auswahl bestimmte der Bekanntheitsgrad. Über Herzog Christoph von Bayern gibt es wenig zu lesen, man muss schon intensiv suchen, um sich ein Bild von diesem außergewöhnlichen Menschen zu machen. Seine Geschichte sollte nicht in Vergessenheit geraten, zumal es in der Residenz, im Durchgang zum Brunnenhof, noch eine Erinnerung an ihn gibt.

Um wen geht es noch?
Das Nichtvergessen gilt auch für Barbara Blombergh. Aus einem zurückhaltenden jungen Mädchen aus Regensburg wurde durch die Lebensumstände eine selbstbewusste Frau, die sich von hohen Herrschaften und ihrer Macht nicht beeindrucken ließ.

Eine weitere Person: Kurfürstin Maria Leopldine hätte sich in Tränen aufgelöst zurückziehen können, nachdem sie mit dem alternden Kurfürsten Karl Theodor verheiratet wurde. Stattdessen trieb sie Schabernack mit ihrer Umgebung und vereitelte klug den Griff der Habsburger nach dem Bayernland. Sie wurde schließlich zur klugen und umsichtigen Geschäftsfrau.

Räuber Kneißl oder Oskar Maria Graf kennen aber einige.
Mathias Kneißl, Lena Christ und Oskar Maria Graf sind drei bekannte Personen, deren Lebensumstände viele kennen. Doch fragt man in die Runde, dann wissen die Menschen nur bruchstückhaft, was damals geschah, aber wie spannend die ganze Geschichte sein kann, das muss man aus Büchern erfahren – zum Beispiel aus "Teufelskerle und Katastrophenweiber".

Der Leser soll alles miterleben 

Die Erzählungen sind im Stil eines historischen Romans verfasst. Wie nah an der Wirklichkeit sind Sie geblieben?
Ich habe versucht, die Geschichte so nah wie möglich an die Person anzulehnen ohne die historischen Fakten zu vernachlässigen oder zu verändern. Der Leser soll die beschriebene Person so kennenlernen, als würde er neben ihr stehen, alles miterleben und das Warum begreifen.

Alle Protagonisten aus "Teufelskerle und Katastrophenweiber" haben um ihre Ziele gekämpft, sich nicht ihrem Schicksal ergeben. Was können wir daraus heute lernen?
Es gibt einen klugen Satz: "Man kann hinfallen. Aber man muss wieder aufstehen." Das haben die Protagonisten allesamt erlebt und immer wieder nach Möglichkeiten gesucht, wie es weiter gehen könnte. So sollte das Leben von uns allen funktionieren.

Sie sind als Stadtführerin in München unterwegs. Verraten Sie der AZ Ihren Lieblingsplatz und was ihn für Sie so besonders macht?
In München gibt es unzählige Plätze, die ich oft besuche. Am liebsten bin ich auf dem Alten Südfriedhof. Ein Spaziergang, egal zu welcher Jahreszeit, ein "Besuch bei berühmten Münchnern", die Erinnerung an das, was sie geschaffen und hinterlassen haben, erzählt mir heute noch Geschichten. Und der Friedhof selbst hat für mich oft etwas Liebenswertes – etwas Verwunschenes.


"Teufelskerle und Katastrophenweiber" von Gaby Kilian (Hardcover, 280 Seiten, 20 Euro) ist im Volk-Verlag erschienen.

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