"Gab es noch nie": Sommerwetter sorgt für Aufregung am Chiemsee

Der niedrige Wasserstand macht am Chiemsee Probleme. Welche Einschränkung es aktuell für Ausflügler gibt und wie die Lage am Tegernsee, Ammersee, Königssee und Starnberger See ist.
von  Rosemarie Vielreicher
Anfang Juni: der Dampfersteg in Seebruck am Chiemsee.
Anfang Juni: der Dampfersteg in Seebruck am Chiemsee. © Sven Hoppe/dpa

Bayerns Seen sind beliebte Ausflugsziele, Gäste schippern dort gern mit dem Schiff übers Wasser. Am Chiemsee gibt es aktuell allerdings eine Einschränkung.

Ein Warndreieck mit Ausrufezeichen weist auf der Homepage darauf hin: "Einschränkung des Fahrbetriebes wegen Niedrigwasser!" Seit 31. Mai kann Seebruck nicht mehr angesteuert werden. Dementsprechend fällt dieser Halt auf der "Großen Chiemseetour" momentan aus.

Die nächst gelegenen Anlegestellen sind Gstadt und Chieming.

Unüblich für diese Jahreszeit

Wie geht es weiter? Sind auch weitere Halte möglicherweise bald auf der Niedrigwasser-Liste? Die AZ hat bei der Schifffahrt am Chiemsee nachgefragt. Michael Feßler von der Geschäftsleitung teilt zum Niedrigwasser mit: "Der aktuelle Wasserstand liegt mit 517,83 Metern 37 Zentimeter unter dem Jahresdurchschnitt von 518,20 Meter."

Der Dampfer Ludwig Fessler im Hafen von Prien am Chiemsee.
Der Dampfer Ludwig Fessler im Hafen von Prien am Chiemsee. © imago/Peter Widmann

Er ordnet ein: "Dieser niedrige Wasserstand kommt zwar öfter vor, bisher allerdings hauptsächlich im Winter, wenn der Niederschlag als Schnee in den Bergen liegen bleibt." Üblich wäre Feßler zufolge um diese Jahreszeit "ein leichtes Hochwasser aufgrund der Schneeschmelze".

Deutscher Wetterdienst: Sehr trockenes Frühjahr

Grundsätzlich hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) für Bayern ausgewertet: Es war das trockenste Frühjahr seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881.

Ein Steg für Badegäste und Ausflügler in Seebruck am Chiemsee. Aktuell hat sich das Wasser sehr zurückgezogen.
Ein Steg für Badegäste und Ausflügler in Seebruck am Chiemsee. Aktuell hat sich das Wasser sehr zurückgezogen. © Sven Hoppe/dpa

Laut DWD fielen im Freistaat zwischen März und Mai im Schnitt nur 104 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, normal wären im langjährigen Mittel 223 Liter. Deutlich länger schien auch die Sonne (fast 700 Sonnenstunden) und die Temperaturen waren milder als üblich (im Schnitt 9,7 Grad).

Auch im Winterhalbjahr gab es zu wenig Schnee und Regen, so das Bayerische Landesamt für Umwelt.

Ende der Einschränkung noch nicht klar

Am "bayerischen Meer" ist noch nicht absehbar, wann Seebruck wieder angefahren werden kann. Das hänge von den Niederschlägen der nächsten Tage ab. Und: "Kritisch beobachten wir auch die Anlegestelle in Feldwies/Übersee. Die dortige Bucht droht generell zu verlanden", so Feßler am Montag.

Die MS Starnberg am Anlegesteg in Starnberg.
Die MS Starnberg am Anlegesteg in Starnberg. © imago/Michael Kristen

Er lässt auch wissen: "Dass eine Anlegestelle wegen Niedrigwasser nicht angefahren werden kann, gab es bisher noch nie." Zu Einordnung ergänzt er aber, dass die betroffene Anlegestelle nur im Sommer angesteuert wird.

Tegernsee, Ammersee und Co.: So ist die Lage

Wie schaut es mit dem Schiffsverkehr an den anderen bayerischen Seen aus? Die Bayerische Seenschifffahrt ist für Tegernsee, Königssee, Ammersee und Starnberger See zuständig. Geschäftsführer Michael Grießer sagt der AZ am Dienstag: "Wir haben im Moment an keinem der vier Seen Probleme mit Niedrigwasser."

Königssee, Tegernsee und Ammersee hätten Gebirgszuflüsse. Der einzige See, der ihm zufolge grundsätzlich betroffen sein könnte, ist der Starnberger See. Aber er schaut extra nochmal in seinen Daten nach: Der Pegel sei im Moment sogar fünf Zentimeter höher als vor einem Monat.

Im August 2022 fielen wegen Niedrigwasser die Halte in Possenhofen und Bernried aus.

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