Fusionsenergie: Proxima Fusion plant High Tech-Fabrik
Das an der Entwicklung eines Kernfusionsreaktors arbeitende Münchner Start-up Proxima Fusion will in Niedersachsen mit finanzieller Hilfe der Landesregierung eine erste Fabrik bauen. Das Unternehmen und die Landesregierung unterzeichneten in Hannover eine Absichtserklärung. Bis Ende 2029 will Proxima Fusion in den ersten beiden Phasen des Projekts 140 Millionen Euro investieren, Niedersachsen demnach bis zu 21 Millionen beisteuern. Das Unternehmen will dort Hochtemperatur-Supraleiter-Band für leistungsstarke Elektromagnete bauen.
Wo in Niedersachsen die Fabrik entstehen könnte, steht noch nicht fest. Zunächst sollen geeignete Standorte geprüft werden. Die Fabrikpläne sind Teil eines äußerst ehrgeizigen Milliardenprojekts: Proxima Fusion will ein kommerziell nutzbares Fusionskraftwerk bauen - eine Technologie, von der Wissenschaftler seit Jahrzehnten träumen, die aber noch Zukunftsmusik ist. Ein erster Forschungsreaktor namens "Alpha" soll in Garching bei München entstehen, unterstützt vom Freistaat Bayern. Allein dieses Vorhaben könnte an die zwei Milliarden Euro kosten. Ein kommerzielles Kraftwerk "Stellaris" könnte am Standort des einstigen Atomkraftwerks Gundremmingen entstehen. Das Unternehmen ist eine Ausgründung aus dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP).
Die Sonne ist das Vorbild
Die Kernfusion soll den im Inneren der Sonne ablaufenden Prozess nachbilden: die Verschmelzung von Wasserstoffatomkernen zu Helium, bei der riesige Mengen Energie entstehen. Um Wasserstoffkerne zu verschmelzen, sind extrem hohe Temperaturen notwendig. Laut Max-Planck-Institut für Plasmaphysik entsteht das Fusionsfeuer bei einer Temperatur des Plasmas von 100 Millionen Grad. Daher muss das Plasma in dem Fusionsreaktor in Magnetfeldern "eingeschlossen" werden.
Und für den Bau der Magnete wiederum ist das Hochtemperatur-Supraleiterband (HTS) erforderlich, das Proxima Fusion in Niedersachsen herstellen will. "Supraleitend" bedeutet, dass das Material Strom ohne Widerstandsverlust transportieren kann. Anders als bei der Kernspaltung in einem Atomkraftwerk entstehen bei der Kernfusion keine großen Mengen radioaktiven Abfalls, und unkontrollierte Kettenreaktionen wie bei der Schmelze eines Atomreaktors sind laut Max-Planck-Institut praktisch ausgeschlossen. Sowohl in Europa als auch China und den USA arbeiten Wissenschaftler und Unternehmen mit Hochdruck an der Technologie. HTS-Materialien können laut Mitteilung aber auch in anderen Bereichen zum Einsatz kommen, so in Stromnetzen und Geräten für die medizinische Bildgebung.
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