Frust am Tegernsee: Wirte machen auch nach Corona-Pause kaum Umsatz

Die Pfingst-Bilanz der Gastronomen fällt auch im Oberland ernüchternd aus. Einer spricht sogar von einer "Vollkatastrophe".
| Klaus Wiendl
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Peter Hubert ist der Chef vom Tegernseer Bräustüberl.
Klaus Wiendl Peter Hubert ist der Chef vom Tegernseer Bräustüberl.

Tegernsee - Restaurants und Außengastronomie haben geöffnet und laden zum Verweilen ein. Doch wer nun glaubte, sich wieder mit Freunden und Bekannten am Stammtisch ungezwungen treffen zu können, erlitt eine herbe Enttäuschung.

Strenge Hygiene- und Schutzmaßnahmen aufgrund des Corona-Shutdowns vergraulten so manchen Gast und schmälerten trotz Öffnung bis 22 Uhr den Umsatz der Wirte dramatisch.

Wirtschaften: Hygiene-Maßnahmen aufwendig und personalintensiv

Keiner jubelt. Weniger Sitzplätze, Abstandsregeln, Anwesenheitslisten, eingeschränkter Thekenbetrieb. Gleichbleibende Neben- und Personalkosten lassen derzeit nicht an Gewinn denken. Viele Gäste können sich nicht mit der "neuen Normalität" anfreunden und bleiben weg. Der Frust ist nach Pfingsten auf beiden Seiten groß.

"Viele Gäste haben die Erwartung auf eine Urlaubsstimmung wie immer. Aber das ist nicht der Fall", klagt in Rottach-Egern Josef Bogner jun. Er ist Gastwirt aus Leidenschaft seines Voitlhof zum Zotzn. Doch nach der ersten Woche überwiegt die Ernüchterung. "Ich fühle mich wie ein Erzieher im Kindergarten." Ständig müsse er die Gäste an die Hygiene-Vorgaben erinnern. Wirtschaftlich sei es ohnehin "eine Vollkatastrophe." Maximal die Hälfte seiner Plätze könne er belegen, dafür sei der Aufwand zu groß. Auf Dauer sei die derzeitige Regelung nicht durchzuhalten.

Peter Hubert ist der Chef vom Tegernseer Bräustüberl.
Peter Hubert ist der Chef vom Tegernseer Bräustüberl. © Klaus Wiendl

"Die Maßnahmen sind sehr personalintensiv", kritisiert auch Peter Hubert als Wirt des beliebten Bräustüberls in Tegernsee. Aber die Gäste seien "wahnsinnig diszipliniert, denn sie wollen in einen Biergarten gehen". Der Trend sei "eindeutig." Doch er könne wegen der Beschränkungen nur zwei Drittel der Plätze anbieten. Insgesamt sieht Hubert zwar einen "Aufwärtstrend, aber Geld verdienen kann ich mit dem hohen Personalaufwand nicht".

Wegen Corona-Krise: "Man geht schneller pleite als vorher"

"Es schaut irgendwie nackt aus", sagt Florian Guggenbichler, Inhaber des Cafés Mesner in Schliersee, beim Blick in seine leere Gaststube. Weniger Sitzplätze, keine Tischdecken. "Das Ambiente ist einfach nicht so, wie man sich das als Gast wünscht." Obwohl er seinen Innenbereich wieder öffnen darf, bleiben die meisten Gäste lieber auf der Terrasse sitzen – natürlich nur bei schönem Wetter. "Du bringst die Leute einfach nicht in den Laden." Entsprechend mager sei der Umsatz.

In Großhartpenning bei Holzkirchen ist Hans Vogl vom Hotel Landgasthof Altwirt ein wenig zufriedener. Zwar mache auch er noch keinen Gewinn. "Es ist noch nicht der Brüller. Wenn ich wieder zusperren müsste, wäre es aber ein größeres Problem."

In Otterfing kämpft währenddessen sein Kollege um die Existenz. "Viel Arbeit für nix." Ludwig Klier will sein Gasthaus Baumann im Herbst zusperren, sollte es so weitergehen. "Wenn sich nicht schnell etwas ändert, muss man sich überlegen, ob man noch mehr Schulden aufhäuft", sagt er. "Die Lage ist dramatisch. Man geht schneller pleite als vorher."

Lesen Sie hier: Kontaktbeschränkungen in Bayern - Diese Regeln gelten

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