Interview

Frühling in Bayern – oder kommt der Winter nochmal zurück?

Ist das schöne Wetter gekommen, um zu bleiben – oder kehrt der Winter noch mal zurück? Experte Dominik Jung im AZ-Interview über die Aussichten, Pollen und UV-Gefahr.
Anne Hund |
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Isar-Hochwasser, Meldestufe 1, Blick von der Reichenbachbrücke, München, 25. Februar 2026 Deutschland, München, 25. Februar 2026, Isar Hochwasser nach Dauerregen der letzten Tage, Blick von der Reichenbachbrücke, Hochwasser Meldestufe 1, Pegel auf über 2,40 Meter gestiegen, einzelne Uferwege gesperrt, einige Uferregionen sind überschwemmt, Passanten auf der Brücke, Sonnenschein, schönes Wetter, Temperaturen bei 9 Grad, es wird frühlingshaft warm, Bayern, *** Isar flood, reporting level 1, view from the Reichenbach Bridge, Munich, February 25, 2026 Germany, Munich, February 25, 2026, Isar flood after continuous rain of the last days, view from the Reichenbach Bridge, flood reporting level 1, water level has risen to over 2.40 meters
Isar-Hochwasser, Meldestufe 1, Blick von der Reichenbachbrücke, München, 25. Februar 2026 Deutschland, München, 25. Februar 2026, Isar Hochwasser nach Dauerregen der letzten Tage, Blick von der Reichenbachbrücke, Hochwasser Meldestufe 1, Pegel auf über 2,40 Meter gestiegen, einzelne Uferwege gesperrt, einige Uferregionen sind überschwemmt, Passanten auf der Brücke, Sonnenschein, schönes Wetter, Temperaturen bei 9 Grad, es wird frühlingshaft warm, Bayern, *** Isar flood, reporting level 1, view from the Reichenbach Bridge, Munich, February 25, 2026 Germany, Munich, February 25, 2026, Isar flood after continuous rain of the last days, view from the Reichenbach Bridge, flood reporting level 1, water level has risen to over 2.40 meters © IMAGO/Wolfgang Maria Weber (www.imago-images.de)

Nicht nur in München ist – so fühlt es sich jedenfalls an – der Frühling ausgebrochen. Noch befinden wir uns jedoch in einer Übergangsphase, sagt Diplom-Meteorologe Dominik Jung. Wie sich das Wetter in der nächsten Zeit entwickelt. 

AZ: Herr Jung, ist der Winter nun endgültig vorbei
DOMINIK JUNG: Nein, der Winter ist nach den aktuellen Wetterdaten noch nicht endgültig vorbei, auch wenn sich das Wetter derzeit in München und vielen Teilen Bayerns frühlingshaft anfühlt. Aktuell liegen die Temperaturen vielerorts deutlich über den für Ende Februar üblichen Werten. Bei Sonnenschein sind im Alpenvorland und im Raum München verbreitet zweistellige Höchstwerte möglich, was subjektiv bereits wie Frühling wirkt. Meteorologisch befinden wir uns aber noch klar in einer Übergangsphase. Gerade im März sind in Bayern weiterhin deutliche Kälterückfälle möglich. Selbst nach sehr milden Abschnitten kann es nochmals Frostnächte, Bodenfrost oder auch späte Schneefälle geben. Solche Wechsel sind typisch für das Spätwinterklima in Süddeutschland. Die Wahrscheinlichkeit für längere Kälteperioden nimmt zwar langsam ab, aber einzelne winterliche Episoden sind weiterhin realistisch. Ein endgültiges Winterende lässt sich deshalb derzeit noch nicht feststellen.

Meteorologe erklärt: Warum es zunächst mild bleiben soll

Auch an diesem Freitag erwarten uns angenehme Temperaturen. Wie ist der Ausblick für die kommende Woche?
Nach den aktuellen Prognosen bleibt das Temperaturniveau zunächst relativ mild mit 15, 16, auch mal 17 Grad. Vor allem im südlichen Alpenvorland können bei Sonnenschein weiterhin recht angenehme Temperaturen erreicht werden. Teilweise wird es frühlingshaft mild, insbesondere dort, wo sich Nebel oder Hochnebel auflösen. Im Verlauf der kommenden Woche deutet sich allerdings insgesamt wieder mehr Wechselhaftigkeit an. Neben freundlichen Abschnitten werden auch dichtere Wolkenfelder und zeitweise etwas Regen erwartet. Die Temperaturen bleiben zunächst überwiegend überdurchschnittlich, können aber zwischen einzelnen Wetterlagen spürbar schwanken. Typisch für diese Jahreszeit sind größere Unterschiede zwischen sonnigen Regionen und Gebieten mit länger anhaltendem Hochnebel. Während es bei Sonne sehr mild werden kann, bleiben die Temperaturen unter dichten Wolken deutlich niedriger. Insgesamt spricht vieles für einen wechselhaften Spätwinter mit mildem Grundcharakter.

Der Diplom-Meteorologe Dominik Jung aus Bad Kreuznach beliefert seit 25 Jahren Medien mit Prognosen. Die aktuellen Wetternachrichten teilt er auch auf wetter.net.
Der Diplom-Meteorologe Dominik Jung aus Bad Kreuznach beliefert seit 25 Jahren Medien mit Prognosen. Die aktuellen Wetternachrichten teilt er auch auf wetter.net. © dpa

Wie wird den bisherigen Wetterprognosen zufolge der Frühling in Bayern? Und wie sieht es speziell in Oberbayern aus?
Nach den bisherigen Trends könnte der Frühling in Bayern insgesamt eher mild beginnen. Besonders der März zeigt in vielen Prognosen eine Tendenz zu leicht überdurchschnittlichen Temperaturen. Das bedeutet aber nicht, dass durchgehend frühlingshaftes Wetter zu erwarten ist. Vielmehr ist mit häufigen Wechseln zwischen milden und kühleren Phasen zu rechnen. Gerade in Bayern und besonders in Oberbayern sind solche Schwankungen typisch. Während im Alpenvorland und in den Niederungen immer wieder frühe Frühlingsphasen auftreten können, halten sich winterliche Bedingungen in den Alpen meist deutlich länger. Schon kleine Änderungen in der Windrichtung können dabei große Temperaturunterschiede verursachen. Insgesamt spricht vieles für einen typischen mitteleuropäischen Frühling mit wechselhaften Abschnitten, steigenden Temperaturen und zunehmender Sonnenscheindauer. Ein stabil warmer Frühling stellt sich erfahrungsgemäß meist erst im Laufe des April oder Mai ein.

Bereits jetzt beginnt die Pollensaison

Hasel- und Erlenpollen machen Allergikern bereits zu schaffen. Worauf sollten sich Betroffene in diesem Frühjahr einstellen?
Die aktuell milden Temperaturen haben bereits zu einem frühen Beginn der Pollensaison geführt. Hasel und Erle gehören zu den ersten Pflanzen, die im Jahr blühen, und reagieren besonders empfindlich auf milde Witterungsphasen. Dadurch ist die Belastung für Allergiker in diesem Jahr bereits relativ früh spürbar. Wenn die Temperaturen weiter auf einem milden Niveau bleiben, dürfte sich der Pollenflug rasch verstärken. Besonders sonnige und trockene Wetterlagen führen in der Regel zu höheren Pollenkonzentrationen in der Luft. Wechselhafte Phasen mit Regen können die Belastung dagegen vorübergehend deutlich reduzieren. Im weiteren Verlauf des Frühjahrs ist vor allem mit dem Beginn der Birkenblüte zu rechnen, die für viele Allergiker die stärkste Belastungsphase darstellt. Ein früher Vegetationsbeginn kann dazu führen, dass sich die einzelnen Pollenperioden enger aneinander anschließen und die Saison insgesamt länger wirkt.

Haselpollen fliegen schon.
Haselpollen fliegen schon. © dpa

Bei schönen Wetter planen viele einen Ausflug Richtung Alpen. Was sollte man beim Sonnenschutz beachten?
Auch wenn sich die Temperaturen derzeit noch relativ moderat anfühlen, ist die Sonnenstrahlung bereits deutlich stärker als im Hochwinter. Gegen Ende Februar nimmt die Intensität der Sonne rasch zu, was häufig unterschätzt wird. Gerade bei längeren Aufenthalten im Freien kann es bereits zu Sonnenbrand kommen. In den Alpen ist die UV-Belastung zusätzlich erhöht. Mit zunehmender Höhe nimmt die Strahlungsintensität zu, und vorhandene Schneeflächen reflektieren einen großen Teil der Sonnenstrahlung. Dadurch kann die tatsächliche Belastung deutlich höher sein als im Flachland. Besonders gefährdet sind Gesicht, Lippen und Augen. Selbst bei kühlen Temperaturen kann die Sonne bereits stark wirken, weil Wind und niedrige Lufttemperaturen die Erwärmung der Haut vermindern und dadurch das Risiko oft unterschätzt wird.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Jung.

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