Früheres Jagdhaus der Wittelsbacher: Schönheitskur fürs Tegelberghaus

Der Vater von Ludwig II. hat das Tegelberghaus einst als Rückzugsort erbaut. Auch der Kini mochte die Aussicht dort. Nach Negativ-Schlagzeilen in den vergangenen Jahren hat ein neuer Hüttenwirt übernommen. Ab April kann man auch wieder übernachten.
von  Rosemarie Vielreicher
Das ehemalige königliche Jagdhaus: Ein Blick auf das Tegelberghaus bei Schwangau im Allgäu.
Das ehemalige königliche Jagdhaus: Ein Blick auf das Tegelberghaus bei Schwangau im Allgäu. © Michael Helmer/Tegelberghaus

Das Fleckerl Erde in den Ammergauer Alpen und die Aussicht gefielen schon Bayerns König Maximilian II. Der Vater des Kini ließ einst im 19. Jahrhundert das Tegelberghaus (1707 Meter) im Allgäu erbauen. Gedacht war es damals als königliches Jagddomizil. Ganz in der Nähe würde sein Sohn Ludwig II. später sein Märchenschloss Neuschwanstein errichten.

Das war anno dazumal, die Monarchie in Bayern ist längst Geschichte. Heutzutage können Gäste im Tegelberghaus einkehren. Auf einen Kaiserschmarrn oder Käsespätzle. Und bald kann man dort auch wieder übernachten. Das war zuletzt nicht möglich wegen Renovierungsarbeiten.

Die Hütte hat diverse Negativ-Schlagzeilen hinter sich: Bettwanzen (2022) und Zoll-Razzia beim früheren Pächter (2024). Aber das war alles vor Andreas Fahls (28) Zeit. Im April 2025 hat der neue Hüttenwirt zusammen mit seiner Partnerin Manja Zill aufgesperrt. Seither hat er einiges verändert.

Zweite Bauphase: Ab April wieder Übernachtungen

In der ersten Bauphase vor eineinhalb Jahren seien unter anderem die Gasträume und Lagerräume von Grund auf saniert worden, erzählt er der AZ. Aktuell laufen die letzten Arbeiten des zweiten Bauabschnitts: die Gästezimmer im ersten Stock. Ab April 2026 sind Fahl zufolge dann wieder Übernachtungen möglich. Buchen kann man bereits.

Den alpinen Charakter der Hütte wollte Andreas Fahl erhalten.
Den alpinen Charakter der Hütte wollte Andreas Fahl erhalten. © Michael Helmer/Tegelberghaus

Sie hätten über den Winter alles "komplett entkernt" und erneuert. Die Zimmer, die Decken, die Böden, die Elektroinstallation. Warum? "Es war etwas in die Jahre gekommen."

Der "alpine Charakter" soll erhalten bleiben

31 Betten hat das Tegelberghaus. Fahl war es wichtig, dass durch die Sanierung nicht der "alpine Charakter" der Hütte verloren geht. "Es soll nicht wie ein Hotel ausschauen." Urig und gemütlich ist das Ziel. Zum Beispiel mit Altholz-Elementen.

Die Zimmer fürs Übernachten sind ab April  wieder verfügbar. Hier ein erster Einblick in den renovierten Bereich.
Die Zimmer fürs Übernachten sind ab April wieder verfügbar. Hier ein erster Einblick in den renovierten Bereich. © Tegelberghaus

Wie lief seine erste Hütten-Saison ab April 2025? "Super! Wir waren sehr zufrieden. Uns freut es sehr, dass wieder viele Einheimische kommen und wir auf dem Berg wieder einen Treffpunkt für die Sportler schaffen konnten." Sommer wie Winter.

Der Hüttenwirt hat eine besondere Verbindung zur Tegelbergbahn

Fahl hat Koch gelernt, war schon auf anderen Hütten und in einem italienischen Restaurant im Einsatz. Wie kam er auf das Tegelberghaus? Er hat vorher nebenbei noch als Seilbahner bei der Tegelbergbahn gearbeitet. Dadurch kannte er schon die Abläufe und auch, was auf ihn beim Hüttenbetrieb zukommt.

Schon Ludwig II. hat die Aussicht vom Tegelberghaus fasziniert.
Schon Ludwig II. hat die Aussicht vom Tegelberghaus fasziniert. © Michael Helmer/Tegelberghaus

Was sagt er zu den Negativ-Schlagzeilen in der Vergangenheit? Haben ihn diese nicht abgeschreckt? "Überhaupt nicht", sagt er. Er habe es eher als Motivation gesehen, wieder ein "Aushängeschild für Schwangau" zu etablieren.

Klassische Allgäuer Hüttenküche

Das Tegelberghaus steht in direktem Zusammenhang mit den Wittelsbachern. Im Buch "111 Orte Ludwigs II., die man gesehen haben muss" von Rüdiger Liedtke und Jochen Reiss wird die Bedeutung für den Kini aufgeschlüsselt: "Zu den schönsten Erinnerungen des jungen Königs an seine Eltern zählten die Ausflüge in die Berge, vor allem zum auf 1700 Metern gelegenen Tegelberghaus, der Jagdhütte seines Vaters."

Der Ausblick bei Nacht.
Der Ausblick bei Nacht. © Tegelberghaus

Weiter schreiben die Autoren: "Und auch später als König liebte er Wanderungen und Reitausflüge in den Bergen rund ums Tegelberghaus. Das Alpenpanorama mit dem Blick bis nach Tirol, die weite Landschaft mit all den malerischen Seen faszinierte ihn."

Auch auf Info-Seiten Schwangaus heißt es über die Kini-Aufenthalte am Tegelberg: "So hielt sich Ludwig etwa vom 10. bis 16 September 1865 hier auf, um Briefe an Richard Wagner zu schreiben." Auch Dekrete und Dokumente habe er hier verfasst, die dann via Boten nach München gesandt wurden. Die Jagd mochte er im Gegensatz zu seinem Vater dagegen nicht.

Der Hüttenwirt mag die Historie und die Aussicht

An der Hütte schätzt Hüttenwirt Fahl neben dieser historischen Komponente die exponierte Lage in den Bergen. Er beschreibt sie als "traumhaft". Wenn man morgens mit dem Kaffee draußen sitze, biete sich eine "einzigartige Aussicht".

Zu essen gibt es bei ihm Allgäuer Hütten-Klassiker. Kaiserschmarrn, Käsespätzle, Gulasch, Brotzeitplatte, zählt er als Beispiele auf. Er steht als gelernter Koch selbst in der Küche, kümmert sich aber auch um die Dienstpläne, Reparaturen, Instandhaltung und mehr.

Macht es ihm noch Spaß? "Ja, jeden Tag wieder!" Er will die Hütte langfristig betreiben, "auf jeden Fall".

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