Fronleichnams-Gottesdienste statt feierlichen Prozessionen

Fronleichnam in Zeiten von Corona: Keine Prozessionen, aber viel Politisches. Auch die Diskussion um Rassismus fließt in viele Predigten ein.
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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Marx, spricht zu Gottesdienstbesuchern. Foto: Felix Hörhager/dpa/Archivbild
dpa Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Marx, spricht zu Gottesdienstbesuchern. Foto: Felix Hörhager/dpa/Archivbild

München/Würzburg (dpa/lby) - Die traditionellen und farbenprächtigen Fronleichnamsprozessionen sind heuer in Bayern der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Stattdessen feierten die Katholiken im Freistaat mit Sicherheitsabstand auf Plätzen und in Kirchen.

Kardinal Reinhard Marx, der Erzbischof von München und Freising, sagte in seiner Predigt, dass die Einschränkungen infolge der Pandemie auch dabei helfen könnten, den Blick für den Wert von Religion und öffentlichen Glaubensbezeugungen zu schärfen. "Durch das Bekenntnis zur Wirklichkeit Gottes, die sich auch und gerade ausdrückt in einem Kult, in der sakramentalen Feier, in einer heiligen Handlung, wird unser Alltag durchbrochen", sagte Marx am Donnerstag laut Redemanuskript bei der Fronleichnamsfeier im Münchner Liebfrauendom.

In Würzburg empfing Weihbischof Ulrich Boom auf dem Platz vor der Residenz die Gläubigen zur Eucharistiefeier. Pünktlich zu Beginn hatte es aufgehört zu regnen. Die wegen der Corona-Auflagen genehmigten 350 Plätze waren bis auf wenige Ausnahmen besetzt. Boom leitete den Fronleichnamsgottesdienst in Vertretung von Bischof Franz Jung, der wegen eines chirurgischen Eingriffs verhindert war.

Die vergangenen Wochen und Monate hätten gezeigt, dass der Mensch nicht nur vom Brot allein lebe, sagte Weihbischof Boom in seiner Predigt. "Wir spüren, wenn uns menschliche Nähe fehlt, wenn wir isoliert, auf Abstand leben müssen. Wir merken, dass all die Sicherheiten, die wir haben, doch nicht alles sind. Es muss im Leben mehr als all das geben. Ein kleines Virus weist uns in die Grenzen und führt uns die Begrenztheit unserer Möglichkeiten vor Augen."

Das demonstrative Knien bei den aktuellen "Black Lives Matter"-Demonstrationen mache ihn nachdenklich, sagte Boom. "Wer sich vor dem Brot, in dem der Herr gegenwärtig ist, niederkniet, der kniet auch gegen alle Gewalt und Ungerechtigkeit in dieser Welt nieder", sagte der Weihbischof.

Auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer thematisierte den Rassismus. In seiner Predigt beim Pontifikalamt im Hohen Dom zu Regensburg sagte er, dass jede Fronleichnamsprozession auch eine positive Demonstration für die in Jesus Christus geeinte Menschheit sei. Mit Blick auf die aktuellen Ereignisse um den Tod des Afroamerikaners George Floyd sagte Voderholzer: "Mit Recht erheben sich die Stimmen gegen die Benachteiligung von Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe und Herkunft." Jede Form von Rassismus widerspreche der in seiner Gottesebenbildlichkeit gründenden Würde des Menschen.

Die beste Rassismus-Prophylaxe ist laut Voderholzer das Erleben katholischer Weltkirchlichkeit. Die Weltkirche gebe es im Bistum Regensburg bereits zu spüren, wo viele Männer und Frauen etwa aus Afrika oder Indien ihren Dienst tun. Ihnen dankte der Bischof in diesem Zusammenhang besonders herzlich.

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