Freising organisiert ersten CSD: "Kuscheligere Atmosphäre als in München"

Alle schauen beim CSD nach München, aber auch kleinere Städte setzen ein Zeichen für Vielfalt. In diesem Jahr ist erstmals Freising dabei. Das ist bemerkenswert, findet ein katholischer Priester aus München. Was Besucher erwartet.
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In Freising wird es auch bald bunt: Dort soll am 11. Juli 2026 ein erster Christopher Street Day (CSD) stattfinden. Ein Teil des Teams, darunter Lucy Knott (vorne, Zweite von rechts).
In Freising wird es auch bald bunt: Dort soll am 11. Juli 2026 ein erster Christopher Street Day (CSD) stattfinden. Ein Teil des Teams, darunter Lucy Knott (vorne, Zweite von rechts). © privat

Freising setzt ein Zeichen für queere Liebe und Vielfalt: Zum ersten Mal wird in der Domstadt am 11. Juli 2026 ein Christopher Street Day (CSD) zelebriert. Pride-Premiere!

Zwei Wochen nach München soll also auch in der großen Kreisstadt in Oberbayern für Vielfalt demonstriert und gefeiert werden. Der Schritt zu einem weiteren CSD in Bayern fällt in eine Zeit, in der die Queerfeindlichkeit zu wachsen scheint. Das zeigen aktuelle Zahlen.

Der Beratungsstelle Strong! zufolge hat sich die Zahl im Jahr 2025 deutlich erhöht. Insgesamt dokumentierte die Fachstelle landesweit 413 Vorfälle gegen Schwule, Lesben, Trans-Personen und andere Menschen aus der LGBTIQ+-Gemeinschaft (2024: 289). Das reicht von Diskriminierung, Beleidigungen, Bedrohungen bis hin zu sexueller Belästigung und Gewalt.

Über 40 Veranstaltungen in Bayern

Insgesamt sind in diesem Jahr 46 CSD-Veranstaltungen bis Ende September im Freistaat geplant. Von Würzburg (27. Juni) bis Traunstein (25. Juli), von Berchtesgaden (8. August) bis Cham (5. September). Den Anfang hatte Hof Ende Mai gemacht.

Die "Schwuhplattler" ziehen beim Christopher Street Day 2025 durch München.
Die "Schwuhplattler" ziehen beim Christopher Street Day 2025 durch München. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Markus Apel, Vorstandsmitglied des LSVD+ Bayern, teilte Ende Mai mit: "Bayern hat die meisten CSDs in ganz Deutschland. Das ist ein Grund zur Freude und gleichzeitig ein deutliches Signal an die Staatsregierung, queere Menschen endlich wirksam vor Diskriminierung und Gewalt zu schützen."

Kritik an Bayerns Regierung

Er kritisierte in der Mitteilung: "Bayern verfügt bis heute über keinen Aktionsplan gegen Queerfeindlichkeit und investiert weiterhin nicht ausreichend in queere Bildung, Gewaltprävention und Gesundheitsversorgung."

Die stellvertretende Versammlungsleitung in Freising, Lucy Knott (23), sagt der AZ: "Ich finde es wichtig, dass es nicht nur in großen Städten wie München und Berlin einen CSD gibt, sondern auch in kleineren Städten." Aus ihrer Sicht ist Freising "perfekt dafür geeignet". Es gebe zum Beispiel bereits einen Queer-Stammtisch.

Die junge Frau ist überzeugt: "Es braucht Sichtbarkeit für queere Personen, auch in kleineren Städten. Die queer-feindlichen Stimmen werden immer lauter, dagegen müssen wir ein Zeichen setzen."

Sie hat schon andere Demos in kürzerer Zeit gestemmt

Erst seit wenigen Monaten läuft die Planung, die freilich viele Abendstunden schluckt. Technik, Musik, Info-Stände – all das muss organisiert werden. Ehrenamtlich.

Die 23-Jährige sagt aber auch: "Es ist der allererste CSD in Freising und der muss nicht sofort perfekt werden." Die Versammlungsleiter bringen aber schon Demo-Erfahrung mit, wie sie erzählt. "Wir haben die Demo gegen Rechts organisiert, das war eine der größten Demos in Freising mit 4000 Teilnehmenden. Das haben wir innerhalb von fünf Tagen geschafft."

Der Freisinger Dom. Priester Wolfgang Rothe sagt: "Freising ist die Herzkammer des katholischen Bayerns."
Der Freisinger Dom. Priester Wolfgang Rothe sagt: "Freising ist die Herzkammer des katholischen Bayerns." © Christian Schranner/dpa

So viele Menschen werden in Freising erwartet

Beim CSD erwarten sie 500 bis 700 Teilnehmende. Am 11. Juli wird es ab 14 Uhr zunächst eine Kundgebung auf der Luitpold-Anlage geben (dort fand im Mai das Uferlos-Festival statt). Von dort zieht der Demo-Zug in die Innenstadt. Bis 20 Uhr wird das Straßenfest dauern.

Erwarten sie auch Gäste aus München? Knott sagt: "Wir freuen uns, wenn möglichst viele kommen." Im Vergleich zu München wird es freilich überschaubarer, aber damit auch familiärer: "Es wird eine etwas kuscheligere Atmosphäre als in München."

Die erste Ankündigung des neuen CSD hat Knott zufolge in der rechten Ecke für Hasskommentare gesorgt, dazu sagt sie aber: "abwinken". Denn die Online-Kommentare seien keineswegs aus Freising gekommen, sondern aus ganz Deutschland verteilt. Sie sagt deswegen: "Freising ist ein toller Ort, an dem alle Menschen zusammenleben können."

Freisings OB ist Schirmherrin

Die neue Oberbürgermeisterin von Freising, Monika Schwind, teilt der AZ zur CSD-Premiere mit: "Die Stadt Freising steht dieser Veranstaltung sehr positiv gegenüber. Wir begrüßen ausdrücklich alle Initiativen, die Vielfalt sichtbar machen und ein respektvolles, offenes Miteinander fördern." Der erste CSD in Freising sei "ein schöner Anlass, genau diese Werte gemeinsam zu feiern und ein starkes Zeichen für Toleranz und Zusammenhalt zu setzen".

Monika Schwind (Freisinger Mitte) ist seit der Kommunalwahl 2026 die neue Oberbürgermeisterin von Freising.
Monika Schwind (Freisinger Mitte) ist seit der Kommunalwahl 2026 die neue Oberbürgermeisterin von Freising. © Dirk Daniel Mann

Sie habe die Schirmherrschaft übernommen und werde "selbstverständlich" persönlich dabei sein. In Aschaffenburg gab es zum dortigen CSD eine Debatte über Regenbogenflaggen, die Stadt wollte nämlich am Rathaus keine hissen. Es lief letztlich auf einen Kompromiss hinaus.

Wie sieht es in Freising aus? "Die Stadt wird sich klar zum CSD bekennen, unter anderem durch das Hissen von Regenbogenflaggen. Der genaue Ort wird derzeit noch abgestimmt, in jedem Fall wird das Zeichen jedoch gut wahrnehmbar sein."

Zwei CSD-Termine für katholischen Priester aus München

Wer den Termin auf jeden Fall auch wahrnehmen wird, ist der Münchner Priester Wolfgang Rothe. Damit hat der Geistliche heuer schon zwei CSDs im Kalender (mit München). "Mindestens", sagt er der AZ.

Juli 2022: Der katholische Priester Wolfgang Rothe nimmt am CSD in München teil und gibt sich auch klar als Geistlicher zu erkennen.
Juli 2022: Der katholische Priester Wolfgang Rothe nimmt am CSD in München teil und gibt sich auch klar als Geistlicher zu erkennen. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Warum er den Freisinger Ableger unterstützt und besonders findet: "Freising ist die Herzkammer des katholischen Bayerns. Das Erzbistum Freising ist der Sitz der bayerischen Bischofskonferenz und der traditionelle Sitz des Erzbischofs von München und Freising." Dass nun auch hier für queere Rechte auf die Straße gegangen wird, wertet er als "besonderes Signal".

"Eine schleichende Verschlechterung"

"München ist wichtig, aber dort ist queeres Leben weitgehend unbestritten." Er spricht sich dafür aus, "dass man als queerer Mensch auch auf dem Land in Frieden und Freiheit leben kann". Rothe wird teilnehmen und auch eine Ansprache halten. Das Besondere dabei: Er zeigt offen mit seinem Kollar, dass er ein Priester ist.

Auch er nimmt eine angespanntere Stimmung wahr. "In den letzten Jahren ist eine schleichende Verschlechterung, wenn nicht sogar ein Stimmungsumschwung zu spüren. Erst war es in Sozialen Netzwerken spürbar, nach und nach auch auf der Straße." Er selbst habe im echten Leben noch keine solchen Erfahrungen machen müssen, aber Betroffene berichteten ihm davon.

Was folgt nach der Premiere in Freising? Organisatorin Knott sagt: "Wir haben alle Lust drauf, das weiterzuführen. Ich denke, man kann sich auf viele CSDs in Freising freuen." Den dazugehörigen Verein haben sie Mitte Mai schon gegründet.

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  • muc6 vor 20 Minuten / Bewertung:

    Hoffentlich fährt Herr Rothe nicht mit Ministranten ins Zeltlager.

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  • Futurana vor 2 Stunden / Bewertung:

    Bravo Freising! Wünsche gutes Gelingen.

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