Foto von Schweine-Comic auf Tiertransporter sorgt für Entrüstung

Ein Comic mit zwei Schweinchen im Liegestuhl  - zu sehen auf dem Slogan eines Lastwagens für Tiertransporte - hat bei Facebook einen Shitstorm ausgelöst.  
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Das Foto der Tierrechtlerin sorgte für Diskussionen.
Monika Wölk (der Name auf dem Slogan wurde von der Redaktion unkenntlich gemacht). Das Foto der Tierrechtlerin sorgte für Diskussionen.

Ein Comic mit zwei Schweinchen im Liegestuhl  - zu sehen auf dem Slogan eines Lastwagens für Tiertransporte - hat bei Facebook einen Shitstorm ausgelöst. 

Für den einen ist es eine nette Zeichnung, für den anderen blanker Hohn: der Slogan eines Tiertransporters, der nun eine Diskussion um die Grenzen des guten Geschmacks, die bis zu Drohungen reicht, entfacht hat. Am Ende bleiben zwei Parteien, die sich unfair behandelt fühlen. Was ist passiert?

Entstanden ist das Bild, um das sich alles dreht, vor wenigen Wochen auf der A9 in Oberbayern. Gemacht hat es Tierrechtlerin Monika Wölk. Sie fährt hinter einem Tiertransporter her - und sieht freilich sein Logo: Zwei Comic-Schweinchen auf Liegestühlen, eins hält ein Sektglas in der Hand, sie lächeln, das Bild vermittelt Urlaubs-Atmosphäre. Darunter der Schriftzug "Wir reisen gut… mit". Es folgt der Name des oberbayerischen Viehtransport-Unternehmers. Auf allen drei Fahrzeugen, die für die Firma unterwegs sind, ist dieser Slogan zu sehen.

Darf Werbung einen Tiertransport so verharmlosen? Die Tierrechtlerin Wölk kocht innerlich: "Ich wusste, der kommt von München, hat die Schweine gerade ausgeladen oder er holt gerade neue Schweine. Und dazu dieses Bild. Das ist ein Tiertransporter, auf dem es für die Tiere zur Schlachtung oder zur Mast geht und die machen sich witzig darüber. Ich fand das einfach abartig."

Foto auf Facebook wurde vielfach kommentiert

Der nächste Stau ist für Wölk die Gelegenheit, mit dem Smartphone ein Bild zu knipsen. Sie lädt es auf Facebook hoch, tippt ein paar wutrote Smileys dazu. Das Foto wird vielfach kommentiert: Was unter dem Post passiert, überrascht selbst die Tierrechtlerin: "Es kamen sehr verschiedene Reaktionen. Bei einigen Posts war deutlich zu erkennen, dass sie aus Richtung der Fleischlobby kamen. Wir seien Pseudo-Tierschützer und hätten wohl keine Beschäftigung. Aber die meisten Leute sind total ausgeflippt, weil sie diese Verhöhnung von Tieren, die eh schon gelitten haben, inakzeptabel fanden." 

Und was sagt der Transportunternehmer dazu? Von den negativen Reaktionen auf sein Firmenlogo war Hermann S. überrascht: "Mir hat die Zeichnung einfach gefallen. Ein Firmenlogo braucht man ja und wir sind mit unseren Lkw tatsächlich auf dem neuesten Stand der Technik."

Die Empörung, die sich unter dem Post anflutete, sei natürlich gewissermaßen gewollt gewesen, sagt Wölk: "Ich setze mich immer für die Schwächeren ein. Ich hasse Ungerechtigkeit." Sie engagiert sich beispielsweise bei der Wildvogelhilfe Bayern.

Ihr Stau-Schnappschuss entwickelt ein Eigenleben: Das wird Wölk erst klar, als zwei Tage später das Telefon klingelt - die Polizei ist dran. "Ich dachte zuerst, es ginge um einen Einsatz, also um ein verletztes Tier", sagt sie. "Der Beamte hat mir dann aber nahegelegt, dass ich das Bild mit dem Lkw entfernen soll, weil der Unternehmer sich von den Reaktionen bedroht fühlt." Die Polizei bestätigt der AZ, Hermann S. hatte Anzeige erstattet. Er fühlte sich von den Kommentaren persönlich beleidigt, seine Firma verunglimpft. Kommentatoren hätten Vergleiche zur Nazi-Zeit gezogen.

Anzeige bei der Polizei wegen Facebook-Kommentar 

Nun prüft die Staatsanwaltschaft, ob ermittelt wird. Der Chef der Schrobenhausener Polizei, Klaus Rewitzer, erklärt: "Es war ein Ratschlag, eine Bitte an die Frau Wölk." Die Anzeige von Herrn S. richte sich auch nicht gegen sie, "sondern gegen jemanden, der unter dem Post einen Kommentar geschrieben hat". Die Staatsanwaltschaft prüfe nun, ob gegen diese Person ermittelt werden soll. Als erste Maßnahme sollte der Facebook-Beitrag verschwinden, weil die Hetze immer weiter eskaliert sei. "Das meiste befand sich - wie so vieles in den sozialen Medien - irgendwo an der Grenze des Strafbaren", sagt Rewitzer.

Wölk ändert daraufhin die Privatsphäre-Einstellungen und stellt den Post auf "nur für Freunde sichtbar": "Wenn unter meinem Post so etwas wie Morddrohungen geschrieben werden, greife ich schon ein. Wenn allerdings nun jemand meinen Post nimmt und in irgendwelchen geschlossenen Gruppen postet, dann hab ich da natürlich keinen Einfluss drauf." 

Rewitzer sagt: "Frau Wölk hat definitiv nichts strafrechtlich Relevantes gemacht." Ein solcher Post sei vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Es sei eher eine Stilfrage: "Ich hätt’s so nicht gemacht."

Eine Stilfrage ist es auch, an der sich die Debatte im Netz entzündet hatte - sollte für Tiertransporte auf diese Art geworben werden? Wölk findet diese Diskussion wichtig: "Ich lass mir das auch nicht verbieten. Der Post wird auf jeden Fall irgendwann wieder öffentlich gemacht." AZ-Recherchen zufolge ist er das bereits wieder.

Über den Vorfall berichtet hatte zunächst unser Kooperationspartner idowa.de

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