Forscher lüften Geheimnis um Bachforellen-Sterben

Zehn Jahre lang haben Forscher gerätselt, warum so viele Fische in Bächen und Flüssen verendet sind. Jetzt gibt es eine Erklärung – beruhigend ist sie nicht.
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Jens-Eike Täubert untersucht im Lehrstuhl für Zoologie an der TU München eine Forelle. Foto: TUM/Archiv
dpa Jens-Eike Täubert untersucht im Lehrstuhl für Zoologie an der TU München eine Forelle. Foto: TUM/Archiv

München - Münchner Forscher haben das Rätsel um ein massenhaftes Sterben von Bachforellen in alpinen Gewässern Süddeutschlands, Österreichs und der Schweiz gelöst. Die Wissenschaftler entdeckten ein bisher unbekanntes Virus, wie die Technische Universität München (TUM) gestern mitteilte. Die Studie war bereits im Fachblatt "PLOS One" veröffentlicht worden.

Bei der Krankheit, die die Fische befallen hat, färbt sich binnen weniger Tage die Haut der Tiere dunkel und sie gehen zugrunde. "Es gibt drei Phasen. Anfangs werden die Tiere matt, dann immer schwächer, bis sie an Organversagen sterben. Der Prozess dauert einige Tage", sagt Dr. Andreas Battenberg, Pressesprecher des Bereichs Chemie und Physik von der TU. Betroffen waren stets dieselben Abschnitte in Flüssen und Bächen – und immer nur Bachforellen, die nach lateinischer Artbezeichnung Salmo trutta fario heißen.

Im Bayerischen Wald aber, wo es auch viele Fische dieser Art gibt, sei kein einziger Fall bekannt, sagt Maximilian Mayer von der Fischereifachberatung des Bezirks Niederbayern der AZ. Die Münchner Forscher hatten jahrelang nach der Ursache gesucht. "Es waren zehn Jahre Detektivarbeit", sagt der Zoologe und Leiter des interdisziplinären Forscherteams, Ralph Kühn. "Am Anfang war nicht klar, ob es sich um ein Bakterium, ein Virus, einen Parasiten oder ein Umweltgift handelt. Es war eine Suche der Nadel im Heuhaufen."

Wie sind die Zoologen der Krankheit auf die Spur gekommen? Sie legten zwei Versuchsstationen mit Aquarien an der Iller im Allgäu an und konnten schließlich mit modernsten genetischen Methoden das Virus identifizieren und sein Genom entschlüsseln. Jetzt gehe es darum, herauszufinden, woher der Krankheitserreger kam. Die Wissenschaftler vermuten, dass der globale Handel zur Verbreitung beigetragen haben könnte.

"Jetzt können wir in den nächsten Schritt der Forschung einsteigen: Woher kommt das Pathogen und warum haben wir es in bestimmten Flüssen im alpinen Bereich?" Es ist bisher nur einmal woanders entdeckt worden: 2016 in der Isar bei München. In Norwegen, Kanada und Südamerika seien vor Kurzem und fast zeitgleich ähnliche Viren entdeckt worden – bei Lachsen als verwandter Gruppe. Lachse würden als Speisefisch weltweit transportiert. "Da muss man sich in Zukunft Gedanken machen: Was bedeutet das?", sagt Kühn. Es muss also weitergeforscht werden, um zu wissen, ob sich das Virus auf andere Tiere überträgt und für den Menschen eine Gefahr bestehen könnte.

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