Feierliche Wiedereröffnung am Sonntag: Historische bayerische Kirche wurde aufwendig renoviert

Die Bad Tölzer bezeichnen ihn gern als den schönsten Balkon im Oberland. Gemeint ist der Kalvarienberg, von dem aus man einen herrlichen Blick ins Isartal und aufs Karwendelgebirge genießt.
Am 22. Februar wird dort die barocke Stiegenkirche nach drei Jahren Sanierungszeit wieder geöffnet. Die AZ warf beim Presserundgang vorab einen Blick in diesen Teil der Kirche.
Die barocke Doppelkirche erkennt man schon von Weitem an ihren beiden schlanken Türmen ("Krone von Tölz"). Sie gilt als Prunkstück des Ensembles auf dem Kalvarienberg und ist damit Teil einer der größten und bedeutendsten Anlagen dieser Art in Süddeutschland, wie das Erzbistum München informiert.
Heilige Stiege in Bad Tölz über Bayern hinaus berühmt
Denn zur Anlage auf dem Kalvarienberg, die einen ganzen Bergrücken oberhalb der Stadt einnimmt, gehören – neben einem Ölberg, einem Kreuzweg sowie einer szenischen Kreuzannagelungskapelle – insgesamt drei Kirchen: die kleinere Leonhardikapelle und die von 1711 bis 1735 errichtete Doppelkirche, bestehend aus der Heilig-Kreuz-Kirche und der Stiegenkirche, die eine Nachbildung der Heiligen Treppe (Scala Santa) in Rom beherbergt.
Rechts und links auf dem Treppengeländer befinden sich acht Engel, die die Leidenswerkzeuge Jesu tragen; das Deckengemälde über der Stiege zeigt die Auferstehung Christi, rechts und links vom Altar am oberen Ende der Treppe befinden sich jeweils Bildtafeln, die Szenen aus den biblischen Erzählungen von der Verurteilung Jesu zum Tod zeigen.
In den Jahren 2003 bis 2005 gab es bereits Arbeiten an Statik, Dach und Fassade der Kirche. Was stand hingegen bei den jüngsten Renovierungsarbeiten im Fokus?
Der Innenraum, die Stiege und die Ausstattung der Stiegenkirche seien während der vergangenen drei Jahre durch zahlreiche hoch spezialisierte und teils ortsansässige Handwerksbetriebe – angeleitet durch das Ressort Bauwesen und Kunst im Erzbischöflichen Ordinariat München – restauriert worden.

Finanziert worden seien die Restaurierungsarbeiten "in Höhe von voraussichtlich 2,5 Millionen Euro" anteilig durch das Erzbischöfliche Ordinariat München und die Kirchenstiftung Heilig Kreuz, heißt es laut Mitteilung. Die Kirchenstiftung habe außerdem aus eigenen Mitteln mit einem Zuschuss der Erzdiözese im östlichen Teil der Kirche einen neuen Kerzenandachtsraum einrichten lassen.
Während der Sanierung wurden rund 100 Figuren, Gemälde, Krippenkästen und Miniaturszenen wieder an ihren ursprünglichen Ort zurückversetzt. "Besonders bemerkenswert sind unter anderem die kleinteiligen Krippenkästen aus dem 18. Jahrhundert, die winzige, detailliert gearbeitete Miniaturszenen aus der Bibel zeigen", so eine Sprecherin beim Erzbischöflichen Ordinariat München und Freising zur AZ.
Die Sammlung auf dem Kalvarienberg
Die Sammlung auf dem Kalvarienberg gehe größtenteils auf die Stiftung Friedrich Nockhers (1669 - 1754) zurück, der auch die dortige "Heilige Stiege" habe anfertigen lassen – und der aus derselben Handels- und Patrizierfamilie aus Matrei in Tirol stamme wie der Münchner Teil der Familie, nach deren Stammsitz der Nockherberg benannt sei, so das Erzbischöfliche Ordinariat München.
Der Blick beim Rundgang durch die knapp 300 Jahre alte Kirche richtet sich vor allem auf die imposante Treppe, die ebenfalls in neuem Glanz erstrahlt. "Im Gegensatz zu ihrem marmornen Vorbild aus Rom ist die Heilige Stiege in Bad Tölz aus Mittenwalder Sandstein gefertigt", betont die Sprecherin beim Erzbischöflichen Ordinariat München und Freising auf Nachfrage der AZ.
Heilige Stiege aus Sandstein
Die aus dem Sandstein bestehende Heilige Stiege sei nun "entsalzt, ergänzt und gefestigt" worden, berichtet sie mit Blick auf die erfolgten Arbeiten.
Sie nennt weitere Beispiele: Hölzerne Elemente wie das Gestühl, Balustraden, die Empore, Türen und Schränke seien gereinigt, "ertüchtigt" und in ihren historischen Zustand zurückversetzt worden. Wand- und Tafelgemälde seien "gereinigt, stabilisiert und retuschiert" worden. Auch von restauratorischen Arbeiten an der Raumschale und am Deckengemälde ist die Rede.
Auch das Deckenbild ist restauriert worden, berichtet Hans Rohrmann von der Hauptabteilung Kunst im Erzbischöflichen Ordinariat. Denn "beim Deckenbild gab es viele Risse"; die Malschicht habe sich teilweise vom Bildträger abgelöst.

Pfarrer Peter Demmelmair, Leiter des Pfarrverbandes Bad Tölz, sagte beim Rundgang durch die Stiegenkirche, dass er sich sehr freue, "dass dieses Kleinod in neuem Glanz erstrahlt".
Die Kirche habe eine große Bedeutung für den ganzen Isarwinkel. Sie sei eine Wallfahrtskirche, aber auch wichtig für die persönliche Spiritualität. Auf der Heiligen Stiege würden am Karfreitag viele Gläubige auf den Knien betend die 28 Stufen hinauf nehmen.