Facebook überführt Raser

Wer arglos Fotos von sich ins Netz stellt, tut der Staatsgewalt einen Gefallen. Denn die Polizei fahndet jetzt auch in sozialen Netzwerken nach Verkehrssündern.
| Johanna Jauernig
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Ist die Polizei nicht selbst bei der
Radar-Kontrolle, muss sie den
Raser erst ermitteln. Notfalls auch bei Facebook.
AZ Montage ddp/dpa Ist die Polizei nicht selbst bei der Radar-Kontrolle, muss sie den Raser erst ermitteln. Notfalls auch bei Facebook.

Wer arglos Fotos von sich ins Netz stellt, tut der Staatsgewalt einen Gefallen. Denn die Polizei fahndet jetzt auch in sozialen Netzwerken nach Verkehrssündern.

Aschaffenburg - Glasklar. Der Mann auf dem Facebook-Foto und der Autobahn-Drängler – ein und dieselbe Person. Eindeutig – er ist es, der Drängler aus Aschaffenburg. Macht120 Euro Strafe und zwei Punkte in Flensburg. Der Mann widerspricht gar nicht – die Polizei hat ihn ertappt. Mit nur ein paar Klicks. Raser-Suche auf Facebook – der Anwalt des Dränglers, Frank Häcker, ist sich sicher, dass künftig noch mehr Verkehrssünder mit dieser Methode geschnappt werden.

Rund 7,6 Millionen Deutsche sind derzeit Mitglied bei Facebook. Dass der Drang mancher zur multimedialen Selbstdarstellung seine Schattenseiten hat, ist längst bekannt: Viele potenzielle Arbeitgeber scannen das Netz auf der Suche nach peinlichen Party-Fotos oder der Zugehörigkeit zu dubiosen Gruppen („Scheiß auf die EU“). Jetzt hat auch die Polizei den Daten-Selbstbedienungsladen für sich entdeckt. Im Fall des Aschaffenburgers war der Fahrer mit einem Firmenwagen unterwegs.

Zwar gab der Arbeitgeber an, an wen das Auto ausgegeben wurde – doch das reichte nicht, um den Verkehrssünder dingfest zu machen. „Ist die Polizei nicht vor Ort, muss sie in so einem Fall den Fahrer selbst ermitteln“, so Frank Häcker. Dazu reichte einem findigen Polizeibeamten nur ein Maus-Klick. Er gab den Namen des Angestellten bei Facebook ein – und landete einen Volltreffer. Das Bild des Radargeräts und das Facebook-Profilbild zeigten den Gleichen. „Das ist mir so zum ersten Mal begegnet, dass die Polizei einen Fahrer über Facebook ermittelt“, sagt Häcker, der auch Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht ist.

Bei der Polizei in Unterfranken ist das Routine. Dort ermittelt man immer öfter über Facebook – geht ja auch viel schneller als beim umständlichen Weg über Meldebehörden. So könne man auch das Umfeld des Fahrzeughalters ermitteln, wenn der nicht selbst am Steuer saß, heißt es bei der Polizei in Würzburg.

In München wird die Facebook-Recherche nicht systematisch angewandt – noch nicht. Eine neue Arbeitsgruppe prüft aber bereits die Ermittlungsmöglichkeiten von Freundschaftsplattformen – für alle möglichen Verbrechen.


 

Unsichtbar bei Facebook - so geht's

So stellen Sie sicher, dass sich kein Außenstehender Ihre Fotos auf Facebook ansehen kann:

- Ganz rechts in der blauen Leiste beim Reiter „Konto” die „Privatsphäre-Einstellungen” auswählen

- Unten links auf das Feld „Anwendungen und Webseiten” gehen, dann auf „Bearbeiten”

- Ans Ende scrollen bis zur Zeile „Öffentliche Suche” und auf „Einstellungen bearbeiten” gehen

- Dort das Häkchen bei „Öffentliche Suche aktivieren” entfernen – so zeigen Suchmaschinen Ihr Profil nicht mehr an. Wegen des Zwischenspeichers der Suchmaschinen ist das Profil aber noch einige Zeit im Netz sichtbar.

- Für Facebook-Mitglieder gelten andere Sicherheitseinstellungen: In den „Privatsphäre-Einstellungen” ganz oben auf „Facebook vernetzen” gehen

- Einstellungen anzeigen und dort im ersten Feld „Nach dir auf Facebook suchen” das Feld „Nur Freunde” auswählen.

- Foto-Markierungen: Viele Freunde beschriften ihre Fotos mit den Namen der Abgebildeten. Hier sollte man umgehend den Namens-Tag entfernen.

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