Es droht ein Eklat zwischen Stadtrat und Feuerwehr

Nach dem schweren Zugunglück von Bad Aibling droht ein schwerer Eklat zwischen Stadtrat und Feuerwehr. 
| Verena Lehner
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Einsatzkräfte der Bad Aiblinger Feuerwehr stehen vor einem der Zugwracks.
dpa Einsatzkräfte der Bad Aiblinger Feuerwehr stehen vor einem der Zugwracks.

Gut zwei Wochen sind vergangen, seit bei Bad Aibling zwei Züge ineinander gerast sind. Die Bilder dieser Katastrophe, bei der elf Menschen starben, sind nur schwer aus dem Kopf zu bekommen. Vor allem für die Rettungskräfte und Feuerwehrleute vor Ort, die bei dieser Katastrophe im Einsatz waren. Auch die Mitglieder der Bad Aiblinger Feuerwehr kämpfen damit, die Ereignisse zu verarbeiten. Und als ob das nicht schon schwer genug wäre, droht es jetzt auch noch zu einem Zerwürfnis mit dem Stadtrat zu kommen. „Und das ist eigentlich das Letzte, was wir gerade brauchen können“, sagt Wolfram Höfler, der Kommandant der Bad Aiblinger Feuerwehr.

Der Hintergrund: Ein anonymer Internet-Nutzer hat am zweiten Tag nach dem schrecklichen Unglück unter den Artikel einer Online-Nachrichtenplattform einen Kommentar geschrieben, in dem er beklagt, dass die Einsatzkräfte der Feuerwehr zu wenig Unterstützung seitens des Stadtrates bekommen hätten. Wörtlich schreibt er unter anderem: „Der Rückhalt gegenüber den Einsatzkräften war und ist auch dieses Mal wie immer nicht da! Kein Lob! Keine Verbundenheit! Kein Respekt! Keine Anerkennung!“ Diese Zeilen sorgen jetzt für mächtig Ärger.

Der Bad Aiblinger Stadtrat fühlt sich dadurch nämlich beleidigt und verdächtigt Feuerwehr-Kommandant Höfler, den anonymen Kommentar verfasst zu haben. Der Bürgermeister hat deshalb Höfler dazu aufgefordert, sich in einer Stellungnahme von dem Kommentar zu distanzieren und sich zu entschuldigen. Tut er das nicht, sollten sich im Umkehrschluss die Feuerwehrleute von ihrem Kommandanten distanzieren.

Der Bürgermeister will sich zu der Sache nicht äußern

Wolfram Höfler ist darüber mehr als sauer. In einem Telefonat mit der AZ macht er seinem Ärger Luft: „Dieser Kommentar stammt nicht von mir und ich werde mich nicht für etwas entschuldigen, das ich nicht geschrieben habe. Wenn ich einen Kommentar verfasse, dann stehe ich dazu und schreibe meinen Namen darunter.“ Höfler ist allerdings ehrlich und sagt ganz klar: „Das, was der Internetnutzer geschrieben hat, kann ich inhaltlich unterschreiben.“ Während des gesamten Einsatzes hätten sie soviel Zuspruch seitens der Bürger und der Politik bekommen, nur vom Stadtrat selbst habe sich niemand blicken lassen. „Ilse Aigner und Horst Seehofer haben bei uns in der Wache vorbeigeschaut und gefragt, wie es uns geht. Von unserem eigenen Stadtrat kein einziger.“

Dass der Stadtrat jetzt um diesen Kommentar einen solchen Wirbel macht, stößt bei der Feuerwehr auf Unverständnis. „Meinen Leuten gehen da jetzt ein bisschen die Sicherungen durch, weil die Nerven nach den vergangenen Wochen blank liegen. Wir hatten keine Pause, fahren weiter Einsätze, die Hälfte meiner Leute wird noch psychologisch betreut. Und dann sowas.“ Höfler erzählt noch von vielen anderen Begebenheiten in der Vergangenheit, bei denen es Reibereien mit der Stadt gegeben hat. Alles in allem werde der Feuerwehr und ihrer Arbeit zu wenig Respekt entgegengebracht, so Höfler. Die Feuerwehr hat deshalb dem Stadtrat ein Ultimatum gestellt.

Sollte der sich bis heute Abend um 18 Uhr nicht eindeutig hinter seine Feuerwehr gestellt und die Sache aus der Welt geschafft haben, dann wird die ihren Dienst verweigern und sich als „nicht einsatzklar“ abmelden. Wenn’s dann in Bad Aibling brennt, muss die benachbarte Feuerwehr anrücken. Der Bad Aiblinger Bürgermeister Felix Schwaller ist gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Sekretärin im Vorzimmer teilt lediglich mit, dass sich der Bürgermeister nicht zu der Sache äußern wird, sondern dass es am Donnerstagabend im Stadtrat eine Resolution zu dieser Angelegenheit geben werde. Höfler wartet gespannt, wie das Ganze heute Abend ausgeht. „Wir wollen kein Lob, wir wollen einfach nur Respekt für unsere Arbeit.“

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