Wie lange dauert die nächste Hitzewelle? Vorhersagen sind sich uneinig

Das Wetter in Deutschland wird wieder heiß. Die nächste Hitzewelle rollt an. Doch wie lange dauert sie? Und knacken die Temperaturen wieder die 40-Grad-Marke? Was aktuelle Prognosen sagen.
von  Christian Weihrauch
Ein Hund kühlt sich ab: Die nächste Hitzewelle kommt und bringt Tropennächte.
Ein Hund kühlt sich ab: Die nächste Hitzewelle kommt und bringt Tropennächte. © Jun Hyosang

Heiße Tage, tropische Nächte und kaum Abkühlung: Die nächste Hitzewelle steht unmittelbar bevor. Nach der langen Hitzewelle im Juni mit dem neuen Temperaturrekord von 41,7 Grad konnten die Menschen kurz durchatmen. Doch das ist jetzt vorbei. Die Temperaturen schießen in den kommenden Tagen in die Höhe – und bleiben dort auch. Diplom-Meteorologe Dominik Jung ordnet für die AZ die aktuellen Prognosen ein: Wie lange wird die Hitzewelle dauern? Fällt die 40-Grad-Marke und warum ist in München die nächtliche Belastung deutlich höher als im Umland?

Schon in den vergangenen, eher wechselhaften Wochen deutete sich in den Prognosen die nächste Hitzewelle an. Jetzt steht ihr Beginn mit ziemlicher Sicherheit fest: Direkt nach dem Ende des sogenannten Siebenschläfer-Zeitraums (27. Juni bis 10. Juli) klettern die Temperaturen wieder in die Höhe. Ein Azorenhoch dehnt sich zum Wochenende hin nach Mitteleuropa aus und drängt das Skandinavientief nach Osten ab. Damit wird die Luftmasse von Südwesten her gegen eine deutlich wärmere Luftmasse ausgetauscht.

Wann beginnt die Hitzewelle? Schon am Samstag geht es los

In den ersten Regionen Deutschlands beginnt die Hitzewelle also schon am Samstag. Das betrifft vor allem den Westen und Südwesten des Landes. Die Temperaturen klettern südlich einer Linie Köln – Bayerischer Wald auf 28 bis 32 Grad, am Oberrhein sind sogar 34 Grad denkbar. "Regional sind schon in dieser Phase Werte um 37 Grad und damit einzelne Wüstentage (ab 35 Grad) möglich", sagt Jung.

Die Menschen in München und dem Umland haben zunächst einmal Glück: Sie können länger durchatmen. Die aktuellen Wettervorhersagen rechnen mit dem eigentlichen Hitzeanstieg dort erst am Sonntag oder Montag.

Bringt die Hitzewelle mehr als 40 Grad? Was aktuelle Prognosen sagen

Der Höhepunkt der Hitzewelle liegt nach aktuellen Prognosen im Zeitraum vom 14. bis 18. Juli. In dieser Zeit ist die Belastung für die Menschen am höchsten. Tagsüber werden verbreitet Hitzetage (ab 30 Grad), im Süden und Südwesten sogar Wüstentage erwartet. Nachts bringt die Hitzewelle vor allem in den Ballungsgebieten Tropennächte. Dabei liegen die Tiefstwerte über 20 Grad und es kühlt nicht spürbar ab.

Wird es wieder 40 Grad warm? Aktuell ist dieses Szenario eher unwahrscheinlich.
Wird es wieder 40 Grad warm? Aktuell ist dieses Szenario eher unwahrscheinlich. © Carsten Koall

Knacken die Temperaturen dabei wieder die 40-Grad-Marke? "Ein zweiter Anlauf auf die 40-Grad-Marke oder gar auf den Ende Juni aufgestellten Allzeitrekord ist nach den aktuellen Hauptläufen nicht das wahrscheinlichste Szenario. Dafür fehlt bislang die stabile Omega-Konstellation. Die Größenordnung, über die wir reden, liegt bei Spitzenwerten im Bereich 35 bis 38 Grad – lokal etwas mehr", ordnet Jung ein.

Hitzewelle in Deutschland: Was in München und dem Umland anders ist

In München und dem Umland verläuft die Hitzewelle etwas moderater. "Die höchsten Werte werden im Oberrheingraben erreicht. München liegt auf etwa 520 Metern und profitiert zusätzlich vom Alpeneinfluss. Die realistische Spanne für den Höhepunkt liegt bei 32 bis 35 Grad, während es am Oberrhein 36 bis 38 Grad werden können. Das ist kein Trostpflaster, aber ein messbarer Unterschied", fasst Jung zusammen.

Gleichzeitig kommt es am Alpenrand und im südbayerischen Voralpenland immer wieder zu Hitzegewittern, die lokal sogar unwetterartig ausfallen können. "Das ist ein Wesenszug jeder Hitzephase in Südbayern und ein klarer Unterschied zum Westen", so Jung.

Tropennächte: "Belastung ist in München dramatisch höher als im Umland"

Gerade die Tropennächte können in München ein Problem werden. "Die nächtliche Belastung ist in München dramatisch höher als im Umland", betont Jung. Der Deutsche Wetterdienst hat während der letzten Hitzewelle am 21. Juni die Nachttemperaturen in der Stadt und dem Umland gemessen. Das Ergebnis: ein Temperaturunterschied von 6 Grad. Während es in München mit 21,5 Grad eine Tropennacht gab, kühlte es im Umland ab.

"Die Ursachen sind Versiegelung, Wärmespeicherung, fehlende Verdunstung und anthropogene Wärmequellen. Für die gesundheitliche Belastung ist genau das entscheidend: Nicht der Tageshöchstwert bringt den Kreislauf an die Grenze, sondern die ausbleibende nächtliche Erholung. Wer im Münchner Umland wohnt, erlebt dieselbe Hitzewelle spürbar anders als jemand in der Innenstadt", sagt Jung.

Ein Mann kühlt sich ab: Wie lange dauert die Hitzewelle dieses Mal?
Ein Mann kühlt sich ab: Wie lange dauert die Hitzewelle dieses Mal? © Virginia Mayo

Wie lange dauert die Hitzewelle? Wettermodelle sind sich uneinig

Doch wie lange dauert die Hitzewelle? Die langfristigen Wettermodelle sind sich aktuell nicht einig. Die meisten Menschen werden hoffen, dass die Vorhersage des europäischen Wettermodells eintrifft. Diese sieht das Ende der Hitzewelle etwa am 21. und 22. Juli. "Ein Skandinavientief beendet demnach die Hitzewelle mit einem markanten Temperatursturz – im Extrem bis zu 19 Grad innerhalb weniger Tage", erklärt Jung. Dabei kommt es zu kräftigen, teils unwetterartigen Gewittern. Das amerikanische Wettermodell prognostiziert eine längere Hitzewelle bis in die letzte Monatsdekade hinein.

"Zusammengefasst gibt es eine Hitzephase von rund acht bis zwölf Tagen, mit stark zunehmender Prognoseunsicherheit ab dem 18. Juli. Vor dem 15. Juli lässt sich das Ende der Welle seriös nicht datieren", ordnet Jung die aktuellen Modelle ein.

Bei der Prognose für die Länge der Hitzewelle handelt es sich um erste Trends, keine Tagesprognosen. Die Vorhersagen können sich noch ändern. Je näher das Datum rückt, desto genauer werden die Prognosen.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.