Der Kampf um gute Azubis in Bayern: Bewerber werden immer schlechter
In Deutschland und Bayern fehlt es an Fachkräften. Die Lösung? Das benötigte Personal selbst ausbilden. Klingt einfach, ist es aber nicht: In der ganzen Branche mangelt es an Bewerbern.
Die Folge: Die bayerische Metall- und Elektroindustrie verzeichnet für 2025 einen deutlichen Rückgang der Ausbildungsverträge um knapp elf Prozent, wie aus einer am Donnerstag vorgestellten Umfrage der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm hervorgeht.
Von den Betrieben, die davon betroffen sind, nannte mit 49 Prozent die Mehrheit das Fehlen geeigneter Bewerber als stärkste Ursache für den Rückgang. 48 Prozent beklagten, dass zu wenige Bewerbungen insgesamt eingingen.
Gute Bewerber sind von den Firmen hart umkämpft
Von diesen Problemen berichtet auch die Firma Hecht Technologie mit Sitz in Pfaffenhofen an der Ilm. Das Unternehmen ist auf die Planung und den Bau von Maschinen für Schüttguthandling spezialisiert. Das heißt, sie kümmern sich unter anderem um den Transport von Materialien, die sich nicht einfach in Kartons packen lassen – und suchen dafür neue Mitarbeiter.
Hecht-Personalchefin Jessica Heilmeier sagt der AZ: "Die Anzahl der Bewerbungen ist rückläufig und die Auswahl ist so ein Stück weit begrenzter." Das erhöht den Wettbewerb zwischen den Unternehmen aus der Region um die besonders starken Bewerber, von denen es immer weniger gibt. "Die guten Schüler haben tendenziell mehrere Angebote vorliegen", sagt Heilmeier.

Die Gründe für diese Entwicklung seien vielschichtig: "Was sicherlich mit reinspielt, ist der demografische Wandel, aber auch das Thema, dass die jungen Leute zum Studium tendieren." Die Zahl der Auszubildenden befindet sich laut dem Statistischen Bundesamt seit 2002 in einem Abwärtstrend (minus 25 Prozent), die Anzahl der Studierenden kletterte im selben Zeitraum hingegen nach oben (plus 48 Prozent). Auf einen Azubi kommen inzwischen rund 2,3 Studierende.
Um die Ausbildungsstellen trotzdem zu besetzen, baut die Firma Hecht Technologie viel auf Ausbildungsmarketing: "Wir sind stark auf Messen vertreten, weil es wichtig ist, Präsenz zu zeigen, und wir bieten in den unterschiedlichsten Bereichen Praktikumsplätze an", sagt Heilmeier. Viele der Schüler, die ein Praktikum absolvieren, bewerben sich am Ende auch.
94 Prozent der von den Metall- und Elektroarbeitgebern befragten Unternehmen wollen deshalb ihr Praktikumsangebot auch in diesem Jahr stabil halten.
BMW: "Entscheidungen werden heute bewusster getroffen"
Für die Azubis spielt bei der Wahl der Firma wiederum eine große Rolle, wie der Umgang unter den Kollegen ist. Die Auszubildende Miriam Pfeiffer sagt etwa: "Ich habe von Bekannten viel Gutes gehört über die relativ flachen Hierarchien und dass man mit den Kollegen gut zusammenarbeiten kann."
Geschäftsführer Markus Behringer merkt an den Bewerbern zudem, dass sie sich mehr Gedanken über ihre beruflichen Perspektiven als frühere Generationen machen würden. "Wichtig für sie ist, dass die Firma wenig Fluktuation hat, man lange dort arbeiten kann und das Geschäft gut läuft."

Auch ein Großkonzern wie BMW beobachtet, dass sich das Bewerbungsverhalten junger Menschen verändert: "Entscheidungen werden heute bewusster und häufig später getroffen", teilt das Unternehmen auf AZ-Anfrage mit.
Dieser Matching-Prozess – also dass zueinander passende Azubis und Unternehmen sich finden – bleibt laut Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der bayme vbm, eine große Herausforderung auf dem Ausbildungsmarkt.
Wenn es aber zu einer Ausbildung kommt, stehen die Chancen gut, dass die Hoffnung auf Jobsicherheit eingelöst wird: Trotz der wirtschaftlich angespannten Lage wurden im vergangenen Jahr 89 Prozent der Azubis befristet oder unbefristet übernommen. Erfolgte keine Übernahme, geschah dies laut der Arbeitgeber-Umfrage meist auf Wunsch der Azubis.
89 Prozent der Azubis werden übernommen
Hecht-Technologie-Geschäftsführer Behringer kann das bestätigen: "Grundsätzlich sind wir natürlich bedacht, jeden zu übernehmen, wo es gegenseitig passt." Denn: "Wenn ich zwei Mechatroniker-Azubis für dieses Jahr einstelle, dann habe ich geplant, dass ich die in dreieinhalb Jahren auch wirklich einsetze." Manchmal gehe man aber doch getrennte Wege, weil etwa der Azubi ein Studium an die Ausbildung dranhängen möchte.

Weil die Unternehmen fest auf ihren Nachwuchs bauen, müssen sie ihn auch fit für die Zukunft halten: Etwa ein Drittel der bayerischen Konzerne setzt KI in der Ausbildung ein, rund 71 Prozent der Azubis lernen in einem dieser Betriebe. Hecht-Marketing-Chefin Verena Schmid sagt etwa: "Wir bringen es unseren Auszubildenden da bei, wo es Sinn macht." Zum Beispiel bei Übersetzungen.
Der Rückgang der Ausbildungsverträge liegt laut den Metall- und Elektroarbeitgeberverbänden neben dem Bewerberschwund auch an der angespannten Wirtschaft. "Wäre die wirtschaftliche Lage besser, würden die Unternehmen mehr ausbilden", klagt Verbandschef Brossardt. Demnach geben 39 Prozent der Unternehmen an, dass die Standortprobleme sich auf die Ausbildungssituation auswirken. Dieser Wert hat sich seit dem Vorjahr mehr als verdoppelt.
Eine Entspannung ist nicht in Sicht: Die Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände erwarten auch für dieses Jahr einen Rückgang der Ausbildungsverträge um acht Prozent.
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