Elf-Millionen-Investment am Eibsee: Neuer Spa-Bereich für Hotel

Bequem übernachten und im Idealfall noch einen schönen Ausblick haben? Für Luxus-Hotels reicht das nicht länger. Die Gäste wollen mehr Wellness, die Unterkünfte rüsten entsprechend auf. So auch das Eibsee-Hotel, das am Fuß der Zugspitze liegt: Die Eigentümerfamilie Rieppel nimmt elf Millionen Euro in die Hand, um die Anlage um einen beheizten Außenpool und einen Spa-Turm zu erweitern. Seit September laufen die Bauarbeiten.
Geschäftsführer Marc Rieppel sagt dazu der AZ: "Wir möchten uns für die Zukunft rüsten." Heißt: komplett weg vom Saisongeschäft, mehr Auslastung in den Monaten November bis März.

Rieppel ist überzeugt davon, dass Wellness der Schlüssel für eine höhere Auslastung ist: "Wir können die Nähe zur Stadt München nutzen und kurze Wellnessurlaube anbieten." Bei der Konkurrenz zeige sich bereits, dass so die Off-Season-Zeiten besser ausgelastet sind.
Trend zu Spa: "Die Leute wollen das Alter auch noch genießen"
Das Eibsee-Hotel möchte dadurch eine Klientel anziehen, die Urlaub und Freizeit bewusst erlebt. "Ich kann meine Akkus viel besser aufladen, wenn ich es in einer Umgebung mache, die eine Kombination aus Entspannung und Bewegung ist", sagt Rieppel. Erholen drinnen, aktiv sein in der Natur.

Er ist sich sicher: "Die Zeit, wo der Gast nach dem Urlaub drei Kilo mehr wiegt, ist vorbei." Die Zahl der Raucher und der Alkoholkonsum gehen zurück, Fitness und Gesundheit spielen eine größere Rolle. "Ich glaube nicht, dass das bloß ein Strohfeuer ist. Die Leute werden älter und wollen das Alter auch noch genießen."
Neuer Spa-Bereich: Rooftop-Sauna und -Whirlpool
Dazu soll der Spa-Turm seinen Beitrag leisten: Schwitzen mit Ausblick auf Zugspitze und Eibsee. Auf mehreren verglasten Stockwerken gibt es Ruheräume und Saunen, selbst auf dem Dach: Dort können Gäste in einer Rooftop-Sauna entspannen und es sich in einem Whirlpool gemütlich machen, die beide nur über die Dachterrasse zu begehen sind. "Ich muss erst ins Kalte raus, um dann wieder ins Warme reinzukönnen." Fürs Saunieren praktisch, schließlich soll frische Luft dem Kreislauf guttun.
Damit trotz der großen Glasflächen des Turms Privatsphäre gewahrt bleibt, soll es unter anderem durch ausreichend Bepflanzung Sichtschutz geben.
Eibsee-Hotel will Natur ins Haus holen
Der Bau selbst erforderte eine sorgfältige Planung, wie das Hotel mitteilt: "Der Eibsee entstand vor Tausenden Jahren bei einem Bergsturz. Wir konnten deshalb nicht ausschließen, dass im Baugrund größere Felsen liegen." Die wurden zwar nicht gefunden, trotzdem verstrichen zwischen Planung und Spatenstich zwei Jahre.

Anfangs gab es zwei Entwürfe: einen konservativen Anbau ans Haus und den Turm mit viel Glas. "Mir war sofort klar, dass es der Turm werden wird", sagt Rieppel. Sie wollten so die Natur ins Haus holen.
Eibsee-Hotel: Umgebung "maximal erlebbar machen"
Dafür ist das Architekturbüro Thurner Generalplanung verantwortlich. Die zuständige Architektin Marlen Theisen sagt der AZ: "Es ging darum, dass man den Ort durch die Architektur maximal erlebbar für den Gast macht." Deshalb wird das Hotel nicht in die Breite erweitert, sondern mit einem Turm ergänzt: "Wenn man in die Höhe wächst und alle Spa-Geschosse übereinanderstapelt, dann hat man einfach die Möglichkeit, mit einer maximalen Verglasung den gesamten Außenraum, Berg plus See, für die Leute in Szene zu setzen." Laut Theisen eine 270-Grad-Aussicht.

Der Turm hebt sich ihr zufolge visuell vom restlichen Hotel ab: "Wir wollen eine moderne Optik." Die soll zur Umgebung passen: Das Stiegenhaus hat eine dunkle Fichtenschalung, der Sockelbereich eine Steinverkleidung. "Wir bleiben beim Stein in diesen blau-grau-grünen Tönen der Eibsee-Region", sagt Theisen.
Die einzige Schwierigkeit durch den Bau in die Höhe: den Whirlpool aufs Dach zu stellen. "Weil die Schwimmbadtechnik meistens im Keller ist", erklärt Theisen.

Korbinian Glatz, der Zweite Bürgermeister der zuständigen Gemeinde Grainau, sieht in dem Spa-Turm "keine erhebliche zusätzliche Beeinträchtigung des Landschaftsbildes" aufgrund des geringen Bauvolumens. Er sagt der AZ: "Eine solche Investition kann dazu beitragen, die Attraktivität Grainaus als Tourismusort langfristig zu erhalten und weiterzuentwickeln." Das Eibsee-Hotel ist laut Glatz ein wichtiger Arbeitgeber in der Region.
Eibsee-Hotel ab Anfang Januar komplett geschlossen
Trotz der Bauarbeiten läuft der Hotelbetrieb weiter. Die Zimmer mit Ausblick auf die Baustelle werden nicht vermietet, die restlichen sind reduziert. Die Kosten für das günstigste Doppelzimmer (Lärchwald) an einem November-Wochenende: 368 Euro, Essen und Trinken inklusive. "Wir haben die Baustelle vorher bei jedem Gast angekündigt", versichert Geschäftsführer Rieppel.
Über Weihnachten und Neujahr ruht die Baustelle, ab dem 11. Januar wird der Hotelbetrieb bis Ende April für den Anschluss des Neubaus an den Bestand komplett geschlossen. Die angepeilte Neueröffnung: Mai 2027. Trotz des strengen Bauzeitplans ist Geschäftsführer Rieppel zuversichtlich, dass der neue Spa-Bereich bis dahin fertig wird.