Eisbachwelle lässt grüßen: Hier soll nächstes Jahr in Bayern gesurft werden können

Die Eisbachwelle in München hat in der Vergangenheit viele Surfer und Besucher angezogen. Das wünscht sich auch ein Verein im Chiemgau: Seit Jahren arbeiten Surfer und Unterstützer dafür, dass in Traunstein eine Flusswelle entstehen kann. Das Ziel scheint nun greifbar. Wann es losgehen könnte und was die Planung vom Münchner Pendant unterscheidet.
von  Rosemarie Vielreicher
So könnte die Surfwelle in Traunstein einmal aussehen, wenn es mit der Finanzierung klappt. Der Verein hofft darauf, dass es 2027 soweit ist.
So könnte die Surfwelle in Traunstein einmal aussehen, wenn es mit der Finanzierung klappt. Der Verein hofft darauf, dass es 2027 soweit ist. © Chiemgau Welle e.V.

Surfen mitten in Oberbayern und nicht nur im Urlaub am Meer: An der Eisbachwelle in München ist das Kult. In Traunstein wünscht man sich auch schon seit Jahren eine Fluss-Surfwelle in der Stadt. Seit 2018 gibt es sogar einen Verein, der dieses Vorhaben vorantreibt.

Aber nur der Wunsch allein reicht für so ein Projekt nicht aus. Vorschriften, Genehmigungen, Gutachten. Von Sicherheit bis Naturschutz muss viel mitgedacht und geplant werden. Und letztlich braucht es auch genügend Geld für die Finanzierung.

Der Verein Chiemgau Welle geht aber mittlerweile davon aus: Ab 2027 könnte in Traunstein nach zähen Jahren wirklich gesurft werden.

"Es liegt jetzt an der Finanzierung"

Der neue Vorsitzende Nico Walz (30) sagt der AZ: "Wir haben jetzt alle Unterlagen vorliegen, die wir für das Projekt brauchen. Wir könnten theoretisch übermorgen mit dem Bau beginnen. Es liegt jetzt an der Finanzierung."

Sie seien gerade in Gesprächen, um die Summe, die im Raum steht, möglicherweise noch zu senken. Diese beläuft sich auf 750.000 Euro. Die Stadt habe ihnen die Zusage erteilt, ein Drittel davon zu übernehmen, sofern die restliche Summe gedeckt sei.

Das bestätigt die Kommune der AZ: "Entsprechend einem Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2022 stellt die Stadt eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 250.000 Euro in Aussicht."

Das ist das Ziel des Vereins für das Jahr 2026

Der Verein will auf Unternehmen zugehen und Sponsorenpakete aushandeln. "Das ist unser großes Ziel für 2026, dass am Ende des Jahres die Finanzierung auf unserem Konto liegt und 2027 der Spatenstich erfolgen kann."

Der neue und alte Vorstand des Vereins (v.l.): Andreas Klimmer, Daniel Belen, Nico Walz, Lisa Springer und Nik Wiedenzarter.
Der neue und alte Vorstand des Vereins (v.l.): Andreas Klimmer, Daniel Belen, Nico Walz, Lisa Springer und Nik Wiedenzarter. © Chiemgau Welle e.V.

Seit Anfang an ist Walz beim Verein dabei, nun steht er an der Spitze des Vereins. Seine Stellvertreterin ist Gründungsmitglied Lisa Springer (46). Schnell wird im Gespräch klar: Die zwei brennen fürs Surfen, für ihre Stadt und für das Projekt, das mehr Ausdauer und Geduld erfordert hat als ursprünglich gedacht. Sie sehen die Surfwelle als Lebensgefühl und Impuls für Traunstein. Für einheimische Sportler, Touristen und auch für junge Menschen.

"Mit Strahlkraft über die Region hinaus"

Das sieht auch die Stadt Traunstein so. Eine Sprecherin teilt der AZ mit: "Die Stadt Traunstein sieht in der geplanten Chiemgau-Welle ein innovatives Freizeitprojekt mit Strahlkraft über die Region hinaus. Vergleichbare Projekte – etwa die Eisbachwelle in München – zeigen, welches Potenzial eine solche Anlage für die Attraktivität einer Stadt entwickeln kann."

Die Stadt sieht durch die Entwicklung einer Surfwelle in Traunstein einen positiven Effekt für die Freizeitgestaltung im Ort.
Die Stadt sieht durch die Entwicklung einer Surfwelle in Traunstein einen positiven Effekt für die Freizeitgestaltung im Ort. © Chiemgau Welle e.V.

Und weiter: "Die künstlich erzeugte, stehende Welle am Mühlbachkanal würde nicht nur Flusssurferinnen und -surfer anziehen, sondern auch zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer. Damit kann sie einen zusätzlichen Anziehungspunkt im Stadtgebiet schaffen und das sportliche sowie touristische Profil Traunsteins weiter stärken."

So kam es zu der Idee einer heimischen Surfwelle

Lisa Springer erzählt, dass sie ein Stück weit die Idee der Welle mit nach Traunstein gebracht habe. Sie sei mit ihrer Familie und anderen Chiemgauern beim Surfen im Urlaub gewesen und auf dem Heimflug habe sie von Benjamin Di-Qual erfahren. Dieser kommt auch aus der Kreisstadt und könne solche Wellen bauen, wurde ihr erzählt. "Ich bin vom Flughafen direkt zu ihm ins Büro gefahren." Er gehört nun ebenfalls zum Team des Vereins und kümmert sich laut Homepage um "Struktur und Technik".

Man sieht auch an München, dass es nicht nur für die Surfer ein tolles Projekt ist, sondern auch für jeden, der sich am Zuschauen erfreut

Walz sagt: "Ich bin leidenschaftlicher Surfer. Als ich von dem Projekt gehört habe, war für mich klar, dass ich mitwirken möchte. Denn die Region braucht dieses Projekt. Ich stehe voll und ganz dahinter."

Weiter sagt der 30-Jährige: "Es gibt sehr viele Surfer aus der Region, die davon profitieren werden. Aber man sieht auch an München, dass es nicht nur für die Surfer ein tolles Projekt ist, sondern auch für jeden, der sich am Zuschauen erfreut." Interessanterweise hat der Verein jetzt schon 150 Mitglieder, obwohl es noch gar keine Surfwelle gibt.

Der Stadtplatz von Traunstein. Durch eine Surfwelle erhoffen sich Kommune und Verein einen Impuls für die Freizeitmöglichkeiten im Ort.
Der Stadtplatz von Traunstein. Durch eine Surfwelle erhoffen sich Kommune und Verein einen Impuls für die Freizeitmöglichkeiten im Ort. © imago/Hanna Wagner

Springer beschreibt Traunstein als "ein beschauliches Städtchen mit 22.000 Einwohnern". Eine große Schulstadt, mittlerweile auch Hochschulstadt. Die Surfwelle könnte hier das Freizeitangebot aufpeppen und auch ein Grund sein, warum junge Leute ihre Heimat noch mehr schätzten.

Der Vorteil ihrer Welle: "Schnell ein Erfolgserlebnis"

Der Vereinschef erklärt: "Der große Vorteil der Welle, die wir geplant haben: Die Hemmschwelle ist niedrig, man erzielt schnell ein Erfolgserlebnis." Er vergleicht das Projekt mit dem Eisbach und zeigt die Unterschiede auf: Dort sei das Niveau sehr hoch. "Bei uns können sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene ihren Spaß haben, weil die Welle genügend Kraft für die guten Surfer hat, zugleich aber auch für Anfänger sehr sicher ist."

Der Eisbach im Englischen Garten hat vor dem schweren Unfall und den folgenden Problemen viele Zuschauer angelockt.
Der Eisbach im Englischen Garten hat vor dem schweren Unfall und den folgenden Problemen viele Zuschauer angelockt. © Peter Kneffel/dpa

Wo soll die Welle entstehen? Springer erklärt: "Wir planen die Welle an einem Werkskanal an einer Stelle, die wieder in die Traun einleitet." Bisher sei der Bereich "ein Brachland", aber er sei in ein Freizeitgelände eingebettet und vom Bahnhof aus gut erreichbar. "Dieser Werkskanal wird für Erneuerbare Energien genutzt, unter anderem von den Stadtwerken. An der Stelle ist ein gewisser Höhensprung, um dort eine Welle aufstauen zu können." Die für die Welle notwendige Metall-Konstruktion werde eigens für sie hergestellt. Walz sagt: "Es gibt so zentral keinen besseren Standort."

Vogelschutz bis Hochwasserzaun: Das waren die Hürden

Das ganze Vorhaben hat sich über die Jahre als sehr komplex und bürokratisch erwiesen. Walz erzählt beispielhaft: "Wir haben ein Jahr lang einen Vogelschützer beauftragt, der das Gebiet beobachtet hat, ob dort spezielle Vögel brüten." Oder aber: "Wir haben ein 30-seitiges PDF über den richtigen Hochwasserzaun. Das haben wir in den vergangenen Jahren alles ehrenamtlich vorbereitet, unser Team ist wahnsinnig engagiert."

Eine Fußgängerbrücke über dem Kanal soll ermöglichen, dass Interessierte wie bei der Eisbachwelle in der ersten Reihe zuschauen können.
Eine Fußgängerbrücke über dem Kanal soll ermöglichen, dass Interessierte wie bei der Eisbachwelle in der ersten Reihe zuschauen können. © Chiemgau Welle e.V.

Das hebt auch die Stadt ausdrücklich hervor: Das Projekt werde "seit Jahren mit großem ehrenamtlichen Engagement vorangetrieben", inzwischen lägen auch die erforderlichen Genehmigungen vor. "Dieses Engagement aus der Bürgerschaft begrüßt die Stadt ausdrücklich."

Auch ein Risikogutachten hat der Verein für 11.000 Euro anfertigen lassen. Insgesamt haben sie schon "einen hohen fünfstelligen Betrag" in das Projekt investiert, erzählen die beiden.

Kein kommerzieller Betreiber: "Wir möchten ein Verein bleiben"

Was ihnen auch künftig wichtig ist: "Wir möchten ein Verein bleiben und kein kommerzielles Interesse in den Vordergrund stellen. Wir wollen eine Welle für die Region, die für möglichst viele Menschen zugänglich ist."

Dennoch gilt als Bedingung: Nur Vereinsmitglieder sollen dort surfen können. Warum? Das hat versicherungstechnische Gründe. Aber es soll zum Beispiel "Tagesmitgliedschaften" geben, sodass auch Urlauber ihren Surf-Spaß haben können.

Das Beste am Surfen ist der Flow, es ist ein Moment-Sport. Jetzt, jetzt, jetzt

Perfekt wäre es aus ihrer Sicht, wenn die Traunsteiner Welle wie in der Vergangenheit die Münchner Eisbachwelle zahlreiche Zuschauer anlockt. Walz kann sich das gut vorstellen: mit einer Fußgängerbrücke, um aus der ersten Reihe zuzuschauen. "Man muss natürlich die Kirche im Dorf lassen, wir sind nicht München und werden nicht Millionen von Besuchern anziehen können. Aber es werden auf jeden Fall Besucher zuschauen."

Auch wollen die Traunsteiner künftig Kurse anbieten, Vereinsmitglieder hätten sich schon zum "Surf Instructor" weitergebildet.

Unglück an der Eisbachwelle: "Es gibt bei uns keine Störsteine wie in München"

Aber die große Frage, gerade auch mit Blick auf die Eisbachwelle: Kann dort etwas passieren? In München verunglückte eine Surferin tödlich, weil sich ihre Sicherheitsschnur verheddert hatte.

Walz erklärt: "Wir haben ein anderes Sicherheitskonzept, es lässt sich nicht direkt mit der Eisbachwelle vergleichen. Bei uns ist die Welle von Grund auf geplant worden. Es gibt bei uns keine Störsteine wie in München. Auch der Durchfluss und die Energie sind bei uns deutlich weniger."

Ein Mann versucht mit einem großen Sprung auf die provisorische Eisbachwelle im Englischen Garten zu springen. Davor hängt noch ein Schild mit der Aufschrift "Warnung! Keine surfbare Welle! Lebensgefahr! Surfen verboten!"
Ein Mann versucht mit einem großen Sprung auf die provisorische Eisbachwelle im Englischen Garten zu springen. Davor hängt noch ein Schild mit der Aufschrift "Warnung! Keine surfbare Welle! Lebensgefahr! Surfen verboten!" © Peter Kneffel/dpa

Deswegen sagt der 30-Jährige: "Es ist ein Wassersport und es kann immer etwas passieren, aber wir haben unsere Hausaufgaben dahin gehend gemacht, dass die Gegebenheiten vor Ort so sicher wie möglich sind." Eine der Auflagen ist im Übrigen, dass nicht 24/7 gesurft werden darf, sondern nur bei Tageslicht.

Was lieben die beiden so sehr am Surfen? Walz sagt: "Das Coolste ist, und das bietet fast keine andere Sportart, dass man mit der Energie der Natur spielt. Das ist ein Gefühl der Schwerelosigkeit."

Seine Stellvertreterin mag es, sich aufs Hier und Jetzt zu konzentrieren. "Das Beste am Surfen ist der Flow, es ist ein Moment-Sport. Jetzt, jetzt, jetzt."

Der Moment für die Traunsteiner Surfwelle soll also 2027 kommen. "Ich glaube fest daran", sagt Walz überzeugt. Unterstützen könne man den Verein mit einer Mitgliedschaft. "Sie kostet nur noch zehn Euro, online dauert es keine 60 Sekunden, dann ist man Mitglied."

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