Ein Jahr Bauarbeiten: Überraschende Bilanz zur Luegbrücke

Es gibt auch noch gute Nachrichten in diesen Tagen – wie diese: Das allseits befürchtete Verkehrschaos wegen einer Mega-Baustelle auf der Brenner-Autobahn, der wichtigsten Straßenverbindung von Deutschland nach Italien, ist bisher ausgeblieben.
Ein Jahr nach dem Start der Bauarbeiten an der Luegbrücke in Tirol zieht der ADAC Südbayern eine positive Bilanz. Bei der österreichischen Autobahngesellschaft Asfinag ist man stolz auf sein Verkehrsmanagement.
Die Aufregung war groß, als die österreichische Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft, kurz Asfinag, vor einigen Jahren verkündete: Die Luegbrücke auf der Brenner-Autobahn habe nach mehr als 55 Jahren schwerster Belastung durch Millionen das Ende ihrer Lebenszeit erreicht und müsse "unaufschiebbar" erneuert werden.
Vorab warnten viele: "Nun droht endgültig der Verkehrskollaps"
Das bedeute über Jahre hinweg eine einspurige Verkehrsführung. "Nun droht endgültig ein Verkehrskollaps", hieß es in den Medien nördlich und südlich des Alpenhauptkamms. Ein "Verkehrschaos auf maroder Brücke" sei unausweichlich. Der Präsident der Handelskammer von Bozen warf den Österreichern gar vor, den Brenner als "Wirtschaftswaffe" einzusetzen.

Doch die Aufregung war offensichtlich unbegründet. Obwohl die Luegbrücke im vergangenen Jahr meistens nur einspurig befahrbar war, blieb es beim gewohnten Chaos. Es sei keine Verschlechterung der Stausituation eingetreten, stellte Asfinag-Geschäftsführer Stefan Siegele bei einem Besuch beim ADAC Südbayern fest. "Dass ein so ambitioniertes Bauvorhaben so reibungslos umgesetzt wird, ohne den Verkehrsstrom komplett auszubremsen, ist bemerkenswert", sagte Alexander Kreipl vom ADAC Südbayern.
Die Luegbrücke im Tiroler Wipptal ist 1,8 Kilometer lang
Getrieben wird das Großprojekt nicht zuletzt vom Einsturz der Morandi-Brücke bei Genua vor acht Jahren. Dergleichen sollte sich in Österreich auf keinen Fall wiederholen.
Die mehr als ein halbes Jahrhundert alte 1,8 Kilometer lange Luegbrücke im Tiroler Wipptal musste nach Ansicht der Statiker daher unverzüglich entlastet werden.
Was bei den Bauarbeiten erledigt wird
Parallel zu der Hangbrücke wird eine neue Brücke mit zwei Fahrstreifen errichtet. Wenn diese fertig ist, wird der komplette Verkehr auf den Neubau umgeleitet und die alte Konstruktion abgerissen. An deren Stelle wird dann eine neue zweite Brücke mit weiteren Fahrbahnen entstehen. Im März vergangenen Jahres wurde mit den Bauarbeiten begonnen.
180 Tage mit besonderer Verkehrsführung
Vordringlich war, die alte Brücke sofort zu entlasten, ohne den Verkehr auszubremsen. Dazu hat man sich einiges einfallen lassen. An 180 Tagen des Jahres wird in jeweils einer Fahrtrichtung ein zusätzlicher Fahrstreifen aufgemacht, wenn es darum geht, erwartete Reise-Wellen zu bewältigen. Lkw über 3,5 Tonnen müssen dabei auf die linke Fahrspur wechseln – für die Fahrer eine ungewöhnliche Erfahrung.

So soll gewährleistet werden, dass die größte Last auf die Brückenmitte konzentriert wird. Eine in der Fahrbahn integrierte Waage erkennt während der Fahrt, wie viel der Lkw wiegt und ob er auf der richtigen Spur unterwegs ist. Wenn nicht, wird das Fahrzeug noch vor der Brücke abgeleitet, über einen Parkplatz geführt und dann auf die korrekte linke Fahrspur gelotst.
"Section Control": Was Autofahrer wissen müssen
Auch die Pkw-Fahrer müssen sich auf eine ungewohnte Neuheit gefasst machen. Im Bereich der schonungsbedürftigen Luegbrücke wird das Tempolimit von 60 km/h in beiden Richtungen durch eine "Section Control" überwacht. Beim Ein- und Ausfahren des kontrollierten Abschnitts erfasst das System das Kennzeichen jedes Fahrzeugs und versieht es mit einem Zeitstempel.

Stellt der Computer fest, dass der Fahrer den Abschnitt unterhalb der vorgegebenen Mindestfahrzeit bewältigt hat, werden automatisch Bußgeldbescheide wegen Missachtung des Tempolimits verschickt. Was deren Höhe angeht, so wird in Österreich noch kräftiger hingelangt als in Deutschland.
Den Baustellen-Managern spielte in die Hände, dass der Pkw-Verkehr über die Brenner-Autobahn 2025 um immerhin 4,5 Prozent auf 13,6 Millionen Fahrten abnahm. Offenbar hatten sich etliche Reisende aus Angst vor dem "Brenner-Chaos" andere Wege in den Süden gesucht.
So hat sich der Lastwagen-Verkehr entwickelt
Der Lkw-Verkehr nahm im vergangenen Jahr jedoch um 2,4 Prozent auf 2,4 Millionen Fahrten zu. 2026 soll das Konzept der zeitweise eingerichteten Zweispurigkeit fortgesetzt werden. Die Bauarbeiten werden voraussichtlich bis 2030 dauern. "Die Arbeiten zur neuen Luegbrücke liegen im Zeitplan", sagte Asfinag-Chef Siegele.
Offen bleibt zunächst, ob auf der Brennerautobahn in Südtirol bald ebenfalls Sanierungen notwendig werden. Die dort A22 genannte Schnellstraße entstand samt zahlreicher Brücken in den 60er und 70er Jahren. Bisher heißt es aus Italien, dass man es bei punktuellen Ausbesserungen belassen könne.
Aus erster Hand: Wo man sich informieren kann
Wer bei der Reise in den Süden und zurück auf Nummer Sicher gehen will, kann sich vor Fahrtantritt auf der Internetseite https://www.asfinag.at/bauen-erhalten/bauprojekte/a-13-brenner-autobahn-luegbruecke über die Lage auf der Brenner-Autobahn informieren. Über die Verkehrssituation in Südtirol bis nach Modena gibt https://www.autobrennero.it/de / in Echtzeit Auskunft.