Starnbergs Bahnhof See soll verkauft werden – jetzt geht es um Millionen
Die Stadt Starnberg hat ein Interessenbekundungsverfahren für das denkmalgeschützte Gebäude Bahnhof See gestartet. Bei dem historischen Anwesen handele es sich eigentlich um ein Schmuckstück, erzählt man sich vor Ort. Das Gebäude ist 1855 nach Entwürfen des Architekten Friedrich von Bürklein errichtet worden.
Doch das in die Jahre gekommene Anwesen ist stark sanierungsbedürftig. Das Gebäude befindet sich im Eigentum der Stadt. Und diese sucht nach eigenen Angaben "einen privaten Partner, der das denkmalgeschützte Gebäude langfristig erhält und wirtschaftlich betreibt, ohne städtische Investition", wie die Pressestelle der Stadt auf AZ-Anfrage mitteilt.
Von Gastronomie bis Kultur ist vieles möglich
Für das Gebäude werde ein Investor gesucht, "der Interesse daran hat, das Gebäude denkmalgerecht zu sanieren und zu betreiben“, teilt die Stadt zudem aktuell auf ihrer Webseite mit. Dabei stehe es den Interessenten frei, "Angebote für eine Übernahme des Gebäudes im Wege des Erbbaurechts oder des Ankaufs abzugeben". Die Frist läuft bis zum 30. November. In dem Exposé sind unter anderem einige Eckdaten genannt. Grundstücksgröße: 1847 Quadratmeter; Geschossfläche Gebäude (brutto): 1381 Quadratmeter. Nettogrundfläche: 1078 Quadratmeter. Genug Platz also, um das ein oder andere Projekt zu verwirklichen. Aber welches genau?

Das Gebäude soll nach Angaben der Stadt folgende Nutzungsarten beinhalten: "kulturelle Zwecke, Einzelhandel, Gastronomie und Büro-Nutzung". Ziel der Stadt Starnberg sei es, "das historische Empfangsgebäude einer öffentlichen, gemischten Nutzung zuzuführen". Dabei solle "insbesondere die gewünschte Gastronomienutzung dazu beitragen, dass sowohl öffentliche als auch private Veranstaltungen als auch der tägliche Bedarf für ankommende und abfahrende Bahnreisende und sonstige Besucher angemessen bedient" werden. Es solle "ein neuer gesellschaftlicher Mittelpunkt" entstehen, heißt es.
Heikles Thema: der Denkmalschutz
Was ist beim Denkmalschutz zu beachten? "Hinsichtlich der Gebäudestatik und der für eine öffentliche Nutzung zu berücksichtigenden Nutzlasten ist der Gebäudegrundriss in seinem Bestand weitgehend zu berücksichtigen", teilt die Stadt mit. "Das Gebäude ist aufgrund der Bodenverhältnisse mit Seeton in tieferen Schichten sensibel gegründet. Erste Untersuchungen lassen eine Gründung auf gemauerten oder betonierten Kappen vermuten."
Einzelne Wände, insbesondere im Erdgeschoss, könnten "in enger Abstimmung mit einem Statiker entfernt" werden, heißt es weiter. Im Obergeschoss sei "der Großteil der vorhandenen Wände aufgrund des Baualters denkmalgeschützt und grundsätzlich zu erhalten". Einzelne räumliche Zusammenfassungen seien "in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde realisierbar".

Klamme Kassen bei der Stadt
Gefragt nach den Sanierungskosten teilte man bei der Stadt auf AZ-Nachfrage nur so viel mit: Zu den Unterlagen, die ein Interessent einreichen müsse, gehöre "auch eine Stellungnahme zu den erwarteten Sanierungskosten". Erst dann könne eine seriöse Einschätzung vorgenommen werden.
Aus Kreisen des Stadtrates, der auf eine schnelle Vergabe in der Angelegenheit gedrängt hatte, ist zu hören, es sei angesichts klammer Kassen finanziell nicht darstellbar, dass die Stadt das alte Bahnhofsgebäude selbst saniere. Die Hoffnung sei, dass sich im Rahmen des nun gestarteten Interessenbekundungsverfahrens ein passender Interessent finde, der ein stimmiges Konzept für die Sanierung des Gebäudes vorlege.
Ein zweistelliger Millionenbetrag steht im Raum
Gerade beim Denkmalschutz könne es jedoch erfahrungsgemäß oft teuer werden. Auch, was den Brandschutz und die Elektronik betrifft, könnten schnell hohe Beträge entstehen.
Deshalb stelle sich die Frage, ob dies mit einem einstelligen Millionenbetrag machbar wäre, heißt es aus Stadtratskreisen – nur unter Ausschöpfung sämtlicher öffentlicher Förderquellen könne so etwas möglich sein, so zudem die dort geäußerte Vermutung.

Wer hat das beste Konzept?
Was müssen Bewerber bei dem besagten Interessenbekundungsverfahren vorlegen? Eine "Darstellung der eigenen Leistungsfähigkeit", heißt es vonseiten der Stadt Starnberg, sowie "ein detailliertes Sanierungs- und Nutzungskonzept", Grundrisspläne, ein "Businessplan für drei Jahre", ein Finanzierungskonzept und ein "Angebot für Erbpacht oder Kauf". Es gebe bereits Interessenten, die öffentlich ihr Interesse bekundet hätten, teilte die Pressestelle der Stadt am Mittwoch auf AZ-Nachfrage mit. "Welche davon sich nun am offiziellen Verfahren beteiligen, steht aber noch nicht fest."
Im Erdgeschoss des Bahnhofsgebäudes befindet sich ein Buchladen. Wie wird es innen ansonsten genutzt? "Aktuell wird nur noch der Mietvertrag für den Buchladen kurzfristig verlängert", teilte die Pressestelle der Stadt auf AZ-Nachfrage mit. Das Obergeschoss sei ungenutzt.
Der Kiosk ist noch bis Mitte 2027 verpachtet
Aber: In der "Loggia" (im überdachten Außenbereich des Bahnhofs zur Straße hin) finden "teilweise kulturelle Veranstaltungen" statt. "Ferner ist die Loggia an einigen Abenden an ein Gastronomieunternehmen verpachtet, das dort unter dem Namen 'Vinologgia' ein gastronomisches Angebot unterhält." Der Kiosk neben dem Bahnhofsgebäude sei "bis Mitte 2027" verpachtet. "Im Anschluss kann dieser durch den Bewerber abgerissen werden, sodass eine großzügige Außenfläche für eine Gastronomie entstehen kann."
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