Vom Acker zur Rüstungsfabrik: Im Münchner Norden entsteh eine Drohnenfabrik im Eiltempo

Der Drohnen-Hersteller baut in Hallbergmoos. 300 Arbeitsplätze sollen neu entstehen. Was dort geplant ist – und was nicht erlaubt wird.
Ralf Müller |
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So warb Helsing im Februar während der Münchner Sicherheitskonferenz für sich: mit einem Plakat gegenüber dem Hotel Bayerischer Hof an einer Hauswand.
So warb Helsing im Februar während der Münchner Sicherheitskonferenz für sich: mit einem Plakat gegenüber dem Hotel Bayerischer Hof an einer Hauswand. © Kay Nietfeld/dpa

Bayern stärkt sein Profil als Rüstungsschmiede der Bundesrepublik. Im Eiltempo hat der Gemeinderat von Hallbergmoos (Landkreis Freising) ein 45 Hektar großes "Sondergebiet Produktionsbetriebe der Landesverteidigung" beschlossen.

25 Hektar davon hat sich der Drohnen-Hersteller Helsing gesichert. Dort soll eine "Resilienz Factory" mit "Technologiehub" auf zehn bis zwölf Hektar entstehen. Die übrige Fläche ist für Erweiterungen und Zulieferer vorgesehen. "Resilienz" bedeutet eigentlich, dass die dort geplante Rüstungsfabrikation auch im Krisenfall aufrecht erhalten bleiben soll. Das erfordert eigentlich, dass solche Standorte geheim gehalten werden. Doch in der Demokratie könne man die örtliche Bevölkerung nun mal nicht "mit vielen Fragezeichen" abspeisen, sagte Helsing-Geschäftsführer Wolfgang Gammel am Mittwoch in München.

Helsing will sich vergrößern

Der Gemeinderat der Speckgürtel-Kommune Hallbergmoos nahe dem Flughafen der Landeshauptstadt hatte bereits am Dienstagabend in einer Sondersitzung grundsätzlich grünes Licht für die Ansiedlung durch Änderung des Flächennutzungsplans gegeben. Bisher handelt es sich um landwirtschaftliche Flächen. 
Helsing-Vertreter sicherten zu, in Hallbergmoos weder mit Sprengstoff zu hantieren noch Drohnen fliegen zu lassen. Dafür stünden anderweitige Testgelände zur Verfügung, sagte Gammel.

"Erheblicher technologischer Gewinn"

In einer Bürgerversammlung sollen nun auch die Anwohner mit ins Boot genommen werden, "damit sie nicht alles aus der Zeitung erfahren", so Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler).

Wolfgang Gammel (M.) mit Ministerpräsident Markus Söder (l.) und Gundbert Scherf, Mitgründer und Co-Geschäftsführer von Helsing.
Wolfgang Gammel (M.) mit Ministerpräsident Markus Söder (l.) und Gundbert Scherf, Mitgründer und Co-Geschäftsführer von Helsing. © Kneffel/dpa

In ihrer Dimension sind die Helsing-Pläne vergleichsweise bescheiden. Mit mit einer dreistelligen Millioneninvestition sollen in Hallbergmoos 300 Arbeitsplätze neu entstehen.  

Die Fabrik sei für die Region ein "erheblicher technologischer Gewinn", so Hallbergmoos’ Bürgermeister Benjamin Henn (Freie Wähler). Aiwanger versprach dem Projekt "politische Rückdeckung". Von den bis 2030 geplanten Militärinvestitionen in Deutschland wolle man so viel wie möglich nach Bayern lenken. Mit 50.000 Beschäftigten beheimate der Freistaat bereits ein Drittel der deutschen Rüstungsindustrie. Helsing in Hallbergmoos sei der "Lackmustest, ob funktioniert, was wir seit Monaten predigen", so Aiwanger. Auf materielle Förderzusagen wollte sich der Minister nicht einlassen: "Bayern bezahlt mit Geschwindigkeit."

Ganz so schnell wird es dann aber doch nicht gehen. Zunächst müssen die Behörden einen geeigneten Bebauungsplan aufstellen. Darüber könnte bis zu ein Jahr vergehen. Helsing ist mit der Drohnenentwicklung schneller. Am Standort Tussenhausen im Unterallgäu arbeitet das Unternehmen mit Hochdruck an einer "Jagdbomberdrohne". Das mit Künstlicher Intelligenz gesteuerte autonome Fluggerät mit drei bis fünf Tonnen Gewicht werde 2027 zum Erstflug abheben, versprach Gammel.

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