Drohender Kahlfraß: Wälder mit Insektengift besprüht

Es ist eine regelmäßig wiederkehrende Diskussion: Ist es nötig, Eichen bei einer Massenvermehrung des Schwammspinners von der Luft aus mit Pestiziden zu besprühen? Forstbesitzer und Naturschützer sind uneins.
| dpa
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In Franken wird die Tage wieder Pestizid versprüht. Damit sollen Eichenwälder vor dem gefräßigen Schwammspinner geschützt werden.

Freising - Um befallene Eichenwälder vor dem gefräßigen Schwammspinner zu schützen, versprühen Hubschrauber in diesen Tagen in Franken wieder ein Pestizid. Die Substanz Mimic wird auf rund 1.600 Hektar verteilt, wie die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising mitteilte. Mimic wirkt als Häutungsbeschleuniger, wodurch die Raupen des Schmetterlings, aber auch andere blätterfressende Insekten absterben. Der Bund Naturschutz (BN) kritisierte das Vorgehen deshalb am Donnerstag vehement.

Aktuell durchlaufe der Schwammspinner "eine derartige Massenvermehrung, dass mit Kahlfraß, der das Absterben der Eichen erwarten lässt, zu rechnen ist", hieß es von der Landesanstalt. "Deshalb ist eine Behandlung zum Schutz der Wälder erforderlich." Der BN-Landesbeauftragte Martin Geilhufe hingegen bezeichnete das Vorgehen vor dem Hintergrund des erfolgreichen Volksbegehrens zur Erhalt der Artenvielfalt als "überhaupt nicht mehr zeitgemäß".

Pestizid-Einsatz gegen Schwammspinner

"Wir kritisieren zudem, dass die Eichenwälder vergiftet wurden, ohne dass für die betroffenen Flächen hinreichend erfasst wurde, ob schützenswerte und gefährdete Arten vorkommen", ergänzte BN-Waldreferent Ralf Straußberger. Die Landesanstalt hingegen betont, dass Flächen, in denen seltene und geschützte Arten vorkommen, von der Behandlung ausgenommen worden seien.

Der Landesanstalt zufolge durchläuft der Schwammspinner derzeit in etwa einem Zehntel der fränkischen Eichenwälder eine Massenvermehrung. Untersuchungen zeigten, dass auf gut 4.000 der insgesamt 100.000 Hektar in Unter- und Mittelfranken mit Kahlfraß zu rechnen sei. Davon wiederum sollen nun 1.600 Hektar gezielt behandelt werden. Es handelt sich dabei um andere Flächen als jene, die bereits im Vorjahr besprüht wurden, wie ein Sprecher erläuterte.

Die Raupen des Schwammspinners können Eichen derart kahl fressen, dass die Bäume, die zur Photosynthese auf ihre Blätter angewiesen sind, absterben. Das Pestizid Mimic allerdings wirkt nicht selektiv nur auf Schwammspinnerraupen, sondern kann alle Insekten, die die Blätter fressen, töten. Eichen weisen von allem Baumarten den mit Abstand höchsten natürlichen Insektenreichtum auf.

Lesen Sie hier: Tipps gegen Schädlinge - Der Buchsbaumzünsler ist wieder da

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