Drogen, Alkohol, Internet: Was konsumieren Bayerns Schüler?

Wie verändert sich das Suchtverhalten bei bayerischen Schülern? Neue Daten zeigen Rückgänge bei Zigaretten und Alkohol, aber mehr problematische Nutzung von Medikamenten und vor allem sozialen Medien.
von  AZ/dpa
Immer öfter greifen Jugendliche zu E-Zigaretten. (Symbolbild)
Immer öfter greifen Jugendliche zu E-Zigaretten. (Symbolbild) © Friso Gentsch/dpa

Alkohol, Drogen, Tabak, Medikamente, soziale Medien: Wie ist das Suchtverhalten bei Jugendlichen? Daten der Europäischen Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen (ESPAD) in Bayern zeigen: Alkohol ist zwar weiter stark verbreitet, aber ebenso wie der Konsum von Zigaretten, Cannabis und illegale Drogen eher rückläufig. 

Bei Cannabis allerdings steige die Zahl derer mit einem problematischen Konsum, berichtet das IFT Institut für Therapieforschung, das die Daten in Bayern erhoben hat. Angesicht der Teillegalisierung mahnen die Forscher eine weitere Beobachtung und Präventionsangebote an. Problematische Nutzungsformen nehmen insbesondere auch bei sozialen Medien und Medikamenten zu. Auch der Gebrauch von E-Zigaretten steige im Freistaat.  

Für die vom Gesundheitsministerium geförderte Erhebung wurden die Daten von 3.072 online befragten Schülerinnen und Schülern der 10. und 11. Klassen im Jahr 2024 in Bayern ausgewertet. Die Ergebnisse bestätigten auch internationale Trends, hieß es. 

Tabak und E-Zigaretten

Mehr als ein Drittel der Jugendlichen (38,5 Prozent) hat der Studie zufolge schon einmal Tabak konsumiert, in den 30 Tagen vor der Erhebung war es jeder Fünfte (20,8 Prozent). Es werden deutlich weniger Zigaretten geraucht als noch vor 20 Jahren. Dafür greifen Jugendliche vermehrt zu E-Zigaretten. Fast jeder Zweite (47,3 Prozent) hat das mindestens einmal probiert, in den 30 Tagen vor der Befragung hatte fast jeder Dritte E-Zigaretten geraucht (30,0 Prozent). Der Konsum habe sich seit 2015 über alle Schulformen mindestens verdoppelt, teilweise sogar verdreifacht, schreiben die Wissenschaftler.

Alkohol

Vier von fünf Jugendlichen haben im Jahr vor der Erhebung Alkohol getrunken, knapp zwei Drittel auch in den 30 Tagen vor der Befragung. Zwar setzt sich der langfristige Rückgang des Alkoholkonsums fort. Dennoch hatte fast jeder Zweite (46,9 Prozent) schon einmal einen Rausch. Insgesamt registrierten die Forscher bei 8,0 Prozent der Jugendlichen einen riskanten Konsum. Als Motive für Alkoholgenuss nannten die Jugendlichen vor allem Spaß, Geselligkeit und Partyerlebnisse. Alkohol als eine Art Problemlösung war demnach eher für Mädchen ein Thema.

Cannabis und illegale Drogen

Der Cannabiskonsum sank zwar im Vergleich zu 2019 insgesamt. Doch die Zahl der Jugendlichen, die Cannabis in problematischer Weise konsumieren, stieg im Jahr 2024 deutlich. Das betraf knapp zwei Prozent aller Befragten. Seit der Legalisierung 2024 habe die Substanz in Deutschland an gesellschaftlicher und gesundheitspolitischer Relevanz gewonnen. 

Die erhöhte Verfügbarkeit infolge der Legalisierung berge Risiken unter anderem mit Blick auf die Zugänglichkeit der Substanz für Minderjährige. Problematischer Cannabiskonsum sei mit einer Vielzahl gesundheitlicher Risiken verbunden. Es sei wichtig, Konsummuster weiter zu beobachten und präventive Angebote zu machen. 

Bei illegalen Drogen bleibe es oft beim Probieren. Dennoch sei das Thema weiter relevant. Am häufigsten würden neue psychoaktive Substanzen konsumiert, gefolgt von Amphetaminen und Kokain. Gesunken ist der Konsum von Schnüffelstoffen, die aber leicht verfügbar seien und hohe gesundheitliche Risiken brächten.

Medikamente

Der Missbrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten wie Tranquilizern nimmt unter Bayerns Jugendlichen den Angaben zufolge deutlich zu - und erfolgt oft sogar ohne ärztliche Anordnung. Positive Effekte wie Angstlinderung sowie steigende psychische Belastungen, teils durch intensive Nutzung sozialer Medien, begünstigten den Trend. Teils würden Medikamente mit Alkohol eingenommen. Manche Jugendlichen nahmen auch Schmerzmittel. 

Soziale Medien, Internet und Computerspiele 

Soziale Medien und Computerspiele scheinen zu einem zentralen Problem zu werden. Das soziale Leben Jugendlicher verlagere sich zunehmend in virtuelle Räume, die ein Umfeld für die Entstehung problematischer Verhaltensmuster bieten könnten, hieß es. Eltern sei es oft nicht möglich, die Inhalte vollständig zu beaufsichtigen. Es seien Maßnahmen nötig, um negative Konsequenzen einzudämmen. 

Knapp 81 Prozent der Jugendlichen geben sogar selbst an, zu viel Zeit mit sozialen Medien zu verbringen, Mädchen noch häufiger als Jungen. Problematische Internetnutzung sahen die Forscher bei rund 16,5 Prozent, betroffen waren 21,5 Prozent der Mädchen und 11,3 Prozent der Jungen. 

Bei Computerspielen war mehr als ein Drittel der Jugendlichen und damit deutlich mehr als im Jahr 2015 selbst der Meinung, zu viel Zeit damit zu verbringen (37,9 Prozent). Bei Jungen (52,2 Prozent) war das häufiger der Fall als bei Mädchen (23,9 Prozent). An Schultagen spielten in dem Monat vor der Erhebung fast 87 Prozent, am Wochenenden oder in den Ferien 90 Prozent. Unter allen Befragten verbrachten Mittelschüler im Durchschnitt mehr Stunden mit Computerspielen als Gymnasiasten oder Realschüler. 

Glücksspiele mit Geldeinsatz seien trotz Altersbeschränkung unter Jugendlichen verbreitet; Online-Angebote erleichterten den Zugang.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.