Dreifachmord-Prozess - Ex-Partnerin "sprachlos"

Aus sexueller Lust soll ein Mann zwei Frauen ermordet haben und, um die Taten zu verdecken, den Partner einer der beiden. Vor Gericht äußern sich Angehörige des Angeklagten und der Opfer.
von  dpa
Ein 39 Jahre alter Mann soll in Zwiesel zwei Nachbarinnen und einen Nachbarn ermordet haben. Gegen ihn hat nun vor dem Landgericht Deggendorf der Prozess begonnen.
Ein 39 Jahre alter Mann soll in Zwiesel zwei Nachbarinnen und einen Nachbarn ermordet haben. Gegen ihn hat nun vor dem Landgericht Deggendorf der Prozess begonnen. © Felix Hörhager/dpa

Im Prozess um den mutmaßlichen Dreifachmord von Zwiesel fällt den Zeugen ihre Aussage sichtlich schwer - die Vorwürfe gegen den Angeklagten sind ungeheuerlich. Der 39 Jahre alte Mann soll im Sommer 2025 zwei Nachbarinnen zur sexuellen Erregung und einen Nachbarn zur Verdeckung dieser Taten getötet haben. Die Ex-Partnerin des Mannes sagte, sie sei angesichts der Vorwürfe "sprachlos". 

Neben der 42-Jährigen, die mit dem Angeklagten, einem slowakischen Staatsangehörigen, eine fast dreijährige Tochter hat, waren unter anderem die Mutter des ersten Opfers sowie die Mutter des Angeklagten als Zeugen geladen.

Die Ex-Freundin berichtete, der Umgang der Hausbewohner untereinander sei freundschaftlich gewesen, jedoch seien immer wieder Drogen und Alkohol konsumiert worden. Richter, Anwälte und Sachverständige zielten in ihren Fragen insbesondere auf die Bereiche Gewalt und Sexualität ab. 

Die Ex-Freundin - das Paar hatte sich ihrer Aussage nach bereits vor der Tat getrennt - sagte, der Angeklagte sei ihr gegenüber nicht gewalttätig gewesen. Er sei aber zwischendurch "lauter geworden".

Außerdem sei es vereinzelt vorgekommen, dass er sie beim Sex habe würgen oder an den Haaren ziehen wollen. Er habe jedoch sofort aufgehört, wenn sie ihn darum gebeten habe. Während der Schwangerschaft und nach der Geburt der Tochter habe ihr damaliger Partner verstärkt Pornos geschaut. Mehrfach rang die 42-Jährige während der Befragung um Fassung. Zu der Tat sagte sie: "Ich bin sprachlos." Nie hätte sie ihm das zugetraut. 

Wodka im Kaffee

Die Mutter des ersten Opfers, eine 26 Jahre alten Frau, erzählte, die Hausbewohner hätten sich gegenseitig geholfen. Sie habe es aber nicht gut gefunden, dass ihre Tochter und deren Freund Drogen und Alkohol konsumierten. 

Schon zum Frühstück hätten sie Wodka in den Kaffee geschüttet. Der Kontakt zu ihrer Tochter sei mal besser und mal schlechter gewesen. Als sie ihre Tochter nicht mehr habe erreichen können, habe sie bei der Polizei eine Vermisstenanzeige gestellt. 

Die Mutter des Angeklagten hatte darum gebeten, nicht persönlich vor Gericht auftreten zu müssen und die Fragen schriftlich beantworten zu dürfen. Das Verfahren sei auch für sie sehr belastend, hatte sie laut Vorsitzendem Richter argumentiert. Die Kammer war diesem Wunsch nachgekommen.

Der Kontakt zwischen dem Angeklagten und seiner Mutter war deren Schilderungen zufolge seit Jahren problematisch. Schon als junger Mann habe ihr Sohn begonnen Drogen zu konsumieren, habe gestohlen und gelogen. Nach einem sechsjährigen Aufenthalt im Ausland sei er nach Hause zurückgekehrt. Sie habe ihn jedoch wegen seiner anhaltenden Drogenprobleme vor die Türe gesetzt. Den letzten Kontakt mit ihrem Sohn habe sie im Frühjahr 2024 gehabt.

Leiche zerteilt

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft erdrosselte der Angeklagte erst die 26 Jahre alte Frau und zerteilte ihre Leiche. Den Oberkörper versteckte er im Kühlschrank, die Beine brachte er in einen Wald.

Gut zwei Wochen später tötete er laut Anklage die zweite Nachbarin in seiner Wohnung mit zahlreichen Hammerschlägen und mit um den Kopf gewickelter Frischhaltefolie. Als er die Tote sexuell habe missbrauchen wollen, habe der Lebensgefährte der 22-Jährigen an der Tür geklopft und nach ihr gerufen. Daraufhin soll der Angeklagte dem Mann mit einem Hammer in dessen Wohnung gefolgt sein und ihn dort ebenfalls erschlagen haben.

Nach Justizangaben stellte sich der Verdächtige später in Österreich der Polizei. Die Staatsanwaltschaft sieht mehrere Mordmerkmale als erfüllt an: in allen drei Fällen Heimtücke, bei den Frauen auch zur Befriedigung des Sexualtriebs. Im zweiten und dritten Fall Grausamkeit und bei dem Mann zur Verdeckung einer Straftat.

Noch keine Aussage des Angeklagten

Zu Prozessbeginn hatte sich der Angeklagte nicht geäußert. Sein Verteidiger kündigte jedoch an, dass es im Laufe des Prozesses eine Einlassung seines Mandanten geben soll. Das Urteil könnte am 19. November gesprochen werden.

In dem Mehrfamilienhaus in Zwiesel, in dem Angeklagter und Opfer lebten, gab es am Sonntag einen Brand. Nach Polizeiangaben besteht der Verdacht der fahrlässigen Brandlegung. Die Ermittler gehen nicht von einem Zusammenhang zwischen dem Feuer und dem Prozess aus.

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