Drei Lawinentote, viele Sperrungen: Der Winter der Extreme

Meterhoch lag der Schnee im Januar im Süden Bayerns - es war ein Rekordwinter. Polizei, Feuerwehr, Bergwacht und andere Helfer, aber auch die Experten der Lawinenwarnzentrale hatten alle Hände voll zu tun.
| dpa
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Die Straße nach Österreich ist am Grenzübergang auf Grund von Lawinengefahr gesperrt. Foto: Angelika Warmuth/Archivbild
dpa Die Straße nach Österreich ist am Grenzübergang auf Grund von Lawinengefahr gesperrt. Foto: Angelika Warmuth/Archivbild

Bad Tölz (dpa/lby) - Ein evakuierter Ortsteil, Tausende Helfer im Einsatz mit Schneeschaufeln, tagelanger Katastrophenfall - dieser Winter hatte es in sich. Der extreme Schneefall hat neben mehreren Extremen auch hohe Lawinengefahr und eine Rekordzahl von Straßensperrungen gebracht. Rund 140 Mal mussten nach Angaben der Lawinenwarnzentrale Bayern Straßen und Wege aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. "Das ist mehr als je zuvor in den vergangenen 20 Jahren", sagte der stellvertretende Leiter, Thomas Feistl. Obwohl schon die Saison 2017/2018 schneereich war, gab es damals nur 73 Sperrungen; sonst sind es oft um die zehn Fälle.

Trotz der Schneelage gab es in Bayern keine besonders hohe Zahl an Lawinenunfällen mit Wintersportlern. "Die Leute haben sehr vorsichtig agiert. Die Warnungen sind meist ernst genommen worden", erklärte Feistl. Drei Menschen starben in Lawinen - genauso viele wie im Vorjahr.

Nach heftigem Schneefall galt im Januar in fünf oberbayerischen Landkreisen teils mehr als eine Woche lang der Katastrophenfall, mancherorts lag der Schnee meterhoch. Tausende Helfer schaufelten einsturzgefährdete Dächer frei, auch Bundeswehr und Technisches Hilfswerk (THW) waren im Einsatz.

In Schleching (Landkreis Traunstein) mussten Menschen ihre Häuser verlassen: Der Ortsteil Raiten mit 266 Bewohnern wurde wegen Lawinengefahr evakuiert. In Balderschwang im Allgäu traf eine Lawine ein Hotel, verletzt wurde niemand.

Derzeit ziehen in den Alpenlandkreisen die Lawinenkommissionen und Sicherheitsbehörden eine Bilanz des Winters, Vertreter der Lawinenwarnzentrale sind mit dabei. Vor wenigen Tagen traf man sich in Bad Tölz. Auch bei den Lawinenwarnungen brachten die Schneemengen der Rückschau zufolge Extreme. "Wir hatten 14 Tage mit Warnstufe vier", sagte Feistl. Diese zweithöchste Warnstufe gab die dem Landesamt für Umwelt angegliederte Behörde an einem Tag im Dezember und einem Tag im Februar aus - die meisten Tage betrafen jedoch den Januar. "Zwölf Tage am Stück Gefahrenstufe vier - das hat es meines Wissens nach noch nicht gegeben."

Bei Warnstufe vier wurde im Januar eine 20-jährige Tourengeherin in den Chiemgauer Alpen am Großen Teisenberg verschüttet. Im Februar erfasste in den Ammergauer Alpen eine Gleitschneelawine am Ochsenälpeleskopf eine Gruppe von Tourengehern, zwei von ihnen starben. Dabei herrschte mit Warnstufe zwei nur mäßige Gefahr. Der Lawinenlagebericht hatte aber gemahnt, steile Grashänge zu meiden. Auf ihnen kann der Schnee abrutschen. Diese Gefahr war heuer wegen der frühen Schneefälle und der großen Schneehöhe besonders hoch.

"Wenn warmer Boden im Frühwinter einschneit, ändert sich dort die Temperatur kaum noch", erklärte Feistl. Das gelte vor allem, wenn darüber viel Schnee als isolierende Schicht liege. Der Grasboden bleibe feucht, noch Wochen oder sogar später könne der Schnee abrutschen. "Die Gleitschneelawinen lösen sich von selbst. Das macht die sehr schwer einschätzbar." Warmes Wetter und Sonne begünstige diese Lawinen - sie könnten sich aber auch unabhängig davon lösen.

Auch zu Ostern ist die Gefahr nicht völlig gebannt: Weiter oben liegt noch gut Schnee, und viele Tourengeher schultern noch einmal ihre Ski, um zu den Schneeresten aufzusteigen. Zwar herrscht derzeit vormittags Warnstufe eins und damit geringe Gefahr - doch mit dem Frühlingswetter steigt im Lauf des Tages auch jetzt noch die Gefahr von Gleit- und Nassschneelawinen auf zwei an.

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