Dorfplätze bekommen neue Maibäume

Ein Kraftakt steht vielen bayerischen Orten am Tag der Arbeit ins Haus: Am 1. Mai werden vielerorts neue Maibäume aufgestellt. Immer öfter rückt dazu der Autokran an. Traditionell geht das allerdings ohne Motorkraft: Nach alter Tradition sollen etwa in Kirchseeon im oberbayerischen Landkreis Ebersberg an die 50 Mann den Baum mit Stangen in die Höhe schieben. Mann - denn das Maibaum-Aufstellen ist bis heute ein Männerjob. Frauen als Helferinnen wurden bisher kaum gesichtet.
Zwei Tonnen wiege der 31 Meter hohe Baum in Kirchseeon, sagt Mitorganisator Tom Friedrich von der "Aktion Maibaum", der Vertreter von Feuerwehr, Trachtenverein und Kegelclub angehören. Da müsse schon kräftig zugelangt werden. Zum Aufrichten liegen die mit Girlanden geschmückten Bäume auf gekreuzten Stangen, den Schwaiberl, Schwalben oder Scherstangen.
Kran sorgt für Sicherheit
In Kirchseeon ist ein Kran aus Sicherheitsgründen dabei, der Baum wird mit einem Schlappseil gesichert. Mehrfach gab es schwere Unfälle, wenn ein Maibaum abrutschte. Mancherorts ist das traditionelle Aufstellen ohne Kran deshalb gar nicht mehr erlaubt. Außerdem brauche es ohnehin einen Kran, um die Zunfttafeln und den Kranz anzubringen, sagt Friedrich.
Die gesamte Zeremonie wird oft von Blasmusik begleitet, die Feiern klingen teils mit einem Tanz in den Mai aus. Etwa alle fünf Jahre gibt es im Allgemeinen einen neuen Maibaum: Die oft weiß-blau gestrichenen und mit Zunftzeichen versehenen Stämme werden mit der Zeit marode. Sie müssen deshalb regelmäßig auf ihre Standfestigkeit überprüft und erneuert werden. Faustregel: Der Maibaum soll nicht höher sein als der Kirchturm - das gebietet der Respekt.
Wachen und Feiern
Vorbei ist es am 1. Mai mit den Maibaumstüberl: Die Wachhütten, wo Mitglieder der Heimat- oder Burschenvereine rund um die Uhr den Baum vor dem traditionellen Diebstahl durch Nachbarn bewahren sollen, haben sich immer mehr zur Partymeile entwickelt. Teils fahren Busse die Feiernden von Stüberl zu Stüberl. Hunderte Menschen treffen sich dort an den Scheunen, Schuppen, Gerätehallen oder Zelten - wo immer der Maibaum vorbereitet und bewacht wird.
Der Maibaum-Klau gehört zum Brauch. Gelingt es den Bewohnern des Nachbarortes, den Maibaum mitzunehmen, ist ein "Lösegeld" in Form von Bier und Brotzeit fällig. Deshalb werden die Stämme von Mitgliedern der Heimat- oder Burschenvereine vor dem Aufstellen Tag und Nacht bewacht.