Django Asül über den Maibockanstich: "Es wäre langweilig, wenn es immer nur um Söder geht"
Auf die Fastenpredigt und das Singspiel am Nockherberg folgt der traditionelle Maibockanstich im Münchner Hofbräuhaus. Zum bereits 16. Mal wird die Rede dort auch heuer der Kabarettist Django Asül (53) aus dem niederbayerischen Landkreis Deggendorf halten.
Der gebürtige Niederbayer mit türkischen Wurzeln wechselte im Jahr 2008 vom Nockherberg ins Hofbräuhaus. Nach seiner sehr angriffslustigen Rede 2007 entschied sich die Paulaner-Brauerei damals, ihm nicht noch einmal die Bühne zu bieten.
AZ: Herr Asül, wie groß ist der Unterschied zwischen Maibock und Starkbier?
DJANGO ASÜL: Von Konsistenz und Brauart her läuft das schon auch unter Starkbier.
"Die Fakten- und Themenlage wird breiter"
Heißt: Nach einem Glas oder nach zweien merkt man schon etwas.
Bei Wirkungstrinkern ist das sehr beliebt, weil man mit weniger Masse auskommt.
Derbleckt wird am Nockherberg seit 1891, im Hofbräuhaus etwas später, seit 1910. Interessant, dass dort bis 1980 die Tierschützer einschritten, der erste Schluck an einen Ziegenbock ging – am Nockherberg ist es ja der Ministerpräsident. Da gibt es jedoch keinen Zusammenhang, oder?
Nein, beim Maibockanstich zapft ja der Finanzminister an, und der hat natürlich bayernweit eine ganz andere Gravität als ein Münchner Brauerei-Chef. Das Wissen, dass ein Finanzminister ein Fass anzapft, gibt einem schon das Gefühl, dass in Bayern die Finanzen und die Lebensart in guten Händen sind.

Seit Ihrem Wechsel vom Nockherberg ins Hofbräuhaus im Jahr 2008 derblecken Sie schon zum 16. Mal, sind sozusagen der dienstälteste Starkbier-Philosoph. Immer noch mit Spaß dabei?
Mehr denn je!
Wie kommt’s?
Weil die Fakten- und Themenlage immer breiter wird. Wann hätte ich zuvor beim Maibockanstich über eine Kommunalwahl reden brauchen? Aber nun hat man da eine Wahl, die bundesweit für Aufsehen gesorgt hat. Dadurch wirkt jetzt bayerische Politik immer mehr in Berlin, und da dort jetzt ein schwarzer statt eines roten Kanzlers sitzt, hat das auch wieder andere Auswirkungen auf Bayern. Da sieht man, dass der Maibock schon lang kein Münchner Thema mehr ist, weil sich durch die Stichwahlen auch innerhalb der bayerischen Staatsregierung atmosphärische Veränderungen ergeben haben. In Summe kann man sagen: Die Interdependenzen steigen.
"Selbst ein Dieter Reiter hat auf einmal eine Rolle gespielt"
Im Vergleich zum Kollegen Stephan Zinner hatten Sie also mehr Stoff für die Rede.
Timing ist das halbe Leben!
Dank der OB-Wahl dürfte Ihre Rede wohl auch mehr rote und grüne Anteile haben, korrekt?
Sowieso! Es wäre ja langweilig, wenn es immer nur darum geht, was ein Markus Söder tut oder nicht tut. Die Leistung der Bundes-SPD hat auch auf die bayerische SPD abgefärbt. Es ist nicht mehr so, dass ich mit der Lupe suchen muss, um die Bayern-SPD ins Spiel zu bringen. Selbst ein Dieter Reiter hat auf einmal eine Rolle gespielt, mit der er selbst nicht gerechnet hat.
Am Nockherberg war er sich jedenfalls noch sehr sicher. Und was Söder macht, bekommt man ja fast zwangsweise mit, wenn jedes Pausenbrot gepostet wird. Im Vorjahr war er beim Maibockanstich wegen der Koalitionsverhandlungen nicht dabei...
Das fiel ihm umso schwerer, weil er sich den Termin extra ausbedungen hatte. Er hat mir danach gesagt, dass er sich das noch in der Nacht in Berlin in der Mediathek gleich angeschaut und sich am nächsten Vormittag sehr wohlwollend beim Hofbräu-Direktor diesbezüglich gemeldet hat.
"Der Finanzminister und ich sind Vor- und Nachgruppe genug"
Wer kriegt denn nun alles Dresche? Bleiben Sie im Land, oder geht es auch um all die chaotischen Zustände in der Restwelt?
Kann sein, dass ich so manches Handeln des bayerischen Spitzenpersonals auf internationale Geschichten zurückführe. Wie immer habe ich viel zu viel Stoff, und es würde mich wundern, wenn ich nicht noch am Tag der Rede irgendwo was einbaue.

Im vergangenen Jahr gab die Kollegin Kathi Wolf sozusagen die Vorband – und heuer?
Vorband wäre falsch. Es war der Wunsch des Veranstalters, dass man in der Zeit, wo im Saal das Bier ausgeschenkt wird und dadurch eine Lücke entsteht, diese sozusagen zu füllen. Dieses Jahr soll es, sofern ich richtig informiert bin, einen gstanzlmäßigen Beitrag geben. Ich glaube, der Finanzminister und ich haben über die Jahre bewiesen, dass wir füreinander Vor- und Nachgruppe genug sind.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Asül.
