Bayreuth wagt den Stilbruch

"Kinder, schafft Neues!" - das forderte einst Richard Wagner. Urenkelin Katharina Wagner kommt seinem Wunsch nach: Zum 150. Festspieljubiläum kommt ein bekannter DJ ins traditionsreiche Festspielhaus.
Kathrin Zeilmann, dpa |
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen  AZ als Quelle bevorzugen
DJ Alle Farben ist zu Gast bei den Bayreuther Festspielen.
DJ Alle Farben ist zu Gast bei den Bayreuther Festspielen. © Pia Bayer/dpa
Bayreuth

Das gab es noch nie bei den Bayreuther Festspielen: Elektrobeats statt Klassik, Tanzen und Partystimmung statt Ergriffenheit. Und das ausgerechnet im weltberühmten Festspielhaus. DJ Alle Farben ("Alright", "She moves") durfte dort am Sonntagabend mit 1.700 Gästen ohne getragenes Opern-Ambiente das 150. Jubiläum der Bayreuther Festspiele feiern. Damit wagten die Organisatoren erstmals überhaupt eine Art musikalischen Stilbruch mit komplett anderem Genre - getreu der von Richard Wagner (1813-1883) selbst einst formulierten Forderung: "Kinder, schafft Neues!"

Menschen neugierig machen

Festivalleiterin Katharina Wagner war sichtlich zufrieden ob des Stroms an Gästen, der sich auf den Weg gemacht hatte. Hinter dem unkonventionellen Event habe die Überlegung gestanden, wie man Menschen neugierig machen könne, "die uns normalerweise nicht besuchen", sagte sie. Die Party wurde gemeinsam mit der Bayreuther Eventlokation "Die Fabrik" organisiert, den eigens dafür verpflichteten DJ Alle Farben lobte Wagner als "hochmusikalisch". 

Dass der Künstler die Wände des ehrwürdigen Hauses zum Beben bringen durfte, musste die Richard-Wagner-Stiftung zunächst absegnen - denn offiziell dürfen in dem Haus nur zehn ausgewählte Werke Wagners aufgeführt werden.

Ja, er sei sich durchaus bewusst, dass dieser Abend etwas Besonderes sei, sagte Alle Farben, der mit bürgerlichem Namen Frans Zimmer heißt. An diesem Ort sei in den vergangenen 150 Jahren stets Wagner gespielt worden, "und ich darf heute etwas Neues machen".

Sein Set habe er durchaus angepasst an den Ort. Und tatsächlich - etwa nach der Hälfte der Zeit ist unverkennbar das Motiv aus dem Walkürenritt zu hören, natürlich zeitgemäß mit schnellen Beats unterlegt. 

Blick auf die Ränge

Das Publikum jedenfalls ist sofort begeistert, als Zimmer loslegt - obwohl er mit kritischen Stimmen gerechnet hatte. Es werde sicher Leute geben, die sagen, "das geht hier nicht", hatte der DJ gesagt. Aber es sei wichtig, dass man sich gerade an so einer Stelle auch öffne. "Die Kunst muss sich entwickeln."

Die Party ermöglichte auch durchaus ungewöhnliche Perspektiven im Festspielhaus: Die Hauptbühne war nach hinten geöffnet, dort tummelte sich das Partyvolk - und hatte freien Blick auf die Ränge, wo normalerweise das Publikum ergriffen Wagners Werken wie "Parsifal" und "Der Ring des Nibelungen" lauscht. 

Damit geht es auch wieder weiter, wenn das DJ-Pult und die Scheinwerfer abgebaut sind und das Festival bis zum 26. August fortgesetzt wird. Die Festspiele feiern ihr Jubiläum auch mit Wagners Frühwerk "Rienzi", das erstmals überhaupt im Festspielhaus aufgeführt wird - und mit einem "Ring des Nibelungen", der mit KI-generierten Bilderwelten gestaltet ist. Noch so ein Stilbruch.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen
lädt ... nicht eingeloggt
 
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.