Dieser Bauer kämpft gegen Olympia: „Koa Lust auf den Zirkus“

Freundlich, aber stur: Die Geyers aus Garmisch sind keine Fans von Olympia – und ihnen gehört der Hof am Zielhang...
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Kann dieser Mann Olympia stoppen? Theo Geyer, Bauer aus Garmisch, mit seinem mittelzärtlichen Hund Baschi vor seinem Haus. „Mir wern behandelt, als wär ma gar net do.“
Daniel von Loeper Kann dieser Mann Olympia stoppen? Theo Geyer, Bauer aus Garmisch, mit seinem mittelzärtlichen Hund Baschi vor seinem Haus. „Mir wern behandelt, als wär ma gar net do.“

MÜNCHEN - Freundlich, aber stur: Die Geyers aus Garmisch sind keine Fans von Olympia – und ihnen gehört der Hof am Zielhang...

Baschi ist nicht gut zu sprechen auf Fremde. „Ja, der is unberechenbar“, sagt Agnes Geyer über ihren Hofhund. Das kann man so sehen. Zwei Mal hat er den Besucher schon in den Arm gebissen - sagen wir: mittelzärtlich. Dabei wollte der Eindringling doch nur wissen, was Agnes und Theo Geyer denn gegen Olympia haben. Und ob sie sich bewusst sind, dass sie mit ihrer Beharrlichkeit den ganzen Wettbewerb gefährden können, das vermeintliche Jahrhundertereignis von 2018?

„Na, dann kommen S’ halt rein“, sagt die 66-jährige Bäuerin und bittet in die warme Wohnküche. Es riecht gut nach Bratensoße, ihr Mann ist auch da, und Baschi bellt draußen. Ein paar Bäume trennen ihren Hof vom Zielhang des Hausbergs in Garmisch: „Seit mehr als 500 Jahren gibt’s den Hof schon“, sagt Theo (66), „und für Olympia wollen’s uns die Halfpipe direkt vor die Nase bauen. I hob koa Lust auf den Zirkus.“ Und deshalb gehören Agnes und Theo Geyer zu den 59 Grundstückseigentümern, die sich partout nicht beugen wollen. Die sich weigern, ihre Felder und Wiesen herzugeben für „die Herren, die für ein paar Wochen in die Geschichte eingehen wollen“.

Im übrigen, erzählen die beiden, würden sie ja eh schon mitspielen bei dem Winter- Halligalli, das alljährlich in Garmisch-Partenkirchen abgeht: „Bei jedem Weltcup ist es dasselbe. A Stück vom Zielraum ham’s ja scho von uns“, sagt der durchaus freundliche Landwirt: „Aber wenn man denen den kleinen Finger gibt, dann nehmen’s die ganze Hand.“

Die Herren von Olympia, so sieht es das Ehepaar, haben ihre eigenen Gesetze, und wenn die einen extra Sicherheitsraum haben wollen um ihren Wettbewerb, dann haben die Veranstalter zu spuren – und die Bauern noch ein bisserl mehr herzugeben

Längst haben sie juristischen Beistand. „Im Fall der Geyers sind die Vorstellungen der Olympia-Planungen völlig irreal“, sagt Anwalt Ludwig O. Seitz, der die Grundstückseigentümer vertritt. Für die 59 hat er einen Brief aufgesetzt an den Staatskanzleiminister Siegfried Schneider. Das Schreiben dürfte der Vorweihnachtsstimmung in der bayerischen Machtzentrale abträglich sein: „Die Grundstückseigentümer hatten Ihnen unmissverständlich erklärt, dass deren Grundbesitz für die Bewerbung um die Olympischen Winterspiele definitiv nicht zur Verfügung steht.“

Die Grundstücke seiner Mandanten seien aber unabdingbar für die Spiele, schreibt der Fachanwalt und kommt dann zum Punkt: Bis 22. Dezember habe Schneider zu bestätigen, „dass die Bewerbung offiziell zurückgezogen wird“. Andernfalls werdeman die IOC-Granden selbst von der Ablehnung informieren.

Das wäre höchst unerfreulich für die Pro-Olympier, die im Januar ihr so genanntes Bid Book abgeben müssen. Auf Grund dieser Bewerbungsunterlagen trifft das IOC im Sommer seine Entscheidung. Und deshalb sollte im Bid Book sinngemäß drinstehen: „Alles kein Problem.“

Aber davon will das Ehepaar Geyer nichts wissen. „Mir wern behandelt, als wär mer gar ned do“, sagt Herr Geyer. „Zwoa Jahr vorher und drei Jahr nachher is bloß Dreck und Verhau“, befürchtet er. „Und übrig bleiben bloß Schulden“, sagt seine Frau.

Und was sagen sie denen in München, die sich Olympia wünschen? „Dann sollen sie’s halt in Minga machn“, sagt Frau Geyer, „unser Gäu ist zu klein.“ Das Gerede vom großen Geschäft, vom Schub für den Tourismus, den Promi- Schmus, den glauben hier keineswegs alle, und die Geyers schon zweimal nicht. „Zwoa moiWMund zwoa moi Olympia – mir san scho bekannt gnua.

Wie das Ganze ausgehen werde? „I hoff’, dass die vom Komitee schlauer san“, sagt Theo Geyer, und: „Sollen’s die Spiele halt in denOsten vergeben, die brauchen’s dringender“, sagt Frau Geyer.

An Selbstbewusstsein mangelt es ihnen nicht, den Menschen im Werdenfelser Land. Und auch Baschi, der Unberechenbare, sieht beim Abschied aus, als würde er gerne noch mal zuschnappen – mittelzärtlich.

Matthias Maus

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