Diese hübsche Schlossanlage bei München kennt längst nicht jeder

Sie ist viel kleiner und weniger prominent als der Nymphenburger Schlosspark: die Ismaninger Schlossanlage. Doch rund um das einst barocke Schloss gibt es für Geschichtsfans viel Neues zu entdecken. Auch ein Buch erzählt davon.
von  Anne Hund
Im historischen Schloss Ismaning ist heute das Rathaus der Gemeinde untergebracht.
Im historischen Schloss Ismaning ist heute das Rathaus der Gemeinde untergebracht. © Anne Hund

Längst nicht jeder Münchner hat sie schon einmal besichtigt: die Ismaninger Schlossanlage. Denn sie ist wesentlich kleiner und weniger berühmt als zum Beispiel der Nymphenburger Schlosspark. Doch ein Abstecher von München aus lohnt sich. Denn hier, mitten in Ismaning, können Besucher nicht nur das einst barocke Schloss von außen sehen. Sondern auch im idyllischen Schlosspark direkt gegenüber spazierengehen. Auch dort gibt es einige Sehenswürdigkeiten. 

Denn wer sich für die Entstehung der Schlossanlage interessiert, kann dort noch bis zum 12. April eine kostenlose Sonderausstellung im Ismaninger Schlossmuseum besichtigen. Oder man greift – für noch mehr geschichtliche Details und Hintergründe – zu dem 200 Seiten umfassenden Buch von Christine Heinz mit dem Titel "Ismaning – so schön und so friedlich. Die Geschichte der Ismaninger Schlossanlage".

Die frühere Leiterin des Schlossmuseums und Kreisheimatpflegerin Heinz hat die Ergebnisse ihrer über 25-jährigen Forschungsarbeit zur Geschichte der Schlossanlage in diesem Band zusammengefasst. Die AZ hat bei der Buchpräsentation in Ismaning mit der Autorin gesprochen.

Spannende Details zur Geschichte der Ismaninger Schlossanlage

Mit viel Liebe zum Detail hat sie entsprechende Dokumente, Bauakten, Karten, Briefe und historische Quellen gesammelt – und daraus mit dem Verleger Franz Schiermeier schlussendlich ein umfassendes Standardwerk zur Historie der Schlossanlage geschaffen.

Kuratorin Christine Heinz.  Sie ist die Autorin von "Ismaning – so schön und so friedlich. Die Geschichte der Ismaninger Schlossanlage".
Kuratorin Christine Heinz. Sie ist die Autorin von "Ismaning – so schön und so friedlich. Die Geschichte der Ismaninger Schlossanlage". © Ursula Baumgart/Gemeinde Ismaning

Das Buch zeichnet gut verständlich und hübsch bebildert die Historie des Prunkbaus, seiner Nebengebäude, des Schlossparks und der Schlossökonomie nach: Ursprünglich Sitz der fürstbischöflichen Verwaltung, diente das Ensemble später als Sommerresidenz der Freisinger Bischöfe und als Refugium der Herzöge von Leuchtenberg.
Heute beherbergt das Schloss das Rathaus der Gemeinde, während im ehemaligen Gärtnerhaus das Schlossmuseum über die Geschichte Ismanings informiert.

Die Anfänge des Schlosses gehen zurück auf das 16. Jahrhundert. Um das Jahr 1530 ließ der Freisinger Bischof Philipp ein Renaissance-Schloss in Ismaning errichten, das den Freisinger Fürstbischöfen auch als Verwaltungsmittelpunkt diente, wie die Gemeinde Ismaning – Herausgeber des Buches – es in aller Kürze zusammengefasst hat.
Im 18. Jahrhundert sei das Renaissance-Schloss im Auftrag von Fürstbischof Johann Franz von Eckher entfernt worden. Um 1718 entstand stattdessen "ein neues Schloss im Stil des beginnenden Rokokos".

Historische Prunksäle im Schloss Ismaning

Eine neue Ära, die das Ismaninger Schloss Christine Heinz zufolge bis heute prägt, begann im 19. Jahrhundert: Im Oktober 1816 erwarb Eugène de Beauharnais, Stiefsohn von Napoleon Bonaparte, die Schlossanlage. Gemeinsam mit seiner Ehefrau, Herzogin Auguste Amalie von Leuchtenberg, ließ er das Schloss vom Hofarchitekten Jean-Baptiste Métivier "im klassizistischen Stil" umgestalten. Aus dieser Epoche noch erhalten seien die beiden Prunksäle im Schloss – der Blaue und der Rote Saal – mit ihren Wanddekorationen im Stil der pompeijanischen Malerei. Genauso wie die dazugehörigen Möbel.

Die Ausstattung der beiden Säle sei zwischen 1836 und 1838 entstanden, schildert Christine Heinz im Gespräch mit der AZ. Im Roten Saal im Rathaus fänden inzwischen regelmäßig Schlosskonzerte und Veranstaltungen statt. Der Blaue Saal werde hingegen "nur noch museal genutzt", da man dort sogar noch das Original-Parkett aus dem 19. Jahrhundert vorfinden könne. "Unter der Leuchtenbergzeit mit Auguste Amalie war das Schloss ihre private Sommerresidenz. Und diesen Charme hat das Schloss bis heute", sagt die ehemalige Leiterin des Schlossmuseums.

Besonders prunkvoll: der Blaue Saal im Schloss mit den historischen Wanddekorationen und Möbeln.
Besonders prunkvoll: der Blaue Saal im Schloss mit den historischen Wanddekorationen und Möbeln. © R. Sprang/Gemeinde Ismaning

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts habe das Landgut Ismaning mit seinem Schloss mehrmals den Besitzer gewechselt, erfährt man sowohl in der besagten Ausstellung als auch im Buch darüber hinaus. 1899 wurde das Schloss an die Stadt München verkauft. Erst am 15. November 1919 habe die Gemeinde Ismaning, im Rahmen eines Tauschvertrags, das schöne Schloss mit seinen Park- und Gartenanlagen erwerben können. Im Jahr 1934 zog die Gemeindeverwaltung in einige Räume des Schlosses; seit Mitte der 1950er Jahre wird es ausschließlich als Rathaus genutzt.

Dietrich Maurer, der Leiter des Schlossmuseums, hat für Kunst- und Geschichtsinteressierte folgenden Tipp: Am 22. Februar sind die historischen Prunkräume im Rathaus/Schloss (Schloßstraße 2) von 13 bis 17 Uhr zur Besichtigung geöffnet. Im Schlosspark befindet sich zudem die Galerie im Schlosspavillon und – mit wechselnden Ausstellungen zeitgenössischer Kunst – das Kallmann-Museum in der ehemaligen Orangerie. Dort gibt es, als Treffpunkt für Besucher, zudem ein Café.

Noch bis 12. April: Kostenlose Sonderausstellung im Ismaninger Schlossmuseum 

Die kostenlose Sonderausstellung "Ismaning – so schön und so friedlich. Die Geschichte der Ismaninger Schlossanlage" im Schlossmuseum zeigt zudem, wie eng die Geschichte des Schlosses mit der Region verwoben ist: vom Kauf der Herrschaft Ismaning durch das Hochstift Freising 1319 über die Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg bis hin zu den prachtvollen Erweiterungen durch Leo von Klenze im 19. Jahrhundert.

Öffnungszeiten im Schlossmuseum Ismaning (Schloßstraße 3): dienstags bis samstags (jeweils von 14.30 Uhr bis 17 Uhr) sowie sonntags (13 bis 17 Uhr). Das im Verlag von Franz Schiermeier erschienene Buch (28,50 Euro) ist ebenfalls im Schlossmuseum (oder im Buchhandel) erhältlich. Montags sowie am Faschingsdienstag (17. Februar) ist das Schlossmuseum geschlossen. 

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