"Vorbereitung hält nicht Schritt": Immer mehr Deutsche müssen in Österreichs Bergen gerettet werden

Erschöpft, verirrt und verstiegen: Rund 500 Deutsche wurden im vergangenen Bergsommer in der Alpenregion gerettet. Das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit (ÖKAS) legte vor Kurzem einen Rückblick auf die Alpinunfälle im Bergsommer 2026 vor. Betrachtet wurde der Zeitraum vom 1. Mai bis zum 13. September 2026. Die Bilanz: Insgesamt wurden mehr Alpinunfälle als im Vorjahr und im Zehn-Jahres-Mittel verzeichnet. Alpintote hingegen gab es 2026 deutlich weniger. Ungefähr die Hälfte der Unfälle und Todesfälle ereignete sich in Tirol.
Mehr Rettungen ohne Verletzung
Höher als im Vorjahr fiel auch die Zahl der Rettungen ohne Verletzungen aus. Der Anstieg ist ein anhaltender Trend: 2026 waren es etwa 70 Prozent mehr als noch 2017. Meistens handelt es sich um junge Erwachsene zwischen 20 und 30 Jahren. Von den 1123 geretteten Personen bildeten deutsche Bergsteiger mit 511 die größte Gruppe unter den Geretteten.
Die häufigsten Gründe für eine Rettung ohne medizinischen oder unfallbedingten Auslöser sind laut dem ÖKAS Erschöpfung mit 28 Prozent und Bergsteiger, die sich schlicht verirrt haben, mit 26 Prozent. Zurückführen lässt sich das auf den Klimawandel: Zunehmende Hitzebelastung, längere Anstiege bei fehlendem Schatten und eine Selbsteinschätzung, die mit den tatsächlichen Bedingungen nicht mithält.

Mit der anhaltenden Erderwärmung verlieren auch Erfahrungswerte ihre Gültigkeit, da sich die Landschaft selbst verändert: Firnfelder sind zu Blankeis geworden, Schneebrücken tragen früher im Jahr nicht mehr und Randklüfte öffnen sich weiter. Zwischen 1. Mai und 13. September wurden 19 Gletscherspaltenstürze registriert, fast dreimal so viele wie im Zehn-Jahres-Mittel.
"Die Vorbereitung hält nicht Schritt"
Auch die begehbaren Wege werden verändert. Zwischen 2006 und 2025 verloren der Hallstätter Gletscher, der Schladminger Gletscher und der Große Gosaugletscher 63 Prozent ihres Ausgangsvolumens. Durch den Eisverlust müssen Routen neu angelegt, gesichert oder aufgegeben werden.
Die Erfahrung vergangener Jahre hilft dann nicht mehr. "Der Berg hat sich verändert, und die Vorbereitung vieler Bergsteigerinnen und Bergsteiger hält damit nicht Schritt", sagt der Präsident des Verbands alpiner Vereine Österreichs, Gerald Dunkel-Schwarzenberger. "Wir brauchen Tourenbeschreibungen und Weginformationen, die den aktuellen Zustand abbilden und die Menschen dort erreichen, wo sie ihre Tour planen – und eine langfristig gesicherte alpine Infrastruktur."