Die Last der Liebe schädigt Brücken

Die Masse der Liebesschlösser kann für Brücken zum Problem werden. In Nürnberg sollen die Schlösser nun verschwinden.
| dpa
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Liebesschlösser an der Thalkirchner Brücke.
Tim Wessling Liebesschlösser an der Thalkirchner Brücke.

Früher haben Pärchen ihre Initialen in einen Baum oder eine Parkbank geritzt. Heute hängen sie ein buntes Liebesschloss an eine Brücke und werfen den Schlüssel in den Fluss. Doch die Masse der metallenen Zuneigungsbekundungen kann für die Bauwerke zum Problem werden.

Nürnberg – Die kleinen bunten Liebesschlösser an Brücken gehören in vielen bayerischen Städten inzwischen dazu. Doch für manche Bauwerke werden die Schwüre ewiger Liebe aus Metall so langsam zum Problem. Rost schädigt das Material und an manchen Konstruktionen verteilt sich das Gewicht sehr ungleich - die Statik ist in Gefahr.

In Paris brach im vergangenen Jahr sogar ein Geländerteil der Fußgängerbrücke am Louvre unter der Last tausender Schlösser ein. Nürnberg denkt nun darüber nach, die farbenfrohen Zuneigungsbeweise an einer Fußgängerbrücke in der Innenstadt zu entfernen. In anderen Kommunen werden rostende oder zu große Schlösser regelmäßig abgenommen.

An der Drahtseilkonstruktion der relativ neuen Nürnberger Fußgängerbrücke verteile sich das Gewicht der Schlösser schlechter als an alten Brücken, die mit stabilen Gittern gebaut sind, erklärt Ulrike Goeken-Haidl vom Servicebetrieb Öffentlicher Raum (SÖR). "In der Masse ist das ein Riesengewicht." Die Schlösschen rutschten hier zudem auf den Seilen in der Mitte zusammen. "Dadurch haben wir Probleme an der Tragfähigkeit der Brücke festgestellt." Hinzu kommt Korrosion. Die Seile müssen wohl noch heuer ausgetauscht werden.

Einen Termin für eine Abzwick-Aktion der Schlösser gibt es noch nicht. Eine Entscheidung soll noch im Frühjahr fallen. "Wir wollen das aber sehr behutsam machen, weil es ein schöner Brauch ist", betont Goeken-Haidl. SÖR und der Beirat für Bildende Kunst beraten derzeit, welche Alternativlösung man den Liebenden anbieten kann. An historischen Bauwerken wie dem Kettensteg oder dem Schönen Brunnen entfernt die Stadt die Schlösser regelmäßig. "Hier wollen die Leute die Kunst anschauen und keine Liebeserklärungen", sagt die SÖR-Sprecherin.

Ähnlich pragmatisch geht man in anderen Städten mit den Liebesschwüren um. "Schlösser, die extrem groß und schwer sind und damit schädigend, machen wir ab", sagte die Bamberger Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar. Vor allem die hübsche Kettenbrücke ist beliebt bei Pärchen, die ein Schloss mit ihren Namen anbringen und den Schlüssel in den Fluss werfen - als Zeichen ewiger Liebe. Manchen Paaren sei es hier sogar schon gelungen, mit riesigen Schlössern mehrere Stahlseile zusammen zu spannen, erzählt Siebenhaar.

Um die 1000 Schlösser sind es inzwischen an der 2011 gebauten Brücke. Schon bald nach Fertigstellung hingen die ersten - und zunächst war die Stadt darüber nicht gerade begeistert. Doch nach einer Ankündigung, die Schlösser zu entfernen, gab es einen riesigen Proteststurm. Inzwischen ist man versöhnlich - die Schlösser dürfen in der Regel hängen bleiben. "Ein statisches Problem haben wir noch lange nicht", sagt die Sprecherin. "Da haben nach Paris alle noch mal ganz genau hingeschaut." Doch der Korrosionsschutz der Brücke muss alle zehn Jahre erneuert werden. Dann müssen auch die Schlösser weg.

Regensburg hat bis jetzt noch keine Probleme mit ihnen. "Die Schlösser hängen bei uns vor allem am Eisernen Steg. Das ist eine sehr massive Konstruktion und sie hängen da ordentlich dran", sagt Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra. Das Tiefbauamt habe aber ein Auge darauf - sollte es mal Schwierigkeiten geben. Irgendwann werde auch Regensburg vor der Frage stehen, ob man Schlösser abmachen muss. "Bis jetzt hält die Liebe aber noch in Regensburg."

Auch in München kennt man sich aus mit dem Thema. Vor allem an einer Isar-Brücke beim Zoo hängen die bunten Zuneigungsbeweise. Hier gibt es vor allem Probleme mit "Kontaktkorrosion", sagt Friedrich Spieß, Vize-Abteilungsleiter Bauwerksunterhalt. Der Rost des billigen Metalls der Schlösser springt auf das Bauwerk über. "Wir dulden die Schlösser und wollen dem Brauch nicht entgegentreten", sagt Spieß.

Wenn sich Rost bilde oder es statische Probleme gibt, kommen die Schlösser trotzdem ab. "Sicherheit geht vor", sagt Spieß. Der Bauhof kontrolliert die Brücken regelmäßig. Ein paar tausend Schlösser hingen sicher an der Brücke. Mehrere Hundert wurden schon entfernt. Die Schlösser werden drei Monate aufbewahrt. "Gelegentlich erkundigt sich dann eine Dame oder ein Herr nach den Schlössern. Das ist aber ganz selten. Im Jahr vielleicht fünf oder sechs Leute", sagt Spieß.

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