"Die Kosten sind so explodiert": Hier wird es für Touristen und Einheimische in Bayern teurer
Aus is an Bord: Die Schifferl-Saison auf dem Starnberger und dem Ammersee ist für dieses Jahr vorbei. Am 24. Oktober hatten die Verantwortlichen am Starnberger See noch einen Tag drangehängt. Weil das Herbstwetter gut war. Nach dieser Zugabe ist dort jetzt offiziell Winterpause. Zum Beispiel werden nun die Schiffe gewartet.
Aber auch an den Preisen wird geschraubt. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass eine Schiffstour im Freistaat nächstes Jahr etwas teurer werden wird. Das bestätigt Michael Grießer der AZ. Er ist Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt. Diese ist zuständig für über 30 Schiffe auf gleich vier beliebten Seen: Starnberger See, Ammersee, Tegernsee und Königssee.
Er kündigt an: "Wir werden um die fünf Prozent erhöhen müssen. Die Kosten sind so explodiert, gerade im Bereich der Energie und des synthetischen Diesels, mit dem wir fahren." Das hat mit weltpolitischen Problemen wie dem Iran-Krieg zu tun. Die exakten Ticketpreise teilte er noch nicht mit.

Die Erhöhung wird alle vier Seen treffen, um eine ausgeglichene Anhebung zu gewährleisten. Grießer erzählt, dass bereits in diesem Jahr unter Schifffahrtskollegen aus Bayern und Österreich diskutiert worden sei, ob man die Preise nicht sogar noch fürs laufende Jahr anpassen sollte. Obwohl diese eigentlich im Voraus festgelegt werden. "Wir haben es nicht gemacht, aber wir müssen das im nächsten Jahr etwas abfangen. Im Moment gibt es keine Aussicht, dass es günstiger wird."
Große Rundfahrt am Starnberger See: Bisher 27 Euro
Eine große Rundfahrt auf dem Starnberger See kostete bisher 27 Euro, eine Kurzrundfahrt 14 Euro. Eine südliche oder nördliche Rundfahrt konnte man für 20 Euro mitmachen.
Auf dem Ammersee zahlten Fahrgäste für die große Rundfahrt ebenfalls 27 Euro, am Tegernsee 19,50 Euro. Wer am Königssee von der Seelände nach St. Bartholomä und zurück fährt, zahlt aktuell 23,40 Euro.
Wir halten an unseren Familienpreisen fest
Grießer ist es wichtig, hervorzuheben, dass man weiterhin besonders auf Familien schaut. "Wir halten an unseren Familienpreisen fest." Das bedeutet: Ein Kind, das zwischen sechs und 17 Jahre alt ist, zahlt nur den halben Preis. Kinder bis zum 6. Lebensjahr fahren sogar umsonst mit. Und: Eine Familie mit einem zweiten Kind ab sechs Jahren zahlt für dieses nur einen Euro. "Ich denke, für ein Ausflugsziel sind das faire Familienpreise."
Auch für Senioren gibt es eine Spar-Möglichkeit: Montags sei Seniorentag am Starnberger und am Ammersee. Heißt: 25 Prozent Ermäßigung.
Und wer mit den Öffentlichen kommt, kann ebenfalls sparen. Für Starnberger See, Ammersee und Tegernsee gilt laut Homepage: "Wer mit dem MVV-München anreist und eine gültige MVV-Fahrkarte für Erwachsene vorlegt, erhält beim Kauf eines regulären Fahrscheins einen Rabatt von fünf Prozent auf den Erwachsenentarif (auf volle zehn Cent aufgerundet)."

Wie schaut der Geschäftsführer sonst auf die zurückliegende Saison? "Wir ziehen eine positive Bilanz", sagt Grießer. Am Königssee, Ammersee und Tegernsee seien sie "Gott sei Dank vom Niedrigwasser überhaupt nicht betroffen" gewesen. Die Seen hätten Zuflüsse aus dem Gebirge, dadurch konnten die sommerliche Hitze und der fehlende Regen ausgeglichen werden.
Niedrigwasser am Starnberger See
Anders war es ab August am Starnberger See. Dieser speise sich aus Grund- und Oberflächenwasser. "Vier Stege konnten wir nicht anfahren." Darunter Possenhofen und Berg. Bis zum Saison-Schluss ging dort nichts.
Ein Problem bei niedrigem Pegel: "Die Zutritte zu den Schiffen bei den Stegen werden so steil, dass die Leute nicht mehr sicher ein- und aussteigen können." Das zweite Risiko: "Irgendwann wird es gefährlich, wenn die Schiffe wegfahren, dass sie auf Grund aufgehen." Deswegen entschied man sich für die Einschränkung. "An Niedrigwasser in der Form", also über so einen langen Zeitraum und mit gleich vier betroffenen Stegen, könne er sich nicht erinnern.
Warum die Bilanz trotzdem positiv ausfällt
Dennoch sagt er: "Insgesamt sind wir auch dort mit einem absolut blauen Auge davongekommen." Denn: Die Hauptstege Starnberg, Tutzing, Seeshaupt und Leoni konnten angesteuert werden. Also an jeder Seite des Sees.

Hat sich das Niedrigwasser auf die Passagierzahlen ausgewirkt? "Wir haben ein leichtes Plus auch am Starnberger See gegenüber dem letzten Jahr." Es seien insgesamt rund 200.000 Fahrgäste gewesen.
Wo jetzt noch Schiffe fahren
Aber nicht so sehr wie am Ammersee, der offenbar stark an Beliebtheit gewonnen hat: gut zehn Prozent mehr (insgesamt rund 330.000 Gäste)! Am Starnberger See sei der Zuwachs unter einem Prozent gewesen. Grießers Vermutung: Der eine oder andere könnte wegen der Niedrigwasser-Meldungen sicherheitshalber den nahen Ammersee angesteuert haben.
Spitzenreiter ist ein anderes Ausflugsziel: "Der erfolgreichste See ist jedes Jahr der Königssee." Dort und auch am Tegernsee fahren die Schiffe länger, am Königssee sogar das ganze Jahr über. Nur an Heiligabend nicht oder wenn der See vereist. Das war diesen Winter für knapp drei Wochen der Fall.
Gelungener Start fürs E-Schiff am Tegernsee
Am Tegernsee gilt ein Winterfahrplan bis 8. November, von 25. Dezember bis 10. Januar 2027 und von 20. März bis 30. April 2027. Dort konnte man in diesem Sommer das neue E-Schiff EMS Gmund (Kosten: 4,2 Millionen Euro) einweihen. "Die ersten Eindrücke der Fahrgäste und des Personals sind sehr gut." Antriebsgeräusche? Kaum.
Das Schiff ist 25,40 Meter lang, 6,25 Meter breit und kann bis zu 180 Fahrgäste befördern, teilte das Finanzministerium zur Schiffstaufe im September mit.

"Es ist konzeptionell und baulich wirklich sehr gelungen", sagt Grießer. Gebaut hat es die Lux-Werft bei Bonn. "Es ist eine echte Bereicherung für den Tegernsee." Der Geschäftsführer bleibt aber diplomatisch: "Jeder See hat seine eigenen Schönheiten, bei den Schiffen ist es genauso." Deswegen hat er kein Lieblingsschiff.
Ein weiteres E-Schiff für den Tegernsee ist schon in Auftrag gegeben und soll 2027 in Betrieb gehen.
Nicht zur Bayerischen Seenschifffahrt gehört das "bayerische Meer", der Chiemsee. Dort gilt ein Winterfahrplan.
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